TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 27. Februar von Alois Vahrner "Arrivederci, Krisenpause beim Euro!"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Einige Monate sah es so aus, als ob Europa die Euro-Krise langsam in den Griff bekommt. Mit dem politischen Patt nach der Wahl in Italien drohen aber erneut massive Turbulenzen, mit Frankreich wankt zudem ein weiterer Riese.

Die Italiener haben gewählt - allerdings mit den hohen Stimmanteilen für Silvio Berlusconi und den Starkomiker Beppe Grillo politische Unregierbarkeit in Italien und turbulente Zeiten für Europa, vor allem für den Euro.
Früher hätte ein politisches Patt in Italien kaum jemanden aufgeregt, am wenigsten wohl die krisenerprobten Italiener selbst. Gescheiterte Regierungen und Neuwahlen standen fast an der Tagesordnung. Inklusive des Kabinetts von Mario Monti, der jetzt von den Wählern für sein international gelobtes Sparprogramm abgestraft wurde, waren nach dem 2. Weltkrieg bisher unglaubliche 63 Regierungen mehr oder minder kurz an der Macht.
Auch wenn etwa Belgien von Mitte 2010 bis Ende 2011 ganze 541 Tage ohne neue Regierung war und in dieser Zeit das öffentliche Leben auch nicht zusammengebrochen ist: Italien ist für das fragile Euro-Gebäude ein ungleich größeres und wichtigeres Kaliber. So reagierten die Börsen auf die bevorstehende Hängepartie nach der Wahl sofort mit Kursverlusten, die Anleihen aller Krisenländer gerieten neuerlich unter Druck, der Eurokurs gab nach. Da halfen auch die fast schon beschwörenden Politiker-Appelle aus der EU sowie den anderen Mitgliedsländern, Italien müsse unbedingt am Stabilitätskurs festhalten, wenig.
Welche Regierungsvariante nun auch immer kommen mag, von einer geduldeten Minderheits- oder Expertenregierung bis hin zu einer selbst von Berlusconi nicht ausgeschlossenen großen Koalition mit Mitte-links: Die Haltbarkeit wird begrenzt sein, der Sparwille nach den wundersamen Wahlversprechen wohl auch. Neuwahlen mit noch ungewisserem Ausgang als diesmal sind vorprogrammiert.
Für Europa sind dies alles Hiobsbotschaften, zumal eine Eskalation der Krise in Italien den Euro schwer in Bedrängnis bringen würde. Italien ist das drittgrößte Euro-Mitgliedsland und nach Griechenland mit mehr als 125 Prozent des Bruttoinlandsprodukts am höchsten verschuldet. Zudem haften die Italiener für 18 Prozent des Euro-Schutzschirms ESM.
Italien, das trotz der großen Probleme in Süditalien wirtschaftlich nicht so schlecht dasteht, darf als einer der drei großen Euro-Pfeiler nicht ins Wanken geraten. Zumal mit Frankreich auch das zweitgrößte Euro-Mitgliedsland zunehmend kriselt. Trotz seiner Stärke: Deutschland ganz allein (mit den anderen stabilen Kleinen wie Holland und Österreich) kann die Lasten der Euro-Stabilität nicht stemmen.

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