"Nachbarinnen" holen Frauen aus der Isolation

Wien (OTS) - Das Respekt.net-Projekt "Nachbarinnen" unterstützt Frauen und Kinder aus Migranten-Familien. Ausgebildete Beraterinnen helfen bei der Integration und zeigen den Frauen, wie sie Chancen auf Bildung und bessere Gesundheitsvorsorge für sich und ihre Familien nutzen können.

"Das Projekt 'Nachbarinnen' holt Frauen aus Migranten-Familien in Wien aus der Isolation", sagt Martin Winkler, Präsident der Initiative Respekt.net. "'Nachbarinnen' sind ausgebildete soziale Assistentinnen, die Frauen aus ihrem Kulturkreis in der Muttersprache ihres Herkunftslandes beraten", sagt Winkler. Sie unterstützen sie bei der Integration in Österreich. Die "Nachbarinnen" kommen direkt aus den Wohngebieten, in denen Zuwanderer oft zurückgezogen leben. Sie kennen daher den Bedarf und haben einen guten Zugang zu den Zielfamilien.

"Unser Ziel ist, dass Frauen aus Migranten-Familien am Leben in Wien aktiv teilnehmen", sagt die Initiatorin des Projekts, Christine Scholten: "Wir wollen ihnen Chancen eröffnen und ihnen zeigen, was sie für sich und ihre Kinder tun können."

Über den Verein Respekt.net werden Investoren und Investorinnen für das Projekt gesucht. Winkler: "Mit den Spenden soll nach der erfolgreichen Finanzierung der Lernhilfe für die Kinder der Familien nun die Anstellung einer 'Nachbarin' finanziert werden."

Aufbruch statt Rückzug

Die "Nachbarinnen" bieten Beratung in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Erziehung und auch Orientierung in sozialen Belangen. Viele Frauen tragen die gesamte Verantwortung für Familie und Haushalt, leben aber fremdbestimmt und in Abhängigkeit von ihren Ehemännern, Eltern oder Schwiegereltern. Die "Nachbarinnen" finden über die gemeinsame Muttersprache und den gemeinsamen Kulturkreis Zugang zu diesen Frauen - in ihren Wohnhäusern, im Park, in der Schule oder am Spielplatz.

Die sozialen Assistentinnen geben Hilfe zur Selbsthilfe und begleiten die Familien nur so lange dies nötig ist. Die betreuten Frauen und ihre Familien sollen mit der Unterstützung einer "Nachbarin" lernen, sich bald selbstständig zurechtzufinden. "Wir wollen die Lebenschancen der Frauen und Kinder verbessern", sagt Scholten.

300 Stunden Ausbildung für jede "Nachbarin"

Frau Gül Ekici ist eine von 16 Frauen im Lehrgang für "Nachbarinnen". Auf ihrem Lehrplan stehen 300 Stunden Ausbildung zu den Themen Gesundheit, Erziehung, Bildung, Soziales und Kommunikation.

Die Ausbildung wurde von der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt konzipiert. Sie wird von der MA 17 der Stadt Wien finanziert. Als künftige "Nachbarinnen" wurden aus vielen Bewerberinnen 16 tolle Persönlichkeiten mit türkischer, arabischer und tschetschenischer Muttersprache ausgesucht.
Frau Ekici hat türkische Wurzeln. Sie hat sich zuvor bereits im Stadtteilprojekt "Bassena" in der Beratung von Frauen engagiert.

Mehr Freiheit und Selbstbestimmung

Die Mutter von zwei Kindern ist glücklich über die Möglichkeiten, die ihr die neue Ausbildung eröffnet. "Ohne das Projekt wäre ich Hausfrau und Mutter ohne eigenen Lebensplan geblieben", sagt Frau Ekici. Künftig will sie als Beraterin dafür sorgen, dass Migrantinnen aus der Türkei in Österreich Fuß fassen. "Mir geht es um mehr Freiheit und Selbstbestimmung für die Frauen und gezieltere Förderung und bessere Bildung für die Kinder", sagt sie.

Investieren Sie in die zehnte "Nachbarin"

Für die meisten "Nachbarinnen" steht die Finanzierung bereits. Bei acht von ihnen übernimmt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Kosten. Die neunte "Nachbarin" wird über die Auszeichnung des Vereins mit dem zweiten Platz beim Sozialpreis der Bank Austria finanziert.

Eine Halbtagsanstellung für eine zehnte soziale Assistentin soll über den Beitrag von Investoren und Investorinnen auf der Online-Projektbörse Respekt.net ermöglicht werden. Die "Nachbarinnen" kommen vorerst im 12. Bezirk, 2. und 20. Bezirk zum Einsatz.

Deutsch-Kurs, Sport, Selbstbestimmung

"Für die Frauen ist es die erste Anstellung im Leben - sie erleben zum ersten Mal ein Stück Unabhängigkeit von ihrem Mann und ihrer Familie", sagt Frau Ekici.
Das Vorläuferprojekt hat bislang rund 200 Frauen und ihre Familien betreut und begleitet. Rund 30 Frauen ist es so gelungen, zu einem selbstständigeren Leben für sich zu finden. "Sie haben Deutsch gelernt, machen Sport oder sind in Ausbildung", erzählt Frau Ekici.

Wirtschaftliche Zukunft des Standorts Österreich sichern
Das Projekt nutzt nicht nur den betreuten Frauen, sondern auch Wien als Wirtschaftsstandort. "Die wirtschaftliche Zukunft wird nicht zuletzt über die Ausbildung von Kindern aus Migranten-Familien gesichert", sagt Projekt-Initiatorin Scholten. Nach dem Erfolg in Wien gibt es auch Interesse aus Oberösterreich, ein "Nachbarinnen" Projekt zu starten.

Scholten ist Internistin mit einer Kassenpraxis in Wien-Favoriten, einem Bezirk, in dem viele Migranten wohnen. Sie kennt die oft schwierigen Lebensumstände von Frauen, die zurückgezogen leben, vom Kontakt mit ihren Patientinnen. Daraus entstand ihr Wunsch, diese Frauen zu stärken und ihnen Chancen zu eröffnen.

Der Fachbegriff für die Tätigkeit der Beraterinnen lautet "aufsuchende Sozialarbeit". "Nur kann sich darunter niemand etwas vorstellen", sagt Scholten lachend. Sie beschreibt es lieber mit der Hilfe in einer nachbarlichen Gemeinschaft: "Unsere 'Nachbarinnen' kümmern sich um die Frauen, kommen vorbei und fragen, ob jemand was braucht."

Über Respekt.net:

Respekt.net ist eine Plattform für gesellschaftspolitisches Engagement, die Menschen mit Ideen mit potenziellen Unterstützerinnen und Unterstützern zusammenbringt. Auf der Projektbörse werden wertvolle Projekte schnell und einfach vielen Menschen zugänglich gemacht. So erhöht Respekt.net die Umsetzungschancen guter Ideen zur Verbesserung der Welt. Das Ziel von Respekt.net ist es, Vorhaben zu fördern, mit denen Bürgerinnen und Bürger sowie Organisationen das private, wirtschaftliche und öffentliche Leben voranbringen.

Seit dem öffentlichen Launch im September 2010 haben 2.350 InvestorInnen mehr als 450.000 Euro für Projekte gespendet. Mehr als 400 Projekte wurden bisher bei Respekt.net eingereicht. 119 Projekte wurden bislang erfolgreich finanziert, 78 davon bereits abgeschlossen, 41 werden umgesetzt. 32 Projekte befinden sich in der Finanzierungsphase und suchen Unterstützung. Derzeit hat die Plattform nahezu 4.600 registrierte User.

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