Tiroler Tageszeitung - Leitartikel vom 6. März 2013 von Michael Sprenger - Die Rückkehr des Parteisoldaten

Innsbruck (OTS) - Utl: Werner Faymann hat lange Zeit die Partei links liegen gelassen. Er vertraute zu lange auf seine Personalpolitik und seine gute Beziehung zum Boulevard. Eine Fehleinschätzung. Jetzt muss Norbert Darabos die Partei wieder flottmachen.

In der Partei rumorte es schon lange. Doch der Rumor war bislang nur im kleinen Kreis zu hören. Die SPÖ war bis zuletzt immer noch diszipliniert genug, um Kritik nur hinter vorgehaltener Hand zu äußern. Doch die Wahlverluste unter dem Vorsitz von Werner Faymann zerrten bereits an den Nerven. Und es wurde immer häufiger eine Schuldige ausgemacht: die Parteizentrale in der Löwelstraße. Einst der Sitz der Partei, wo echte Kaliber das Sagen hatten. Doch seit Faymann den Vorsitz hat, wird dort nur noch hausbackene Arbeit verrichtet. Ohne sozialdemokratische Überzeugung, ohne Kraft, ohne Anspruch.
Das Ergebnis dieser Form der Parteiarbeit musste letzten Endes auch der Kanzler zur Kenntnis nehmen: Die SPÖ hat keine Kampagnenfähigkeit mehr. In einem Superwahljahr kann es für eine Partei, die noch dazu den Kanzler stellt, kein schlimmeres Zeugnis geben.
Ungewohnt rasch vollzog der konsensorientierte Faymann nach dem heißkalten Wahlsonntag die Rochade. Und er konnte damit gleich mehrere Schwachstellen - und Angriffsflächen für den politischen Gegner - auf einmal beseitigen. Das Verteidigungsministerium bekommt mit Gerald Krug einen neuen, unbelasteten Minister. Günther Kräuter wechselt gerne in die Volksanwaltschaft - und vor allem hat er nun mit Norbert Darabos einen treuen Parteisoldaten zur Seite, der bereits dreimal den Beweis antreten konnte, in für die Partei schwierigen Wahlkampf-zeiten das Ruder herumzureißen. Mit der Rückkehr des Parteisoldaten in die Parteizentrale hat Faymann auch indirekt zugegeben, dass die bloße Allianz mit dem Boulevard zu wenig ist, um Kanzler bleiben zu können. Insofern war Faymann bei der gestrigen Präsentation seines neuen Parteimanagers und Wahlkampfleiters geradezu entlarvend ehrlich, als er sagte: Darabos könne glaubwürdig erklären, wofür die SPÖ stehe.
Darabos sah man gestern förmlich die Erleichterung an. So als ob er danach brennen würde, der SPÖ wieder dieses Feuer zu geben, das sie braucht. Er will die Parteifunktionäre wieder auf der Straße sehen. Vorbei die Zeiten der plakativen Botschaften. Darabos war kein guter Minister, er hat es auch von Anfang an nie leicht gehabt im Verteidigungsressort, aber er ist ein Kämpfer, der auf einem ideologischen Fundament steht. Er besitzt also jene Eigenschaften, die Faymann fehlen. So könnten sich die beiden bis zur Nationalratswahl gut ergänzen.

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