Brennpunkt Bildgebung: Follow-up bei Brustkrebs in Österreich

Wien (OTS) - 26. Februar 2013
Die Nachsorge in Österreich nach brusterhaltenden Behandlungen von Brustkrebs sieht klinische Kontrollen - klinische Inspektion und Tastuntersuchung - sowie bildgebende Kontrollen vor. Die Methoden des radiologischen Follow-up sind in erster Linie Mammographie und Ultraschall und sollten neben der klinischen Kontrolle einmal jährlich durchgeführt werden.

Mammographie und Ultraschall als "first-line" Methoden

Die wesentlichen Schwierigkeiten beim Follow-up von Brustkrebs-Patientinnen beziehen sich auf zwei Fragestellungen, zu deren Beantwortung bildgebende Methoden unverzichtbar sind. Dies ist zunächst die Abklärung, ob verdächtige Veränderungen aufgetreten sind und wenn ja, ob diese Narbengewebe oder Krebsgewebe entsprechen. Hierbei gelten Mammographie und Ultraschall als sogenannte "first-line" Methoden und die Magnetresonanztomographie (MRT) als "second-line" Methode, die im Fall, dass eine verdächtige Veränderung aufgetreten ist und zwischen Narbe und Rezidiv unterschieden werden muss, zum Einsatz kommt.
Es gibt nach abgeschlossener Therapie Veränderungen, bei welchen aufgrund ihres Erscheinungsbildes in Mammographie und Ultraschall nicht sicher zwischen Narbengewebe und Rezidiv unterschieden werden kann. Die MRT ist die Methode der Wahl, um diese Fragestellung zu beantworten. Aufgrund des physikalisch unterschiedlichen Ansatzes im Vergleich zu Mammographie und Ultraschall, sowie der zusätzlichen funktionellen Information nach intravenöser Kontrastmittelgabe hat die MRT bei dieser Fragestellung Vorteile gegenüber den konventionellen Methoden.
Bei der MRT wird Kontrastmittel intravenös gespritzt, welches sich dann entsprechend den Veränderungen in der Brust, ob bösartig oder gutartig, in unterschiedlicher, aber charakteristischer Weise anreichert. Diese funktionellen Informationen kann nur die MRT liefern und diese werden dann in Zusammenschau mit dem morphologischen Erscheinungsbild der Veränderungen beurteilt. "Follow-up Untersuchungen mit MRT nach Brustkrebs dürfen nicht zu früh nach einer Therapie stattfinden, frühestens 9 Monate nach einer Operation und frühestens 12 Monate nach einer Strahlentherapie. Der Hintergrund ist, dass durch therapeutisch bedingte Gewebeveränderungen wie z.B. Wassereinlagerung und vermehrte Durchblutung, bösartige Läsionen vorgetäuscht werden können, die zu nicht notwendigen Biopsien oder Operationen führen können", so Professor Michael Fuchsjäger, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Radiologische Diagnostik an der Medizinischen Universität Graz.

Brustkrebs hat viele Facetten

Man müsse sich bewusst machen, dass Brustkrebs keine einheitliche Erkrankung mit immer gleichem Verlauf darstellt, sondern man hier zwischen einem breiten Spektrum unterscheiden muss, welches sich vor allem in der biologischen Aggressivität des Krebses unterscheidet, so Prof. Fuchsjäger weiter.
Auf der einen Seite des Spektrums steht das duktale in-situ Karzinom, eine Form von Brustkrebs, die sich noch nicht auf das umgebende Drüsengewebe ausgebreitet hat. Diese Form des Brustkrebses lässt sich bei rechtzeitiger Diagnose sehr gut und mit einer extrem hohen Heilungsrate behandeln. Unbehandelt kann es jedoch dazu führen, dass es zu einer Invasion der Krebszellen in das umgebende Gewebe kommt. Am anderen Ende des Spektrums stehen sogenannte invasive Karzinome, am häufigsten sind dies das invasiv-duktale Karzinom und das invasiv-lobuläre Karzinom, unterscheidbar je nach der entsprechenden Wuchsform. Bei diesen primär in das umliegende Gewebe einwachsenden Karzinomen besteht auch die Gefahr einer Verbreitung der Krebszellen durch die Lymph- oder Blutgefäße in Lymphknoten oder andere Organe, z.B. Lunge, Gehirn oder Knochen, und einer dortigen sekundären Ansiedlung von Metastasen. Unabhängig vom histologischen Typ des Brustkrebses gibt es auch noch andere histopathologische und biochemische Unterscheidungsfaktoren, die mit biologischer Aggressivität vergesellschaftet sind, beispielsweise das Triple-negative-Karzinom, bei dem weder Östrogen- noch Progesteron-noch Herceptin-Rezeptoren vorliegen. In diesem Fall kann keine unterstützende Hormon- oder Immuntherapie stattfinden.

Follow-up Untersuchungen müssen wahrgenommen werden

"Die wichtigste Maßnahme ist es, zuallererst Follow-up Untersuchungen überhaupt durchzuführen, und sowohl die behandelnden Ärzte (GynäkologInnen / ChirurgInnen) aufzusuchen, als auch eine bildgebende Verlaufskontrolle mittels Mammographie und Ultraschall durchführen zu lassen. Von weiterer, sehr großer Bedeutung ist es, die Mammographie-Bilder aufzubewahren und diese immer zu den Folge-Untersuchungen mitzunehmen. Speziell bei Follow-up Untersuchungen ist es für die RadiologInnen von großer Bedeutung, Vorbilder zum Vergleich vorliegen zu haben, da hiermit die Diagnosesicherheit, insbesondere bei Verdacht auf Rezidiv, erhöht werden kann und unnötige Interventionen vermieden werden können", appelliert Prof. Fuchsjäger an die Betroffenen.
Wie hoch die Wiedererkrankungsrate nach einem bereits überstandenen Brustkrebs ist, lässt sich für Österreich nicht klar festlegen, was vor allem durch das Fehlen eines zentralen Krebsregisters bedingt ist.
Oberstes Prinzip ist es immer, den Brustkrebs möglichst früh zu erkennen, wobei hier bisher die einzig wissenschaftlich erwiesene Früherkennungsmethode, welche die Mortalität von Brustkrebs senkt, die Mammographie ist. Die Durchführung einer Mammographie wird in Österreich in zumindest zweijährigen Abständen ab dem 40. Lebensjahr empfohlen und mit dem ab 1. Oktober 2013 bundesweit initiierten Brustkrebsfrüherkennungsprogramm stärker ins Gesundheitssystem integriert. Dieses sogenannte Mammographie-Screening wird per Einladungssystem alle Frauen in der Altersgruppe zwischen 45 und 69 Jahren auffordern, an diesen Untersuchungen teilzunehmen.
"Mittels Mammographie-Screening kann man Brustkrebs früher entdecken, da die entsprechenden Tumore dann kleiner und in der Regel in früheren Stadien sind, welche sich besser und mit einer höheren Heilungschance behandeln lassen. Es ist von wesentlicher Bedeutung, regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen und nach Behandlung von Brustkrebs regelmäßige Follow-up Untersuchungen durchzuführen", so Prof. Fuchsjäger abschließend.

Ab 07. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen

Beim 25. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 07. bis 11. März 2013 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.
Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 56.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

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