TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Samstag, 16. Februar 2013, von Mario Zenhäusern: "Allein gegen die Opposition"

Innsbruck (OTS) - Für den Wahlkampf in Tirol zeichnet sich ein Schlagabtausch zwischen ÖVP und den Herausforderern SPÖ, FPÖ, Grüne und "Vorwärts Tirol" ab. Alle anderen Gruppierungen spielen eine untergeordnete oder gar keine Rolle.

Das Antreten von "Vorwärts Tirol" hat Schwung in die ohnedies nicht langweilige Tiroler Parteienlandschaft gebracht. Vor allem der ÖVP macht die Konkurrenz zu schaffen. Beides war nicht anders zu erwarten.
Dass die schwarzen Parteigranden trotz des stimmenmäßigen Tiefststandes von 36 Prozent nicht zittern wie das Häschen vor der Schlange, liegt daran, dass der Aufstieg von Hans Lindenberger, Anna Hosp und Co. nicht ausschließlich zu Lasten der langjährigen Machthaber im Land geht. Im Gegenteil: "Vorwärts Tirol" sorgt auch dafür, dass das Bürgerforum von Fritz Dinkhauser und das Team Stronach - zumindest in der aktuellen Umfrage der Tiroler Tageszeitung - den Rückwärtsgang eingelegt haben. Beide kämpfen plötzlich um den Einzug in den Landtag.
Vor ähnlichen Problemen stehen Fritz Gurgiser und sein Team, das trotz etlicher Versuche, Sachpolitik und nicht plumpen Populismus zu betreiben, nicht vom Fleck kommt. KPÖ, Piraten und Patrick Pfurtschellers Liste "Für Tirol" ringen noch mit den Unterstützungserklärungen, damit sie überhaupt zur Wahl antreten dürfen.
Für den langsam beginnenden Wahlkampf zeichnet sich damit ein Schlagabtausch zwischen der ÖVP auf der einen und der versammelten Opposition aus SPÖ, FPÖ, Grünen und "Vorwärts Tirol" auf der anderen Seite ab. Von den Freiheitlichen und den Sozialdemokraten ist, das steht jetzt schon fest, keine besondere Brutalität zu erwarten: Die Blauen wollen endlich auf der Regierungsbank Platz nehmen und die Roten wollen ihren Platz dort behaupten, wie ihr neuer Parteichef jüngst unmissverständlich erklärte.
Noch nicht klar ist, welche Rolle "Vorwärts Tirol" spielen will. Im Verhältnis zur ÖVP wechseln sich Kuschelkurs und oppositionelle Prügel ab und die Frage, wofür Lindenberger und Co. denn inhaltlich stehen, blieb bislang unbeantwortet.
Auf Distanz zur ÖVP gehen werden die Grünen. Aber nur im Wahlkampf. Denn auch sie sind von ihrem anfänglich kategorischen Nein zur Platter-ÖVP abgerückt. Mittlerweile scheint eine Koalition möglich. Dies umso mehr, als die ÖVP schon länger mit dieser Variante liebäugelt.
So wie es ausschaut, steht die ÖVP nach dem 28. April vor der dankbaren Aufgabe, sich aus vier Anwärtern einen Regierungspartner aussuchen zu können. Dafür aber werden sich auch die Schwarzen bewegen müssen. Die Zeiten, in denen sie allein den Kurs vorgegeben haben, sind vorbei.

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