Leitner: Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist eine Zeitbombe

ExpertInnen setzten arbeitsmarktpolitische Impulse beim Marienthal-Symposium in Gramatneusiedl

St. Pölten, (OTS/Pro NÖ) - Gestern Abend und heute Samstag, den 16. Februar, fand in Gramatneusiedl das Marienthal Symposium, initiiert vom Präsidenten des Vereins Pro NÖ, Landeshauptmann-Stv. Dr. Sepp Leitner, statt. Die Studie "Die Arbeitslosen von Marienthal" ist nicht nur historisch und politisch, sondern auch wissenschaftlich relevant, weil gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Arbeitslosigkeit und die Maßnahmen, dieser entgegenzuwirken, ein immens wichtiges Thema sind. An beiden Tagen des Marienthal Symposiums waren rund 200 Interessierte gekommen, um mit den ExpertInnen zu diskutieren und politische Maßnahmen zu erörtern.

Freitag Abend wurde über das Thema "Über des Menschen hohe Braut -zeitloses Problem Arbeitslosigkeit" diskutiert - auf dem Podium waren neben LHStv. Dr. Sepp Leitner auch Prof. Reinhard Müller (Soziologe und Wissenschaftshistoriker, Initiator Museum Marienthal-Gramatneusiedl), Dr.in Sabine Oberhauser (Vizepräs. ÖGB) und Mag. Barbara Prammer (NR-Präsidentin). Die Moderation übernahm Günter Kaindlstorfer, Journalist und Schriftsteller sowie Regisseur des Dokumentarfilms "Die Arbeitslosen von Marienthal".

NR-Präs. Barbara Prammer schlug einen "Marshallplan" für Südeuropa vor und wies darauf hin, dass gemeinsame Strategien auf europäischer Ebene wichtig sind, der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken - auch die Entwicklung im wirtschaftlichen Bereich sei ein wichtiger Faktor, um Arbeitsplätze zu erhalten bzw. zu schaffen. "Österreich kann sich den Luxus des Exotentums nicht leisten, nur gemeinsam können wir in Europa etwas erreichen. Denn Arbeit ist wichtig für die Menschen -sie erfüllt unser Leben, wir können uns entwickeln und einbringen", so Prammer.

"Die Studie 'Die Arbeitslosen von Marienthal' stellt die Menschen in den Mittelpunkt, bindet sie ein und versucht Perspektiven zu geben -das macht sie so besonders. Die Studie ist ganz anders als eine Statistik, die Menschen zu Zahlen macht", so BMin Gabriele Heinisch-Hosek in ihrem Referat. Die Studie zeigt die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Langzeitarbeitslosigkeit gleichberechtigt auf Männer und Frauen auf. Die Studie zeigt für die heutige Zeit, wie wichtig es ist, dass in Krisenzeiten auf einen starken Staat zurückgegriffen werden kann: Beispielsweise bei der Arbeitsmarkt-, der Sozial- und Gesundheitspolitik - auch wenn Österreich bei den Arbeitslosenzahlen im internationalen Vergleich gut abschneidet, ist die Situation alarmierend: "Die EU hat neun Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, auf die EU-Staaten zurückgreifen können, um der Jugendarbeitslosigkeit entgegenzuwirken. Denn die Menschen müssen gleichberechtigte Chancen vorfinden." BM Heinisch-Hosek wies darauf hin, dass auch im 21. Jahrhundert gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit nicht selbstverständlich sei und Gleichberechtigung so gelebt werden müsse, dass alle etwas davon haben: Frauen, Männer und Kinder: "Die Menschen wollen einen Job, der es ermöglicht, dass ihre Familien gut versorgt sind, dass ihre Kinder keine Bildungsnachteile haben und sie eine gute Gesundheitsversorgung in Anspruch nehmen können."

"Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist eine Zeitbombe - hier muss noch viel mehr getan werden, sonst werden die Sozialsysteme kollabieren", erklärt LHStv. Dr. Sepp Leitner in seinem Statement. Mittel dagegen sind einerseits die Finanztransaktionssteuer und eine "Umleitung von unproduktivem Kapital zu den Jugendlichen", zwei Drittel der EU-27 haben eine Jugendarbeitslosigkeit über 25 Prozent:
"Eine höhere Steuer auf große Vermögen ist notwendig - das ist ein wichtiger Auftrag in Europa." Leitner wies auf die Notwendigkeit gezielter Arbeitsmarktpolitik hin: "Es ist noch viel zu tun, denn die SPNÖ fordert, dass die Ausbildungs- und Beschäftigungsgarantie bis 24 Jahre ausgeweitet werden muss. In diesem Zusammenhang leisten die überbetrieblichen Lehrwerkstätten einen wichtigen Beitrag." Aber auch bei der älteren Generation sei eine intensive Arbeitsmarktintegration notwendig, denn durch die Verschärfung der Pensionsantrittsregelungen wird die Dauer der Langzeitarbeitslosigkeit bei den älteren Menschen stark angehoben. Ein "Skandal" sei für Leitner auch, dass viele behinderte Menschen, die bestens ausgebildet sind, auf dem Arbeitsmarkt noch immer zu wenig integriert sind. Leitner: "Das zu ändern ist eine Kernaufgabe in unserer Gesellschaft."

Prof. Reinhard Müller erklärte, wie so hohe Arbeitslosenzahlen wie es sie in Griechenland, Spanien oder Irland gibt, eine Gesellschaft verändern: "Es zeigen sich katastrophale Auswirkungen auf ein soziales und wirtschaftliches System - die Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit sind nur Milderungsmöglichkeiten. Eine Gesellschaft darf sich nicht treiben lassen von Schlagworten wie Konkurrenzfähigkeit oder Fokussierung. Wir leiden unter einem monokulturellen Wirtschaftssystem, das wir in Frage stellen sollten. Wir müssen den Mut haben, Neues zu denken, um die Herausforderungen zu meistern."

"Griechenland kann überall sein", erklärt Dr.in Sabine Oberhauser, ÖGB-Vizepräs.: "Deshalb müssen die Gewerkschaften über den Tellerrand sehen." Der Sozialstaat sei ein Wert, für den es sich lohne, zu kämpfen, so Oberhauser, denn er sei keine Selbstverständlichkeit, wie sich in Europa zeigt.

Der Samstag stand ebenfalls im Zeichen des Themas Arbeitslosigkeit und der Herausforderungen am Arbeitsmarkt, ebenfalls wurde die Betroffenheit von Frauen angesprochen. Referenten waren BM Rudolf Hundstorfer - er wies unter anderem darauf hin, dass vor allem Menschen ohne Ausbildung keine Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt vorfinden, Klaudia Frieben (Bundesfrauensekretärin der Gewerkschaft Pro-Ge) und MEP Josef Weidenholzer (Präs. Volkshilfe, Prof. für Gesellschafts- und Sozialpolitik Uni Linz), Univ.-Prof. Christian Fleck (Institut für Soziologie Uni Graz) und Mag. (FH) Thomas Schwab (Security Manager, Vors. des Angestelltenbetriebsrates Intier Automotive Eybl GmbH & Co OHG Ebergassing). LHStv. Dr. Sepp Leitner zog ein positives Resumee über das Marienthal-Symposium, kündigte an, die Ergebnisse in die politische Arbeit der NÖ Sozialdemokraten einfließen zu lassen. Weitere derartige Veranstaltungen sind bereits geplant.

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Mag. Andreas Fiala, Pressesprecher LHStv. Dr. Sepp Leitner
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