"Frank Stronach, der anständige Strache", OÖNachrichten-Leitartikel von Christoph Kotanko

Ausgabe vom 5. März

Linz (OTS) - Niederlagen sind Hinweise. Bei den Blauen müssen nach den jüngsten Ergebnissen die Alarmglocken schrillen. Das frühere Haider-Land Kärnten wurde zum Schauplatz ihrer größten Niederlage. Doch dort lässt sich die Schlappe mit der Skandalserie und der Sehnsucht örtlicher Wähler nach Selbstachtung erklären.
Mehr zu denken geben muss das Minus in Niederösterreich. Die Freiheitlichen verloren das Match um den 3. Platz gegen den Neueinsteiger Frank Stronach, obwohl es keine negativen Sondereffekte à la Kärnten gab.
Die altdeutsche Spitzenkandidatin Barbara Rosenkranz führte wie gewöhnlich Wahlkampf, wetterte gegen die EU, verbreitete Horrornachrichten ("alle sechs Minuten geschieht ein Verbrechen"). HC Strache unterstützte seine Frontfrau. Vergeblich.
Die Anti-EU-Propaganda machte Stronach auch. Er kritisierte wie Rosenkranz und Strache Machtmissbrauch und Parteibuchwirtschaft. Populisten brauchen eben Feindbilder.
Aber trotz mancher thematischen Überschneidung gibt es einen großen Unterschied zwischen FPÖ und Stronach: Der Austrokanadier fiel bisher nicht durch Ausländerfeindlichkeit und radikal rechte Parolen auf. Er profitiert davon, dass viele Bürger das etablierte System satt haben und den Neuanfang ersehnen. Stronach können sie ohne zugehaltene Nase wählen.
Er ist der anständige Strache.
Für die FP-Führung ist das ein wachsendes Problem. Ideologisch ist sie verengt. Das fiel nicht auf, solange ihre Themen Selbstläufer waren. Jetzt droht das Konjunkturtief.
Strache ist kein Stratege. Er ist nicht einmal ein intern anerkannter Parteichef. Ihm fehlt Haiders Härte und Hinterlist.
Die Landesverbände tun, was sie wollen. Haider hätte einen Flop wie jenen der Wiener Partei beim Parkpickerl streng bestraft. Und im Parlament wäre Martin Graf, der keinem nützt, längst entsorgt worden. Kann sich Strache auf dem Wählermarkt neu orientieren? Die Freiheitlichen haben ihre angestammten Themen: anti Ausländer, anti EU, law & order. Darauf werden sie setzen. Das wird eine dreckige Kampagne - mit dem Risiko, dass sich gemäßigte Protestwähler doch wieder Stronach zuwenden.
Das "Duell gegen Faymann um den Kanzler" kann sich Strache vorerst abschminken. Jetzt muss er froh sein, wenn er im Zweikampf mit Stronach besteht.

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