"Aus dem Leben eines Watschenmannes", OÖNachrichten-Leitartikel von Wolfgang Braun

Ausgabe vom 6. März

Linz (OTS) - Norbert Darabos hat ausgelitten. Selten dürfte es einen Politiker in der Zweiten Republik gegeben haben, der so vollkommen in die Rolle des Prügelknaben geschlittert ist wie der optisch immer noch jugendlich wirkende Burgenländer. Er galt einst als Nachwuchshoffnung der SPÖ, bis sich am 11. Jänner 2007 das Blatt wendete: An diesem Tag trat Darabos sein Amt als Verteidigungsminister an, begleitet von süffisantem Beifall seines damaligen Parteichefs und Bundeskanzlers Alfred Gusenbauer.
Es war der Beginn seines Absturzes. Am Anfang stand die undankbare, weil aussichtslose Aufgabe, aus dem Eurofighter-Vertrag auszusteigen. Es folgten Zerwürfnisse mit führenden Militärs bis hin zum offenen Konflikt mit seinem Generalstabschef Edmund Entacher. All das wurde begleitet von regelmäßigen Angriffen und Untergriffen der politischen Konkurrenten, die den Zivildiener Darabos rasch als Lieblingsziel definiert hatten.
Darabos hatte all dem wenig entgegenzusetzen, er war überfordert, ihm fehlten das Durchsetzungsvermögen und die Schläue eines Vollblutpolitikers. Zudem war die Unterstützung seiner Partei nur dezent bis nicht vorhanden. Darabos Devise war durchhalten, durchleiden. Das merkte man ihm an, das nagte an ihm, politisch und persönlich.
Mit der Kehrtwende in der Wehrpflicht-Frage, die er auf Geheiß von Parteichef Werner Faymann und Michael Häupl vollführte, akzeptierte er schließlich seine endgültige Degradierung zur Schachfigur. Es war die Kapitulation der Persönlichkeit Norbert Darabos vor dem Parteisoldaten Norbert Darabos. Versagt hat damit aber nicht nur er, sondern auch die SPÖ-Spitze, die es in Kauf genommen hat, ein Regierungsmitglied zu verheizen und schließlich zu opfern.
Darabos Abgang als Minister war ab der Niederlage bei der Wehrpflicht-Volksbefragung nur noch eine Frage der Zeit. Zu groß wäre die Angriffsfläche gewesen, die er als Minister im Wahljahr geboten hätte.
Dass er nun wieder in die Bundesgeschäftsführung zurückkehren kann, eröffnet ihm die Chance eines Neustarts. Leicht ist der Weg zurück nicht, weil die Ministerjahre Ballast sind. Dafür ist Darabos um eine schmerzliche Erfahrung reicher. Er hat erleben müssen, dass Parteiloyalität dort ihre Grenze erreicht, wo man für sie die Selbstachtung opfern muss.

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