Neues Volksblatt: "Kleinkariert" von Markus Ebert

Ausgabe vom 27. Februar 2013

Linz (OTS) - Selten sind sich SPÖ und FPÖ in Oberösterreich so einig wie jetzt, wo es um das Wahlrecht für "Auslandsoberösterreicher" geht (siehe Bericht Seite 5). Wobei die beiden Parteien nicht nur das Nein eint, sondern auch das etwas krampfhaft anmutende Herbeibemühen einer Begründung. Wer nach Passau übersiedle, habe ein Wahlrecht in Oberösterreich, bei einem Umzug nach St. Valentin gehe es verloren, ortet die SPÖ eine "grundlegende Ungleichstellung". Bloß: Wer nach St. Valentin übersiedelt, hat nun einmal Niederösterreich als neues Heimatbundesland; wen es - zumeist aus beruflichen Gründen - nach Passau, Stockholm, Seoul, Dubai oder Toronto zieht, der sollte sich eine Heimat bewahren können. Eine politische Mitsprachemöglichkeit aus der Ferne mag die Distanz zu dieser Heimat überwinden helfen können; jedenfalls wäre es für Oberösterreich imagemäßig kein Nachteil, wenn Exil-Landsleute ein bisschen die Werbetrommel rühren. Wer das Gefühl hat, dass die Verbindungen zur Heimat nicht gekappt sind, wird das wohl eher tun.
Warum in Oberösterreich nicht möglich sein soll, was in Vorarlberg, Tirol und Niederösterreich funktioniert, müssen Rot und Blau erklären. Den Vorwurf der Kleinkariertheit ersparen sie sich damit trotzdem nicht, denn in Wahrheit plagt sie die Angst, dass die Auslandsoberösterreicher ihr Kreuzerl eher bei ÖVP und Grünen machen. Nur zu sagen trauen sie sich das nicht.

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