TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 1. März 2013 von Wolfgang Sablatnig "Die Verantwortung für das Blut"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Die HIV-Infektion einer Frau in Ostösterreich zeigt, dass trotz aller Vorkehrungen immer ein Restrisiko bleibt. Dessen müssen sich alle Beteiligten bewusst sein, vom Roten Kreuz bis hin zu den freiwilligen Spendern.

Es wirkt wie eine reflexartige Schutzbehauptung, wenn der Generalsekretär des Roten Kreuzes voller Überzeugung jede Schuld seiner Organisation an der HIV-Infektion einer Patientin zurückweist. Immerhin kam die als Verursacher identifizierte Blutprobe vom Roten Kreuz. Und mit einem späteren Spezialtest wurde die Verseuchung mit dem Aids-Erreger auch tatsächlich festgestellt.
Auf der anderen Seite steht aber die Erfolgsbilanz des Blutspendens. Sechs Millionen Konserven hat allein das Rote Kreuz in den vergangenen 15 Jahren ausgeliefert und damit Tausende Menschenleben gerettet. Und in dieser Zeit wurden - den aktuellen Fall eingerechnet - gerade einmal drei HIV-Infektionen durch Blutkonserven bekannt. Das Risiko für eine Infektion mit dem Aids-Erreger liege bei gerade einmal eins zu 2,5 Millionen, rechnete das Rote Kreuz gestern vor. Diese Wahrscheinlichkeit sei geringer als bei gängigen medizinischen Routineeingriffen, sagen Experten.
Auch das Gesundheitsministerium und seine Medizin-Agentur bestätigten gestern, dass das Rote Kreuz fehlerlos gehandelt habe und die Sicherheitsverfahren ausreichend seien. Akuten Handlungsbedarf sieht Ressortchef Alois Stöger nicht.
Für jene Frau, die nun mit dem HIV-Erreger leben muss, sind diese Statistiken und Versicherungen dennoch nur ein schwacher Trost - so wie auch künftige Betroffene der Wahrscheinlichkeit gerne ein Schnippchen schlagen würden.
Einfach zur Tagesordnung überzugehen, ist daher nicht möglich. Behörden und Blutlieferanten werden gut daran tun, ihre Verfahren und Sicherheitsvorkehrungen einer kritischen Überprüfung zu unterziehen, und wenn sie noch so davon überzeugt sind, dass sie in jedem Punkt internationalen Standards entsprechen. Denn das Vertrauen der Bürger in die hohen Standards der Blutversorgung darf nicht verlorengehen. "Blutspenden kann Leben retten" - dieses Motto gilt weiterhin. Unter den erwachsenen Tirolerinnen und Tirolern beherzigen das auch sieben Prozent und lassen sich zumindest ein- oder zweimal pro Jahr an die Nadel hängen - unentgeltlich und allen Unannehmlichkeiten zum Trotz. Österreichweit sind es nur rund fünf Prozent, in Wien gar nur 2,2 Prozent.
Ein großes Maß an Verantwortung liegt auch bei diesen Spendern. Wo die Technik keine letzte Sicherheit bieten kann, dürfen nicht Leichtsinn oder Unachtsamkeit zum Risikofaktor werden.

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