WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Limits für Boni als Aufhänger für Reformen - von Wolfgang Tucek

In der Praxis werden sich die Auswirkungen in Grenzen halten

Wien (OTS) - Endlich: Die Finanzmarktreformen im Fahrwasser der Finanz- und Wirtschaftskrise haben einen guten Aufhänger. Die horrenden Boni für unverantwortliche Bankmanager und geldgeile Finanzmarktzocker sollen gedeckelt werden. Niemand - außer vielleicht den Betroffenen selbst - kann dagegen etwas haben. Sogar in der Finanzhochburg Schweiz reicht es fast 68 Prozent der Menschen. So viele haben eine Volksabstimmung "gegen die Abzocker" in den Chefetagen ihrer Konzerne unterschrieben. Die Aktionäre sollen künftig das Einkommen des Vorstands regeln und nicht de facto dieser selbst. Das gefällt auch der EU. Noch heuer will Binnenmarktkommissar Michel Barnier mit einem Gesetzesvorschlag nachziehen. Damit soll irrwitzig hohen Einkommen nicht nur in der Finanzbranche, sondern überall ein Riegel vorgeschoben werden. Das klingt alles nachvollziehbar und entspricht der aktuellen Debatte über mehr soziale Gerechtigkeit. Die Auswirkungen dieser politischen Schachzüge werden sich in der Praxis aber in Grenzen halten.

Denn dass die Großaktionäre ihre Topmanager künftig schlechter bezahlen, wenn diese mit Abwanderung zur Konkurrenz drohen, ist kaum zu erwarten. Für Riesengewinne gibt es weiter Riesengehälter. Etwas anders ist es in der Finanzbranche: Wer komplexe Subprime-Wertpapierbündel und Credit Default Swaps erfunden hat, den wird ein Deckel für die Boni nicht am Geldverdienen hindern. Ein höherer Grundlohn ist nur die simpelste Variante, das Einkommen hoch zu halten. Ansonsten werden Gehaltsabrechnungen eben viel komplizierter, um den Bonideckel zu umgehen.

Das ist schade, denn die enormen Erfolgsprämien für kurzfristige Gewinne haben manche Banker und Trader zu hochriskanten Wetten auf kaum nachvollziehbare Finanzkonstrukte verleitet, mit denen sie am Ende den Steuerzahler um viele Milliarden Euro geprellt haben. Den Schaden der Finanzkrise musste die öffentliche Hand tragen, um den kompletten Kollaps des weltweiten Finanzsystems zu verhindern.
Warum dennoch vielen Managern der Abschied mit Millionenboni versüßt wurde, nachdem sie ihre Banken zuvor gegen die Wand gefahren hatten, ist nur durch ihr Verhandlungsgeschick bei der Dienstvertragsgestaltung zu erklären. Verstehen kann und will das längst niemand mehr. Oder Novartis-Chef Vasella: Mit einer geplanten Abfertigung von umgerechnet 60 Millionen Euro war er ein massiver unfreiwilliger Unterstützer der Schweizer "Abzocker-Initiative". Doch mehr als ein guter Aufhänger für die Finanzmarktreformen sind die Boni-Limits nicht.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt Medien GmbH
Tel.: 0043160117-305
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001