Brennpunkt Bildgebung: Schmerzen durch Radiologie lindern

Wien (OTS) - 6. März 2013. Palliative Maßnahmen haben das Ziel, die Lebensqualität von PatientInnen, die an einem unheilbaren Leiden erkrankt sind, zu steigern und/oder deren Leiden und Schmerzen zu lindern. Eine Lebensverlängerung ist nicht das primäre Ziel einer palliativen Maßnahme, obwohl dies in manchen Fällen auch erreicht werden kann.
Eine Lebensverlängerung und Leidensminderung wird erreicht, wenn Maßnahmen gesetzt werden, die zur Beseitigung von Zuständen, die mit dem Leben nicht vereinbar sind, führen. Keinen Einfluss auf das Überleben haben Maßnahmen, die ausschließlich zur Schmerzlinderung dienen. Die interventionelle Radiologie bietet hier ein breites Spektrum an palliativen Möglichkeiten.

Vielzahl an radiologisch gestützten Möglichkeiten zur Schmerzlinderung

"Einerseits sind hier durch Bildgebung kontrollierte Schmerzblockaden zu nennen, wie Wirbelsäuleninfiltrationen und Zementinstillationen in von Tumoren befallenen Knochenanteilen, sowie Infiltrationen von Nervengeflechten im Bauchraum bei fortgeschrittenen Tumoren. Weiters zählt das Ableiten von Körperflüssigkeiten, die wegen eines Tumorleidens nicht mehr über den natürlichen Weg abgeleitet werden können, zu den palliativen Maßnahmen der interventionellen Radiologie. Hier seien die Gallengangsdrainage und die Nierenfistelung beispielhaft erwähnt", so Professor Klaus Hausegger, Vorstand am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Klinikums Klagenfurt am Wörthersee.
Wenn zum Beispiel durch einen Tumor die Speiseröhre für Nahrung nicht mehr durchgängig ist, kann eine innere Schienung (Stent) die Nahrungsmittelpassage wieder herstellen, auch hier wird der Eingriff durch radiologische Methoden gestützt.
Verschiedenste Tumoren können im fortgeschrittenen Stadium zu Blutungen führen, welche durch den Verschluss der zuführenden Blutgefäße gestoppt werden können. Durch die sogenannte Embolisation wird zumeist das Tumorwachstum nicht beeinflusst, jedoch kann dadurch ein Verbluten des Patienten verhindert werden.

Schmerzlinderung durch Zement

Der größte unmittelbare Effekt kann durch Maßnahmen erzielt werden, die zu einer direkten Schmerzlinderung führen.
Ein Beispiel hierfür ist die Zementoplastie, bei welcher Knochenareale, die durch einen Tumor zerstört wurden, meist durch Knochenmetastasen, unter Bildgebungskontrolle mit Knochenzement aufgefüllt werden. Der Knochenzement wird dabei über eine relativ dicke Nadel, mit welcher der Herd punktiert wird, eingebracht. Der Knochenzement führt zu einer Stabilisierung des zerstörten Knochenareals und dadurch zu einer Schmerzlinderung. Darüber hinaus erhitzt sich der Zement beim Aushärten auf etwa 70GradC, wodurch es zum Abtöten der regionären Nervenfasern kommt, was ebenfalls zur Schmerzlinderung beiträgt. Sehr gut geeignet ist diese Technik zur Schmerzlinderungen bei lytischen Knochenmetastasen, welche den Knochen auflösen, insbesondere wenn die Gefahr einer Kompressionsfraktur der Wirbelsäule oder der Beckenpfanne besteht. An ihre Grenzen stößt die Methode allerdings bei größeren Knochen wie dem Oberschenkelknochen, oder wenn es sich um einen Befall durch solide Tumoren handelt, welche keinen Platz für eine Zementeinbringung bieten.

Palliative radiologische Versorgung in Österreich

"Die Häufigkeit der Anwendung von palliativen Verfahren in der Interventionellen Radiologie hängt vom Profil des jeweiligen Krankenhauses ab. Man kann davon ausgehen, dass in allen Schwerpunktkrankenhäusern die entsprechenden Prozeduren angeboten werden. Meist ist es auch möglich, für spezielle Fragestellungen Patienten an entsprechende Zentren zuzuweisen. Dort wird der Eingriff, der zumeist ja wenig belastend ist, durchgeführt und nach einer kurzen Beobachtungsphase wird der Patient wieder an die zuweisende Abteilung rücktransferiert", so Prof. Hausegger.
Prof. Hausegger wird am diesjährigen European Congress of Radiology (ECR 2013), welcher ab Donnerstag im Wiener Austria Center stattfindet, eine wissenschaftliche Sitzung zum Thema "Palliative interventional techniques in cancer" leiten, in welcher internationale Experten die neuesten Erkenntnisse zu diesem Thema präsentieren und diskutieren werden.

Ab 07. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen

Beim 25. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 07. bis 11. März 2013 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.
Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 53.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

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