ÖÄK: Einschränkungen in der Substitutionstherapie sind Rückschritt

Wechselberger: Politik muss ärztliche Therapiefreiheit respektieren

Wien (OTS) - Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) weist den Vorstoß von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner zur Einschränkung der Substitutionstherapie aufs Schärfste zurück. "Es ist kontraproduktiv, eine wissenschaftlich belegte und erfolgreiche medizinische Therapieform einschränken zu wollen, die drogenkranken Menschen seit 25 Jahren ein weit gehend normales Leben ermöglicht. Das ist ein unverantwortlicher Rückschritt - für jeden einzelnen Betroffenen, aber auch für die Gesellschaft", erklärte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger am Freitag in einer Aussendung.

Gut für Betroffene und für die Gesellschaft

Schließlich würden die Patienten dank der Substitution aus der Drogenszene herausgehalten und entgingen damit der Gefahr, sich durch illegalen Drogenkonsum schwere Infektionen bis hin zu HIV und andere Folgeerkrankungen zuzuziehen oder solche selbst zu verbreiten. Die Menschen bleiben arbeitsfähig und können ein weit gehend normales Leben führen. "Die Reintegration Suchtkranker, die durch die Substitutionstherapie möglich wird, verhindert auch Beschaffungskriminalität und hat damit positive Effekte für die gesamte Gesellschaft. Oft stellt sie auch den ersten Schritt zur vollständigen Abstinenz dar", hält Wechselberger fest. Die Möglichkeit der missbräuchlichen Verwendung in Einzelfällen stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen der Substitutionstherapie, so der Ärztechef. Er verlangte von der Politik zudem, die ärztliche Therapiefreiheit in der Behandlung Kranker zu respektieren. Wenn sich die Politik in Behandlungsfragen einbringen wolle, dann solle sie die psychosozialen Betreuungsmöglichkeiten ausbauen, die eine notwendige Ergänzung der Substitutionstherapie darstellen.

Auch der Leiter des Anton-Proksch-Instituts, Michael Musalek, hält die Idee des Innenministeriums für einen medizinisch unverantwortlichen Rückschritt: "Die Politik sollte Rahmenbedingungen zur bestmöglichen Behandlung kranker Menschen gewährleisten, anstatt sich in die ärztliche Therapiefreiheit einzumischen. Wir führen hier eine Ideologiedebatte. Was wir brauchen, ist aber Entideologisierung und Rückkehr zu den Fakten", so der international anerkannte Drogentherapieexperte.

Streng überwachte Therapieform

Die Substitutionstherapie ist eine streng kontrollierte Therapieform, für die die behandelnden Ärzte eine zusätzliche umfassende Spezialausbildung sowie jährlich zertifizierte Fortbildungen nachweisen müssen. Auch die Patienten unterstehen einer strengen amtlichen Überwachung: Jeder Substitutionspatient muss vor Beginn der Therapie einen schriftlichen Vertrag mit dem behandelnden Arzt abschließen, in dem er sich zur Einhaltung rigider Auflagen verpflichtet. Er muss einen Substitutionsausweis mit sich führen und in der Regel seine Tagesdosis kontrolliert in der Apotheke einnehmen, wo das Medikament nur nach Vorlage eines vom Amtsarzt bestätigten Rezepts abgegeben wird. (ar)

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Andrea Riedel
Tel.: (++43-1) 513 18 33-45

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAE0001