WirtschaftsBlatt-Leitarikel: Breitseite statt Schuss vor den Bug - von Hans Weitmayr

Aus Sicht der Italiener sind alle Sparanstrengungen verpufft

Wien (OTS) - Gerne wird bei für Regierungen ungünstig ausgegangenen Wahlen von einem Denkzettel geredet, von einem Schuss vor den Bug, den die jeweils betroffenen Parteien erhalten haben. Der Wahlausgang ist keines von beidem - weder für die potenziellen italienischen Regierungslager, noch für Europa.

Für Europa schon gar nicht.

Italiens Wähler haben der Union und der Währungszone keinen Warnschuss, sondern eine veritable Breitseite verpasst. Indem sie das Land unregierbar gemacht haben, stehen ein Reformstopp, eine noch stärker steigende Staatsverschuldung und letzten Endes gar die mögliche Inanspruchnahme von Hilfsgeldern aus den Retttungsschirmen im Raum. Dass diese nicht weit genug ausgestattet sind, um Italien wirklich aufzufangen, wurde bereits oft vorgerechnet und soll an dieser Stelle nicht nachexerziert werden.

Tatsächlich darf die Reaktion der Italiener auch nicht wirklich verwundern: Rekordarbeitslosigkeit ohne Hoffnung auf Besserung; Geld, das vom Mund abgespart wird, verpufft aus Sicht der Bevölkerung im Rachen der Finanzwirtschaft oder der EZB oder der bösen Deutschen -all diese Sorgen und Verdächtigungen haben ein Ventil gesucht und es bei der jüngsten Wahl auch gefunden.

In diesem Umfeld kann man nur hoffen, dass es nicht bereits zu spät ist, um die Bevölkerung im Reformprozess der Europeripherie mitzunehmen.

Denn eines der Hauptprobleme ist, dass die Problemländer trotz aller Sparanstrengungen nach wie vor nicht ausreichend wettbewerbsfähig sind, um die jeweilige Volkswirtschaft wieder aus eigener Kraft auf die Beine zu bringen. Glaubt man den jüngsten Studien des Ifo, hat sich die Lage teilweise sogar verschlechtert. Das bedeutet aber auch, dass sich an der Jobsituation in diesen Ländern in absehbarer Zeit nichts ändern wird; deshalb auch die Forderung nach Hilfe von außen. Denn wie man aus anderen Ländern weiß, ist für den gesellschaftlichen Zusammenhalt nichts so gefährlich wie eine hohe Erwerbslosigkeit, schlimmstenfalls auch noch bei der Jugend, die zu einem nachhaltigen Wegbrechen der Mittelschicht führt. Der Arbeitsmarkt dieser Länder muss also gestützt werden. Wenn diese Mittel nicht aus nationalen Budgets aufgebracht werden können, müssen die Gelder von außen kommen - zweckgebunden selbstverständlich.

Wir befinden uns dieser Tage in der heikelsten Phase der Krise. Diejenigen, die ihr Ende ausgerufen haben, sollten in Zukunft mit solchen Aussagen vorsichtiger sein. Und vor allem die Ärmel hochkrempeln.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt Medien GmbH
Tel.: 0043160117-305
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001