Österreichische Kinderschutzzentren lehnen Erweiterung der Mitteilungspflicht im neuen Kinder- und Jugendhilfegesetz ab

Vertraulichkeit ist für die Kinderschutzarbeit wesentlich

Wien (OTS) - Der Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren begrüßt die Einigung zur Umsetzung eines modernen Kinder- und Jugendhilfegesetzes sehr, lehnt jedoch die Erweiterung der Mitteilungs- und Auskunftspflicht gegenüber Kinder- und Jugendhilfeträgern sowie Staatsanwaltschaften und Gerichten im Gesetzesentwurf ab, weil diese einer Aufhebung der Verschwiegenheitspflicht gleichkommen.

Die Österreichischen Kinderschutzzentren kooperieren in enger Vernetzung mit der JWF, um Kindern und Jugendlichen eine effiziente Hilfestellung bei physischer, psychischer und sexueller Gewalt zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang muss jedoch unbedingt daran erinnert werden, dass ein Großteil der Fälle von sexueller Gewalt im sozialen Nahraum des Kindes bzw. des Jugendlichen passiert und so der Geheimhaltungsdruck auf das Opfer durch den Täter enorm ist. Dies ist auch der ein Grund, warum die Zusicherung von Vertraulichkeit für die Kinderschutzarbeit der freien Träger wesentlich ist.

Die Österreichischen Kinderschutzzentren weisen daher eindringlich darauf hin, dass jegliche Verschlechterung des Vertraulichkeitsschutzes eine Gefährdung unserer Arbeit darstellt. Aus fachlicher Sicht muss betont werden, dass nicht jede Information über die jeweiligen KlientInnen bzw. den Prozess und Inhalt von Therapien und Beratungsgesprächen für den Kinder- und Jugendhilfeträger zwecks Einschätzung der Gefährdung bzw. Einleitung von Interventionen relevant ist. Allerdings könnte die Weitergabe sensibler Informationen dazu führen, dass von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche sich in Zukunft nicht mehr trauen, die Hilfe eines Kinderschutzzentrums in Anspruch zu nehmen.

Die Österreichischen Kinderschutzzentren wollen daher den zuständigen Minister ermutigen, die umstrittenen Gesetzesstellen im Sinne der von Gewalt betroffenen Kinder und Jugendlichen umzuformulieren und in der Vorgangsweise zu konkretisieren, damit das vorliegende Kinder- und Jugendhilfegesetz tatsächlich zu einem Zukunftsgesetz werden kann.

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