TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Qualität schlägt Quantität", von Martio Zenhäusern, Ausgabe vom 24. Februar 2013

Unterschiedliche Maßstäbe bei Abfahrsdistanzen sind ein Phänomen, das alle Skinationen betrifft. Es braucht einheitliche Lösungen.

Innsbruck (OTS) - Wenn das Angebot an Pisten, Liftanlagen und Skihütten im Skigebiet passt, ist es völlig egal, ob 50 oder 100 km Piste zur Verfügung stehen.

Spielen Tirols Skigebiete mit gezinkten Karten, wenn es um Angaben über die Länge der Skipisten geht? Buhlen sie gar, wie manche im Laufe dieser Woche hysterisch aufheulten, mit falschen Angaben um Gäste?
Nun, es ist eine Tatsache, dass Liftbetreiber offensichtlich unterschiedliche Maßstäbe anlegen, wenn es um derartige Angaben geht. Aber die Misere ist durchaus nachvollziehbar. Eine Piste mit 200 oder 300 Metern Breite ist eben anders zu bewerten als eine, die mit einer durchschnittlichen Breite von 50 Metern schnurstracks ins Tal führt. Trotzdem oder gerade deshalb ist der Vorstoß des obersten Seilbahners im Land, Franz Hörl, zu begrüßen: Er fordert eine einheitliche Regelung nicht nur für Tirol oder Österreich, sondern für ganz Europa. Denn die unterschiedlichen Maßstäbe bei der Messung von Abfahrtsdistanzen sind kein tirolerisches oder österreichisches Phänomen, sondern eines, das alle Skinationen betrifft.
Die Annahme, dass Pistenkilometer ausschlaggebend für das Buchungs- bzw. Kaufverhalten der Gäste seien, ist ohnedies eine kühne. Hand aufs Herz: Wer geht bei der Auswahl des Skigebiets für den kommenden Skitag davon aus, ob 50 oder 100 Kilometer mehr an Pisten zur Verfügung stehen? Viel mehr im Vordergrund steht die Qualität: die der Pisten, der Anlagen, der Hütten; nicht zuletzt spielt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis zunehmend eine Rolle. Bestens präparierte, abwechslungsreiche Pisten, bequeme und vor allem sichere Liftanlagen, eine hochwertige Gastronomie für die große wie die kleine Brieftasche und Kartenpreise, die das alles auch noch erschwinglich machen - wenn das alles zusammenpasst, ist es vollkommen egal, ob die Gesamtlänge aller Pisten 50 oder 100 Kilometer beträgt.
Qualität schlägt Quantität - und das um Längen.

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