TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "System Haider ist endgültig abgewählt", von Alois Vahrner

Ausgabe vom 4. März 2013

Innsbruck (OTS) - Zwei Landtagswahlen, zwei mehr als nur klare Ergebnisse: Haiders katastrophales Erbe führte zum nötigen Machtwechsel in Kärnten zur SPÖ von Peter Kaiser, in Niederösterreich bleibt Erwin Pröll ein absoluter Landeskaiser.

Italienische Verhältnisse, bei denen nach der Wahl noch mehr unklar ist als vorher, sind heuer offenbar nicht die Sache der österreichischen Wählerinnen und Wähler: Inklusive der Heeres-Volksbefragung setzte es in den bisherigen drei Urnengängen glasklare Entscheidungen, an denen es nichts zu deuteln gibt. "Kärnten is a Wahnsinn" hieß einmal ein Werbeslogan, dem das südlichste Bundesland immer stärker nachzueifern schien, und das im negativsten Sinn. Kärnten hat wirtschaftlich und in einem Sumpf von Skandalen moralisch abgewirtschaftet. Jörg Haiders Erben in der FPK wurden von den Wählerinnen und Wählern dafür gnadenlos abgestraft, mit einem Absturz um fast 28% auf nur noch 17% auch weit härter als selbst von den politischen Gegnern erwartet. Es ist ein Auftrag für die nach Langem wieder führende SPÖ, aber auch alle anderen Parteien, Kärnten endlich wieder auf soliden Kurs zu bringen.
In Niederösterreich wurde der bis in den letzten Winkel des Landes absolut regierende Landesfürst Erwin Pröll ein weiteres Mal bestätigt - trotz heftiger Kritik der gescheiterten Herausforderer und großer Zweifel an fragwürdigen Finanzstransaktionen der Landes-Hypo. Während andere schwarze Hochburgen wie Tirol, Bayern, Salzburg (und möglicherweise heuer auch Südtirol) kräftig Federn lassen mussten, regiert Pröll weiter mit absoluter Mehrheit. Sein ohnehin nicht schwach ausgebildetes Selbstbewusstsein wird gestern nicht gelitten haben. Im Gegenteil: Die Bundes-ÖVP, die sich gestern nach der Heeres-Befragung (das Minus in Kärnten fiel glimpflicher aus als befürchtet) erneut über gute Ergebnisse freuen durfte, muss sich auf noch massivere Vorgaben aus St. Pölten einstellen.
Die SPÖ konnte gestern ihre lange Serie an teils herben Wahlniederlagen dank des Erfolgs in Kärnten stoppen. In Nieder-österreich war hingegen für die Roten ein Flop absehbar. Bei den nächsten Wahlen in Tirol und vor allem Salzburg wird sich zeigen, ob Kärnten für die SPÖ nur eine Eintagsfliege war.
Einen bitteren Wahlsonntag erlebte die FPÖ. In Kärnten, dem bisher klar stärksten Bundesland, wurden die Blauen regelrecht zerlegt. In Niederösterreich blieb die FPÖ sehr schwach, statt Erwin Prölls Glatze wurde man selbst poliert. Was Parteichef Heinz-Christian Strache mit Blick auf die Nationalratswahl zusätzlich sorgen wird:
Das Team Stronach sackt viele Proteststimmen ein.
Die Grünen können dank der Zuwächse in Kärnten gestern zufrieden sein, das BZÖ gab ebenfalls in Kärnten nach Langem wieder einmal ein kleines Lebenszeichen.

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