"EINSPRUCH" ARTIKEL : Österreich- Türkei: Eine historisch verankerte Freundschaft? von Birol Kilic

Wien (OTS) - Morgen, Mittwoch am 27. Februar 2013, kommt Erdogan, der Premier der Türkischen Republik, mit anderen wichtigen Politikern aus verschieden Ländern für das fünfte GLOBAL FORUM 2013 nach Wien, bei dem auch Österreichs Außenminister und ÖVP Politiker Spindelegger dabei sein wird. Die Veranstaltung wird sich darauf konzentrieren, wie sich verantwortliches Leadership in den Bereichen Religionsfreiheit, medialer Pluralismus und bei der Formung eines neuen Dialoginhalts bezüglich Migration, Integration und Mobilität in der globalen Wirtschaft bewegen kann.

Letzten Sonntag haben auch über 300.000 Menschen in der ORF-Pressestunde etwas Besonders live miterlebt: Niederösterreichs Landesvater Erwin Pröll (ÖVP) hat einen Österreicher mit türkischer Abstammung gegen einen Politiker vorbildlich verteidigt. Dies war für uns Menschen aus der Türkei, die Österreich als ihre neue Heimat sehen, ein ganz besonderer Akt. Wir müssen das Wort "verteidigen" sehr positiv sehen. Positiv deswegen, weil wir hier eine christliche, nicht scheinheilige Anerkennung in gleicher Augenhöhe gespürt haben, die wir mit einem anderen Artikel detailliert analysieren werden.

Wir möchten mit unserem umfangreichen Einspruch-Artikel statt der von uns gewöhnten Kritik einen Überblick geben - einen Überblick über eine "historisch verankerte Freundschaft", nämlich die zwischen Österreich und der Türkei, weil tatsächlich wenige Länder wie die Türkei existieren, mit denen Österreich so lange diplomatische und kulturelle Beziehungen unterhält: Vor fast 500 Jahren, d.h. im Jahr 1528, entsandte Ferdinand I. erstmals Gesandte an den Sultanshof:
Gioan Maria Malvezzi, gefolgt von Ogier Ghislain de Busbecq. Seit dem Waffenstillstand des Jahres 1547 waren die Habsburger - mit Unterbrechungen - durch ständige Gesandte (Residenten) vertreten. Eine ständige diplomatische Vertretung Österreichs bestand in Konstantinopel ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seit 1798 war das Osmanische Reich durch ständige Diplomaten in Wien vertreten. Die erste osmanische Botschaft wurde 1791 in Wien als erste Vertretung in einem europäischen Land eingerichtet. Die Diplomatische Akademie in Wien wurde schon 1754 von Kaiserin Maria Theresia als "Orientalische Akademie" , als staatliche Ausbildungsstätte für Diplomaten gegründet, die insbesondere dazu beitragen sollten, die Beziehungen zum Osmanischen Reich zu vertiefen, so war an ihr Türkisch/Osmanisch als erste Fremdsprache Pflichtfach. Die Akademie ist damit weltweit die älteste noch bestehende Institution ihrer Art." ...

"Eine Tasse Kaffee gewinnt das Herz für vierzig Jahre", sagt ein türkisches Sprichwort, das im Original so klingt: "Bir fincan kahvenin kirk yil hatiri vardir vardir". Das Verstehen von Menschen beginnt mit gutem Zuhören und wo lässt sich besser reden, als bei einer Tasse dampfenden Kaffees? Wer auf eine Tasse Kaffee einlädt, nimmt sich Zeit für mich. Das ist die Besonderheit des österreichischen Kaffeehauses. In der Innenstadt von Istanbul findet sich ein detailgetreu nachgebautes Wiener Kaffeehaus mit echtem Wiener Kaffee und frischen Wiener Mehlspeisen. Zum Milchkaffee sagen die trendigen jungen Türken bereits allgemein "Melange". Der Wiener Kaffee ist in sein Ursprungsland zurückgekehrt. Die Türken empfinden die österreichische Mentalität als nahestehend. Fleiß, Ehrlichkeit und Höflichkeit sind gemeinsame Tugenden und besonders Letzteres hebt die Österreicher in den Augen der Türken wohltuend von den "trockeneren" lieben Deutschen ab. Österreicher werden als geduldig, flexibel und sensibel charakterisiert, als traditions- und kulturbewusst. Deutsch ist nach Englisch die zweite Fremdsprache und ermöglicht den Gebildeteren daher eine problemlose Kommunikation mit Österreichern in der Türkei. Trotz der gemeinsamen Sprache wird Österreich nie mit Deutschland verwechselt, sondern besitzt im Bewusstsein der Türken eine ganz eigenständige Identität. Es ist chic, in Österreich den Urlaub zu verbringen, einen Wien-Trip zu unternehmen oder Ski zu fahren und - wer es sich leisten kann - sein Kind in Österreich studieren zu lassen... So hat der Artikel begonnen - so haben wir vom Herzen auch gedacht.

Die Beziehungen zwischen Österreich und der Türkei haben sich in den letzten 15 Jahren mit Tiefen und Höhen unglaublich verändert. Wir können hier sehr viele negative Ereignisse vermerken. Da ich das Glas als halb voll und nicht halb leer sehen will, möchte ich in diesem Schreiben eher die positiven Seiten aus der Geschichte zum Ausdruck bringen. Dieses Jahr (2013) entstand eine schöne Buchbroschüre in Digitaldruck über die Verbindungen zwischen der Türkei und Österreich, herausgegeben von der Österreichischen Botschaft in Ankara! Das Buch heißt "Avusturya & Türkei. Tarihi dostluk - Eine historisch verankerte Freundschaft" und konnte mit Hilfe des österreichischen Botschafters in Ankara und des Hof- und Staatarchivs der Österreichischen Republik realisiert werden - und geht weit über guten Kaffee hinaus, wo wir uns sehr über die Völkerverständigung gefreut haben und hier ein paar Auszüge aus unseren Notizen unten schildern wollen, weil in diesem netten Buch keine Bestellmöglichkeit bzw. ISDN vorhanden ist.

Der vollständige Artikel unter:
http://www.einspruch.at/index.php?id=693

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