75 Jahre "Anschluss": Umfassendes ORF-Programmangebot in Fernsehen, Radio und Internet

Wien (OTS) - Am 12. März 2013 jährt sich zum 75. Mal der Einmarsch deutscher Truppen in Österreich, der sogenannte "Anschluss". Der ORF erinnert mit einem umfangreichen Programmangebot in TV, Radio und Internet an dieses Ereignis des Jahres 1938, mit dem die Erste Republik ihr Ende fand. Live aus dem Großen Redoutensaal der Wiener Hofburg überträgt ORF 2 am Dienstag, dem 12. März 2013, ab 10.25 Uhr den Gedenkakt zum 75. Jahrestag des "Untergangs Österreichs". Auf dem Programm stehen weiters aktuelle Dokumentationen wie "Schatten der Vergangenheit - Die Wiener Philharmoniker im Nationalsozialismus", "Ari Rath - Ein Bub aus Wien", "Der Untergang Österreichs", "Trotz Verbot nicht tot - Rechtsextremismus in Österreich" und "Hitlers Museum" sowie die Spielfilme "Vielleicht in einem anderen Leben" und "38 - Auch das war Wien".

ORF III überträgt am Montag, dem 11. März, ab 11.00 Uhr live die Gedenkfeier für NS-Opfer am Wiener Zentralfriedhof - Gruppe 40. Die beiden Folgen über den "Anschluss" der Dokumentarfilmreihe "Österreich I" von und mit Hugo Portisch bilden in einer ORF-III-Neuauflage am Samstag, dem 9., und 16. März, jeweils um 20.15 Uhr den Auftakt für zwei Themenabende auf ORF III.

Österreich 1 nimmt den 75. Jahrestag des "Anschlusses" an Nazi-Deutschland zum Anlass für einen Schwerpunkt mit sieben Sendungen: "Salzburger Nachtstudio" (6. März), "Hörbilder" (9. März), "Motive - Glauben und Zweifeln" (10. März), "Betrifft: Geschichte" (11. bis 15. März), "Im Gespräch" (14., Wh. am 15. März), "Dimensionen" (18. März) und "Tao" (30. März).

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: ORF ist elektronisches Gedächtnis des Landes

"Zeitgeschichte im gesellschaftspolitisch-historischen Zusammenhang zu reflektieren, zählt zu den Kernaufgaben öffentlich-rechtlicher Rundfunksender. Mit dem umfangreichen ORF-Programmangebot zum 75. Jahrestag des 'Anschlusses' wollen wir als elektronisches Gedächtnis des Landes in Radio, Fernsehen und Internet einen Beitrag zur öffentlichen Kultur des Erinnerns leisten."

Die einzelnen Programmpunkte im Überblick

Montag, 11. März, ORF 2

"Kulturmontag": "Schatten der Vergangenheit - Die Wiener Philharmoniker im Nationalsozialismus" (23.15 Uhr)

Am 12. März veröffentlicht eine Gruppe von unabhängigen Historiker/innen um den Zeithistoriker Oliver Rathkolb ihre Erkenntnisse zur Orchestergeschichte der Wiener Philharmoniker während der Zeit des Nationalsozialismus. Einen Tag zuvor zeigt der "Kulturmontag" eine Dokumentation von Robert Neumüller, in der Mitglieder des Orchesters von heute, Nachfahren von fristlos entlassenen und vertriebenen jüdischen Philharmonikern sowie die Historiker/innen zu Wort kommen. Die Dokumentation - eine Produktion von pre tv in Koproduktion mit ORF, ORF III und ORF/3sat, hergestellt mit Unterstützung des Zukunftsfonds Österreich - ist zudem am Mittwoch, dem 13. März, um 20.15 Uhr in ORF III und am Samstag, dem 30. März, um 21.15 Uhr in 3sat zu sehen.

"art.film": "Vielleicht in einem anderen Leben" (23.45 Uhr)

April 1945: Eine Gruppe jüdischer Häftlinge macht während ihres Gewaltmarsches nach Mauthausen Pause. Gemeinsam mit den Dorfbewohner/innen studieren sie die Operette "Wiener Blut" ein. Ein tragikomischer, aber berührender Versuch, mit der Idee der Kunst zu überleben. Unter der Regie von Elisabeth Scharang spielen Ursula Strauss, Johannes Krisch, Franziska Singer u.a. Das Drehbuch stammt von Silke Hassler und Peter Turrini.

Dienstag, 12. März, ORF 2

Gedenkakt zum 75. Jahrestag des 12. März 1938 (10.25 Uhr)

Live aus dem Großen Redoutensaal der Wiener Hofburg überträgt ORF 2 den Gedenkakt zum 75. Jahrestag des "Untergangs Österreichs". Kommentator ist Fritz Jungmayr.

"Ari Rath - Ein Bub aus Wien" (11.45 Uhr)

Ari Rath wurde 1925 in Wien geboren. Den Antisemitismus bekam er früh zu spüren, in der Schule wurde er selektiert, einer "Judenklasse" zugewiesen. Dann kam der sogenannte "Anschluss", sein Leben geriet aus den Fugen. Der Bub aus Wien überlebte - und wurde Zeitzeuge zahlreicher Sternstunden der Geschichte. Über Jahrzehnte hinweg war Ari Rath einer der wichtigsten Journalisten im Nahen Osten. Er war Wegbegleiter von Bruno Kreisky und von Israels Staatsgründer David Ben-Gurion. Der Sohn galizischer Juden berichtet in dieser von Monica Ladurner gestalteten Produktion des Landesstudios Wien von seiner Kindheit in der Porzellangasse in Wien, vom "Anschluss" 1938 und seiner darauffolgenden Flucht mit einem Kindertransport nach Palästina, vom Aufbau des Staates Israel, von seiner Arbeit als Chefredakteur und Herausgeber der liberalen Zeitung "Jerusalem Post" - und von seiner späten Versöhnung mit dem Heimatland Österreich.

"38 - Auch das war Wien" (23.55 Uhr)

Die junge Schauspielerin Carola Hell steht kurz vor dem Einmarsch Hitlers in Österreich 1938 am Anfang einer glänzenden Karriere. Sie glaubt, ihre Liebe zu dem jüdischen Schriftsteller Martin Hoffmann unpolitisch leben zu können. Doch der Faschismus lässt ihnen keine Chance. Die Nazibewegung im ganzen Land wächst, die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich und der latente Antisemitismus wird immer aggressiver. Als sie endlich erkennen, dass sie der Gewalt nicht mehr ausweichen können, versuchen sie, Österreich zu verlassen. In dem von Wolfgang Glück nach dem Roman "Auch das war Wien" von Friedrich Torberg 1986 inszenierten Film spielen Tobias Engel, Sunnyi Melles, Heinz Trixner, Lotte Ledl, Ingrid Burkhard, Romuald Pekny u. a.

Mittwoch, 13. März, ORF 2

"Menschen & Mächte": "Trotz Verbot nicht tot - Rechtsextremismus in Österreich" (22.30 Uhr)

Zum 75. Jahrestag des Gedenkens an die Auslöschung Österreichs im März 1938 und zum 60. Jahrestag der Gründung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands eine Analyse der rechtsextremen Szene Österreichs seit 1945, von rechtsradikalen Zeitschriften wie "HALT" oder "SIEG" bis zu "alpen-donau.info" -zwischen den USA, Deutschland und Osteuropa. Im Zeitalter des Cyberspace haben sich Rekrutierung und die Organisation des Demonstrations-Tourismus erfolgreich ins Netz verlagert. Robert Gokls Dokumentation geht der Frage nach, warum Revisionismus, Antisemitismus und Rassismus bis heute gerade auch für manche jungen Menschen eine so große Faszination ausüben - nach Jahrzehnten des Verbots?

"Menschen & Mächte": "Der Untergang Österreichs" (23.20 Uhr)

Das Vorspiel zum Untergang Österreichs vollzog sich am 11. März 1938 über das Telefon. Der aus Berlin gesteuerte Putsch machte das Land nationalsozialistisch, bevor Hitlers Wehrmacht einmarschierte. Andreas Novaks Dokumentation verschränkt die Ereignisse rund um den Anschluss mit dem politischen Aufstieg von Arthur Seyss-Inquart, dem von Hitler und Göring erzwungenen Kurzzeit-Bundeskanzler. Erstmals werden Filmaufnahmen des abgesetzten, unter Hausarrest gestellten Kurt Schuschnigg gezeigt. Ein ehemaliger Gardesoldat berichtet über dessen Bewachung und den Versuch eines Nazitrupps, an Schuschnigg Selbstjustiz zu üben. Die Dokumentation präsentiert auch bisher unbekannte Wiener Alltagsszenen vom März 1938, gefilmt von einem amerikanischen Universitätsprofessor für Chemie, der damals mit seiner Familie in Wien lebte.

Freitag, 15. März, ORF 2

"Universum History": "Hitlers Museum - Der Raubzug für den Führer" (22.40 Uhr; in zwei Teilen - Teil 2 am 22. März)

Eineinhalb Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, anlässlich der Annexion Österreichs im März 1938, hat Hitler die größenwahnsinnige Idee, in seiner Heimatstadt Linz das größte europäische Kunstzentrum Europas zu errichten. Bei Kriegsbeginn am 1. September 1939 rücken nicht nur die Armeen vor, auch die Kunsträuber schwärmen zum Beutezug aus. Ein Kunstraub unvergleichlichen Ausmaßes beginnt. Doch nicht nur Einsatzkommandos verschiedener nationalsozialistischer Organisationen plündern die besetzten Länder aus, auch die Nazigrößen selbst lassen mitgehen, was wert- und prachtvoll ist. Eine Dokumentation von Hannes Schuler.

ORF III mit zwei Schwerpunktabenden: 75 Jahre "Anschluss" am 9. und am 16. März

Am Sonntag, dem 9. März, folgt auf die "Österreich I"-Folge "Abschied von Österreich" (20.15 Uhr) die Dokumentation "Ein General gegen Hitler - Wilhelm Zehner" (21.50 Uhr) über jenen Staatssekretär, der seinen Widerstand gegen die NS-Diktatur mit dem Leben bezahlen musste. Anschließend behandeln die Dokumentationen "Zwischen Wien und Jerusalem: Über Nacht vogelfrei" (22.40 Uhr) und "Emigration N.Y.:
Die Geschichte einer Vertreibung" (23.35 Uhr) das Thema Flucht und Emigration. Zahlreiche ehemalige Österreicher/innen jüdischer Herkunft kommen zu Wort.

Am Samstag, dem 16. März, setzt sich der ORF-III-Schwerpunktabend nach der "Österreich I"-Folge "Die Heimsuchung" (20.15 Uhr) und einer weiteren Ausstrahlung der Dokumentation "Schatten der Vergangenheit -Die Wiener Philharmoniker im Nationalsozialismus" (21.45 Uhr) mit dem Thema des österreichischen Kabaretts zur Nazizeit auseinander, insbesondere mit Fritz Grünbaum. Grünbaum war eine der zentralsten Persönlichkeiten des Wiener Kabaretts, bevor er im KZ Dachau ermordet wurde. Um 22.15 Uhr zeigt ORF III das Dokumentationsporträt "Lachen im Keller - Fritz Grünbaum", gefolgt von "Was lachen Sie?" um 23.05 Uhr mit Texten von Karl Farkas, Fritz Grünbaum, Otto Reutter und Hugo Wiener.

Bereits am 11. März überträgt ORF III ab 11.00 Uhr live die Gedenkfeier für NS-Opfer am Wiener Zentralfriedhof.

75 Jahre "März 1938" - ein Ö1-Schwerpunkt von 6. bis 30. März

"Also mir san alle ... i waaß noch ... am Ring und am Heldenplatz g'standen ... unübersehbar warn mir ... man hat gefühlt, ma is unter sich ... es war wie beim Heirigen ... es war wie a riesiger Heiriger ...! Aber feierlich", erinnert sich "Der Herr Karl" an Hitlers Einmarsch in Österreich. Wie viel Geschichte ist in unserer Gegenwart noch präsent? Warum ist die Zweite Republik im Gegensatz zur ihrer Vorgängerin so erfolgreich? Wann und warum funktionieren Demokratien? Am Mittwoch, dem 6. März, beleuchtet ein von Ewald Hiebl gestaltetes "Salzburger Nachtstudio" (21.00 Uhr) "Das 20. Jahrhundert: Ein Jahrhundert der Extreme zwischen Demokratie und Totalitarismus". Am Samstag, dem 9. März, bringen die "Hörbilder" um 9.05 Uhr unter dem Titel "Wie reinstiefeln in Cicero?" ein von Alfred Jungraithmayr minutiös recherchiertes Feature über die Annexion Österreichs .

Die Nationalsozialisten erhielten von vielen evangelischen Kanzeln herabglühende Unterstützung. Eine innerkirchliche Oppositionsbewegung wie in Deutschland die "Bekennende Kirche" rund um Dietrich Bonhoeffer hat es in Österreich nicht gegeben. Leidet die evangelische Kirche Österreichs bis heute an diesem Naheverhältnis? Martin Gross begibt sich in "Kreuz und Hakenkreuz" auf eine Spurensuche - zu hören am Sonntag, dem 10. März, um 19.05 Uhr in der Ö1-Reihe "Motive".

1934 musste sich Hitler vom Putschversuch österreichischer Nationalsozialisten noch distanzieren, weil er außenpolitische Schwierigkeiten befürchtete. Österreich sollte "von innen" nationalsozialistisch unterwandert werden. Innerhalb der österreichischen Bevölkerung bildeten die nationalsozialistischen Aktivisten bis zum März 1938 zwar nicht die Mehrheit, dennoch fand der sogenannte "Anschluss" breite Akzeptanz. Wie kam es dazu? Dieser Frage geht Zeithistoriker Marcus Patka in "Betrifft: Geschichte" nach, von Montag, dem 11., bis Freitag, den 15. März (jeweils 17.55 Uhr). Am Donnerstag, dem 14. März (21.00 Uhr), erinnert sich Lotte Tobisch "Im Gespräch" mit Helene Maimann an den März 1938, die Jahre der NS-Diktatur und ihren Lebensweg danach (Wh. am Freitag, dem 15. März, um 16.00 Uhr).

Die "Dimensionen" beleuchten in "'Heil Hitler!' an der Akademie" die Rolle der Akademie der Wissenschaften in Wien 1938 bis 1945 - am Montag, dem 18. März (19.05 Uhr), und zum Abschluss des Schwerpunktes besucht "Tao" am Samstag, dem 30. März (19.05 Uhr), "Heilige Orte auf ewige Zeiten": Die Historikerin Tina Walzer behandelt die religiöse und historische Bedeutung von ausgewählten jüdischen Friedhöfen - und sie geht anhand der steinernen Zeugen Familiengeschichten nach, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Das Programm von Ö1 ist im Detail unter oe1.ORF.at abrufbar.

ORF.at und ORF TELETEXT

ORF.at und ORF TELETEXT widmen dem 75. Jahrestag der Annexion Österreichs durch das nationalsozialistische Deutschland breiten Raum im Rahmen der aktuellen Berichterstattung. Die ORF-TVthek gestaltet einen Schwerpunkt mit Sendungen und Beiträgen zum Thema aus dem aktuellen ORF-TV-Programm.

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