Brennpunkt Bildgebung: Time is life - Notfallradiologie in Österreich

Wien (OTS) - 4. März 2013
Verletzungen mit Polytrauma sind die führende Todesursache bei jungen Menschen. Aus medizinischer Sicht ist hier vor allem der Zeitfaktor entscheidend, wie rasch diese PatientInnen nach möglichst schneller Diagnose der richtigen Behandlung zugeführt werden können. Nach dem Motto "time is life" ist die Radiologie ständig bestrebt, neue Methoden zu entwickeln, um PolytraumapatientInnen schneller untersuchen zu können, mit dem gleichzeitigen Bestreben die Bildqualität weiter zu verbessern.

Computertomographie als Mittel der Wahl bei schwerem Trauma

Seit 1980 ist die Zahl der tödlich endenden Unfälle um 48% gesunken, die Zahl der Unfall-Patienten ist jedoch signifikant gestiegen: Im Vergleich zu 1980 müssen heute um 26% mehr Patienten nach einem Unfall stationär behandelt werden, die Zahl der Heim-, Sport- und Freizeitunfälle stieg seit 1980 um 73%. Etwa 3.500 Patienten erleiden ein schweres Trauma.
Gerade bei schweren Traumata ist eine klare und effiziente Abklärung der vorhandenen Verletzung durch bildgebende Methoden von höchster, oft von lebensrettender Bedeutung. Hier ist es vor allem der rasche Einsatz der Computertomographie (CT) mit standardisiertem Untersuchungsprotokoll, welche dabei bestmögliche Ergebnisse bringt. Zwar bietet die Magnetresonanztomographie (MRT) einen besseren Weichteilkontrast und dies ohne den Einsatz von ionisierender Strahlung, allerdings ist die Untersuchungsdauer weit über jener der CT angesiedelt und eine Überwachung der PatientInnen auf Grund der Bauweise der MRT Geräte erschwert.
"Die MRT hat in der Erstuntersuchung von traumatisierten PatientInnen aufgrund der zahlreichen Kontraindikationen - keine Anamneseerhebung bei bewusstlosen PatientInnen hinsichtlich Herzschrittmacher, Metallimplantaten, Herzklappen, usw. - keinen Stellenwert. Darüber hinaus steht die primäre diagnostische Abklärung unter einem erheblichen Zeitdruck, da lebensrettende Interventionen erforderlich sein können. Zu den Standardmethoden der radiologischen Erstversorgung in Österreich gehören derzeit das herkömmliche Röntgen und die eben erwähnte Computertomographie", so OÄ Dr. Sandra Völckel von der Universitätsklinik für Radiologie, Medizinische Universität Innsbruck.
Bei Abwesenheit von Hochrisikofaktoren eignen sich auch Ultraschall und die MRT hervorragend zur Erstuntersuchung, wenn bei zweitgenannter eine Abklärung von Kontraindikationen und ein längerer Untersuchungsvorgang möglich sind.

Kommunikation, Weiterbildung und Teamwork sind entscheidend

Die Versorgung von NotfallpatientInnen erfordert zuvor festgelegte und reibungslose Handlungsabläufe und Hierarchien, von denen das gesamte Notfallteam Kenntnis haben muss. Entscheidend hierfür sind vor allem klare Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Fachärzten und -ärztinnen und ein Teamwork-orientierter Ansatz, um eine möglichst effiziente Versorgung der PatientInnen zu gewährleisten.
Den RadiologInnen fällt die Befundung der Bildgebung zu, sowie die Entscheidung des Protokolls und einer Erweiterung der Diagnostik bei entsprechenden Verletzungsmustern.
"Gleichzeitig sind RadiologInnen heute fixe Bestandteile des "Traumateams", bestehend aus Anästhesisten, Unfall- und Neurochirurgen. Die Kenntnis der Arbeitsabläufe in der Schockraumbehandlung und ein gegenseitiges Verständnis über die Schockraumerstversorgung von Mehrfachverletzten sind auch für RadiologInnen zwingend. Um die Qualität der Diagnose weiter zu verbessern, ist neben Berufserfahrung eine ständige hochqualitative Weiterbildung wünschenswert. Kenntnisse über die Art und Häufigkeit von typischen traumabedingten Verletzungen und deren Darstellung im CT, sowie aktuelle Fortschritte auf diesen Gebieten sind unerlässliches Wissen für alle NotfallradiologInnen", so Dr. Völckel zur Rolle der Radiologie im Schockraum.

Flächendeckende Versorgung in Österreich ist gewährleistet

Alle Schwerpunktkrankenhäuser in Österreich, welche Schwerstverletzte behandeln, verfügen zu jeder Zeit über einen raschen Zugang zur CT-Diagnostik, die flächendeckende Versorgung ist in Österreich also gewährleistet.
Ein weiterer Schritt zur Optimierung der Versorgung von PolytraumapatientInnen wäre die Einrichtung von eigenen Zentren, die auch über designierte Notfallradiologie-Abteilungen nach amerikanischem Vorbild verfügen würden. In Europa wird nach wie vor ein Großteil der Notfallsaufnahmen von RadiologInnen befundet, die keine spezialisierte Ausbildung hierfür erhalten haben.
Eine Weiterentwicklung der Notfallradiologie in Österreich würde auch Dr. Völckel begrüßen: "Mittel für Forschung und Personalentwicklung im Bereich Traumaversorgung sollten in Zentren mit geeigneter Infrastruktur zur Verfügung stehen. Derzeit kristallisiert sich immer mehr die Bildung von überregionalen Traumazentren heraus. An diesen Zentren ist eine "Traumaradiologie" dann sicher durchaus sinnvoll."

Ab 07. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen

Beim 25. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 07. bis 11. März 2013 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.
Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 53.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

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