TIROLER TAGESZEITUNG vom 21. Februar 2013 - Rückzug in den Elfenbeinturm - Leitartikel von Peter Nindler

INNSBRUCK (OTS) - Utl. Bei Plagiatsverdachtsfällen agiert die Universität Innsbruck nicht immer glücklich. Schließlich geht es gerade dabei um die Transparenz universitärer Entscheidungen und um die Qualität des Wissenschaftsstandorts Tirol.

Der Rektor der Innsbrucker Universität Tilmann Märk mag schon Recht haben: Angesichts der mehr als 40.000 Absolventen seiner Alma Mater in den vergangenen 15 Jahren sind Plagiatsfälle bzw. der Verdacht, dass immer wieder Arbeiten abgekupfert werden, zweifellos ein Randaspekt. Doch wie ist die Universität damit umgegangen? Einige der von Plagiatsexperten aufgedeckten Fälle versandeten, weil sich wie bei Max Schaumburg-Lippe die Gutachter nicht getäuscht gefühlt haben. Bei anderen Arbeiten waren die Plagiatsfragmente wiederum zu gering, als dass sie zur Aberkennung des Titels geführt hätten. Ein Innsbrucker Doktor musste seine Dissertation lediglich nachträglich umschreiben, wie der österreichische Plagiatsexperte Stefan Weber betont. Und bei Dominic Stoiber, dem Sohn des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten, herrscht wegen der Amtsverschwiegenheit ohnehin Funkstille.
Letztlich geht es aber um Transparenz und um die Nachvollziehbarkeit von universitären Entscheidungen. Doch in Innsbruck wird man das Gefühl nicht los, dass sich die Universität bei den zugegebenermaßen heiklen Plagiatsfragen in ihren Elfenbeinturm zurückzieht. Aber gerade der Wissenschaftsstandort Tirol benötigt nach dem Skandal um die private Landesuniversität UMIT gläserne Strukturen. An der Haller UMIT versagten jedoch auch die Doktorväter, weil sie im Fach Gesundheitswissenschaften Dissertationen akzeptiert haben, die nicht einmal einen Bezug zu Gesundheitsthemen aufwiesen.
Ein Satz des jetzt in die Kritik geratenen deutschen Hochschulprofessors, der nach einem ersten Versuch in Berlin seine Doktorarbeit schließlich in Innsbruck eingereicht hat, macht jedoch einmal mehr nachdenklich: "Meine Dissertation war und ist eine zumindest nach dem damaligen Stand der Wissenschaft erarbeitete Arbeit", sagt er. Was soll das heißen, zum damaligen Stand der Wissenschaft? Wer Textpassagen wortwörtlich übernimmt oder fremde Schlussfolgerungen in seine Arbeit einfließen lässt, hat auf die entsprechenden Quellen zu verweisen. Das war vor 50 Jahren so und wird auch noch in 50 Jahren der Fall sein. Die gute wissenschaftliche Praxis hat sich nicht geändert.
Aber noch zu oft dient der Verweis auf die wissenschaftliche Vergangenheit als Schutzbehauptung, um Fehler zu verschleiern. Jetzt ist vorerst die Universität am Zug. Und sie muss beweisen, wie ernst es ihr mit der Qualitätssicherung in Forschung und Lehre in Innsbruck ist.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001