TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 2. März 2013 von Michael Sprenger "Provinz wählt, Wien wird nervös"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Der morgige Wahltag hat es in sich. Denn mit den Wahlergebnissen werden nicht nur die Weichen für die Nationalratswahlen gestellt, sie werden auch für heftige Debatten in den Zentralen der Bundesparteien sorgen.

Da braut sich etwas zusammen.
Am morgigen Sonntag erlebt das Superwahljahr 2013 mit den Landtagswahlen in Niederösterreich und Kärnten nicht nur seinen ersten Höhepunkt, es werden auch die Weichen für die Nationalratswahl im Herbst gestellt. Selten hatte ein Landtagswahlsonntag so eine bundesweite Bedeutung wie der morgige 3. März. Und das für alle Parteien. Zwar führt nur Josef Bucher, der sich als Bundesparteichef des BZÖ in Kärnten zum Spitzenkandidaten aufstellen lassen musste, einen politischen Überlebenskampf, doch die Nervosität geht in allen Wiener Parteizentralen um. So braucht der SPÖ-Parteivorsitzende Werner Faymann unbedingt einen Erfolg der Kärntner Genossen. Und Erfolg kann nur heißen, den Landeshauptmannsessel zu erobern. Gelingt dies der SPÖ nicht, dann dürfte sich in der Partei und der roten Regierungsmannschaft das Personenkarussell rasch zu drehen beginnen. Doch auch Faymanns Koalitionspartner ist höchst angespannt. Verliert in St. Pölten Erwin Pröll die Absolute und fällt in Kärnten der letzte Schwarze aus der Regierung, dann wird nicht einmal mehr Michael Spindelegger glauben, dass 2013 das Jahr der ÖVP wird. Das kurze Euphorie-Hoch nach der Volksbefragung wäre wie weggeblasen -und der Zorn eines angeschlagenen, aber immer noch mächtigen Pröll würde der Bundespartei das Leben schwer machen.
Nicht einmal die FPÖ gibt sich locker. Sie weiß, dass ihre Kärntner Schwesterpartei verlieren wird. Doch kommt die Partie von Gerhard Dörfler und den Scheuch-Brüdern unter die Räder und der Landeshauptmannsessel geht verloren, dann bekommt Heinz-Christian Strache ein Problem. Denn verliert die FPÖ, gewinnt das Team Stronach. Und Strache hätte dann an der Populismusfront einen echten Gegenspieler für den Herbst. Bleibt allerdings die Partei des Milliardärs unter ihren Erwartungen, dann dürfte auch schon der Abgesang dieser Truppe beginnen.
Obwohl vielleicht die Grünen am wenigsten zu zittern hätten, weiß Eva Glawischnig, dass am Montag bereits eine parteinterne Debatte über falsche Strategien und falsche Themen einsetzen wird, wenn in Kärnten die Gruppe um den Aufdecker und Aufklärer Rolf Holub klar unter zehn Prozent bleibt.
Da braut sich also etwas zusammen. Die Verlierer von morgen sorgen allemal für stürmische Zeiten bei den Parteifreunden in Wien.

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