Neues Kinder- und Jugendhilfegesetz

Das Vertrauen von hilfesuchenden Kindern nicht untergraben

Wien (OTS) - Psychologen appellieren an Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und die Bundesregierung, im Vorschlag zur Novelle des Kinder- und Jugendhilfegesetzes die Vertrauensbasis von Psychologinnen und anderen Vertretern von Gesundheitsberufen nicht auszuhöhlen.

Gerade Kinder und Jugendliche, die ohnehin in einer belastenden Situation sind, brauchen das besondere Vertrauensverhältnis, um sich überhaupt anzuvertrauen. Dieses Vertrauen wird mit der Gesetzesänderung massiv gefährdet, weil Kinder und Jugendliche wissen, dass die anvertrauten Inhalte künftig an Behörden gemeldet werden müssen, darauf weist der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen hin.

Die Konsequenz wird sein, dass sich Kinder bzw. deren Erziehungsberechtigte nicht mehr an Kinderschutzeinrichtungen wenden werden und deshalb viele Fälle unentdeckt bleiben.

Das neue Gesetz sieht vor, dass Psychologen schon beim bloßen Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls schriftlich Meldung an den Kinder- und Jugendhilfeträger erstatten müssen. Auch die Verschwiegenheitspflicht für private Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen wird ausgehöhlt.

Bisher bestand für Psychologen ein Melderecht und die Klienten konnten Psychologen von der Verschwiegenheit entbinden. Mit dem neuen Gesetz muss der Psychologe vertrauliche Informationen schon auf Verdacht weitergeben, auch wenn das im konkreten Fall negative Folgen haben kann.

"Damit wird die umfassende Verschwiegenheitspflicht von Psychologinnen unterwandert und die Verschwiegenheit gegenüber dem Kinder- und Jugendhilfeträger und auch im Strafverfahren für diesen Bereich aufgehoben", warnt Claudia Rupp, Leiterin der Fachsektion Kinder-, Jugend- und Familienpsychologie im Psychologenverband.

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