• 13.02.2013, 13:17:54
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Einkommensverteilung: Frauen nach wie vor benachteiligt

RH-Ausschuss: Abgeordnete besorgt wegen Entwicklung der Einkommen

Utl.: RH-Ausschuss: Abgeordnete besorgt wegen Entwicklung der
Einkommen =

Wien (PK) - Die einzige Gruppe von Frauen, die gleich viel verdienen
wie ihre männlichen Kollegen, sind ganzjährig vollzeitbeschäftigte
Beamtinnen im öffentlichen Dienst. In allen anderen
Beschäftigtengruppen und Branchen verdienen Frauen nach wie vor
deutlich weniger als Männer. Das geht aus dem aktuellen Bericht über
die durchschnittlichen Einkommen der Erwerbstätigen und der
PensionistInnen (III-371 d.B.) hervor, den der Rechnungshofausschuss
unter dem Vorsitz seines Obmannes Werner Kogler debattierte.

Frauen arbeiten häufiger als Männer in Branchen mit schlechterer
Entlohnung, erbringen dort geringer bezahlte Dienstleistungen oder
Hilfstätigkeiten und leisten überdurchschnittlich häufig
Teilzeitarbeit, was sich zusätzlich negativ auf ihre
Einkommenssituation auswirkt. Angesichts dieser Analyse des
Rechnungshofpräsidenten, dessen Bericht der Ausschuss einstimmig zur
Kenntnis nahm, zeigten sich die Abgeordneten "geschockt" (G-
Abgeordneter Bruno Rossmann), "erschüttert" (F-Abgeordneter Alois
Gradauer), "besorgt" (S-Abgeordnete Ruth Becher) und "deprimiert" (G-
Abgeordnete Gabriela Moser) über die aktuelle Einkommensentwicklung,
vor allem auch wegen der negativen Entwicklung bei den Einkommen der
ArbeiterInnen. Viele Menschen mit niedrigen Einkommen seien immer
weniger in der Lage, ihr Leben ohne Hilfe ihrer Familien oder durch
den Staat zu bestreiten. Mit Rechnungshofpräsident Moser waren sich
die Abgeordneten darin einig, dass es notwendig sei, Frauen dazu zu
motivieren, besser bezahlte Berufe zu erlernen und auszuüben sowie
dafür zu sorgen, dass die Qualifikationen der Frauen besser genutzt
und mehr Führungspositionen weiblich besetzt werden.

Positiv konnte registriert werden, dass in einer vollzeitbereinigten
Darstellung die durchschnittlichen Fraueneinkommen in den letzten
Jahren gegenüber den Männern einige Prozentpunkte aufholen konnten.
Wie lange es bei diesem Tempo noch dauern werde, bis die Frauen bei
den Einkommen Parität mit den Männern erreicht haben werden, hänge
von politischen Entscheidungen ab, sagte Rechnungshofpräsident Josef
Moser auf eine diesbezügliche Frage der G-Abgeordneten Gabriela
Moser.

Die Ergebnisse des Einkommensberichts im Einzelnen

Die Zahl der unselbständig Erwerbstätigen stieg 2011 um 2,68 % auf
4.004.748 Personen. Das mittlere Bruttojahreseinkommen betrug 24.843
€. Das niedrigste Medianeinkommen hatten mit 18.157 € ArbeiterInnen,
das höchsten BeamtInnen mit 49.274 € BeamtInnen, wobei der
Rechnungshof aber hinzufügt, dass die 2011 um 2,69 % kleiner werdende
Gruppe der BeamtInnen überdurchschnittlich viele AkademikerInnen
umfasst und ein deutlich höheres Durchschnittsalter als andere
Personengruppen aufweisen, führte Rechnungshofpräsident Josef Moser
aus.

Frauen verdienen nach wie vor und in allen Beschäftigtengruppen
deutlich weniger als Männer: 2011 betrug das mittlere Einkommen der
Frauen 60 % des mittleren Männereinkommens. Wesentlich schwächer als
in der Privatwirtschaft fällt der Einkommensnachteil der Frauen aber
im öffentlichen Dienst aus: Beamtinnen verdienen 94 %, weibliche
Vertragsbedienstete 77 % des mittleren Männereinkommens, während
weibliche Angestellte in der Privatwirtschaft 50 % und weibliche
ArbeiterInnen 43 % des mittleren Männereinkommens erreichen. Die
Einkommensdifferenzen zwischen den Geschlechtern ist teilweise auf
Teilzeitarbeit zurückführen, aber auch beim Vergleich von ganzjährig
Vollzeitbeschäftigten beträgt der Median der Fraueneinkommen nur 81 %
des mittleren Männereinkommens.

Ganzjährig vollzeitbeschäftigte Beamtinnen verdienen gleich viel wie
ihre männlichen Kollegen, Vertragsbedienstete 93 % des mittleren
Männereinkommens. In der Privatwirtschaft bestehen größere
Einkommensdifferenzen: Weibliche Angestellte verdienen 66 %,
weibliche ArbeiterInnen 69 % des mittleren Männereinkommens.

Große Einkommensunterschiede in den einzelnen Branchen

Die Höhe der Einkommens hängt auch stark von der Branche ab, in der
eine Person beschäftigt ist: Die höchsten Einkommen werden in der
Energieversorgung (Median 2011: 50.636 €), bei der Erbringung von
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (40.835 €) sowie in
Information und Kommunikation (39.029 €) erzielt. Die niedrigsten
Einkommen in Beherbergung und Gastronomie (Median 2011: 9.464 €),
Kunst, Unterhaltung und Erholung (14.456 €) sowie bei der Erbringung
sonstiger wirtschaftlicher Dienstleistungen (14.885 €).
Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern resultieren auch
aus dem Umstand, dass Frauen überproportional in Branchen mit
niedrigem Einkommensniveau tätig sind.

Auch bei ganzjährig Vollzeitbeschäftigte sind deutliche Differenzen
sichtbar: Der Frauenmedian beträgt zwischen 62 % (Erbringung von
sonstigen Dienstleistungen) und 94 % (Bergbau und Gewinnung von
Steinen und Erden) des Männermedians.

Hinsichtlich der Stellung der Personen im Beruf unterscheidet sich
der öffentliche Dienst vom privatwirtschaftlichen zweifach: Bei einem
höheren Medianeinkommen bestehen geringere Einkommensdifferenzen
zwischen den verschiedenen Tätigkeiten. Niedrigere Einkommen werden
besser bezahlt als in der Privatwirtschaft und zwischen den oberen
Einkommenspositionen bestehen geringere Unterschiede. Ausschlaggebend
sind die höheren AkademikerInnenquote, das um 12 Jahre höhere
Durchschnittsalter der Beamten und der niedrigere Anteil an Teilzeit-
und nicht ganzjähriger Beschäftigung.

In den Produktionsberufen werden höhere Einkommen als in
Dienstleistungsberufen erzielt. Frauen sind häufiger als Männer in
Dienstleistungs- und Hilfstätigkeiten und damit in schlecht bezahlten
Berufen zu finden und überdies leisten sie dort überdurchschnittlich
häufig Teilzeitarbeit, was sich zusätzlich negativ auf ihre
Einkommenssituation auswirkt.

Schwerpunktthema atypische Beschäftigung

2011 waren 2.817.100 Personen ganzjährig erwerbstätig, von denen
800.600 (28 %) teilzeitbeschäftigt waren. Das mittlere
Bruttojahreseinkommen der ganzjährig Teilzeitbeschäftigten lag 2011
bei 15.429 € und betrug damit 42 % des mittleren Einkommens der
ganzjährig Vollzeitbeschäftigten (36.383 €). Frauen leisten weit mehr
Teilzeitarbeit als Männer: 86 % aller ganzjährig
Teilzeitbeschäftigten sind weiblich, 50 % aller ganzjährig
erwerbstätigen Frauen befinden sich in einem Teilzeit-
Arbeitsverhältnis - bei Männern liegt dieser Anteil nur bei 8%).

Neben Teilzeitarbeit spielen auch andere atypische
Beschäftigungsformen eine wichtige Rolle am Arbeitsmarkt. Darunter
fallen geringfügige Beschäftigung, befristete Tätigkeiten und
Anstellungen bei Leih- und Zeitarbeitsfirmen. Zusammen mit der
Teilzeitarbeit traf dies im Jahr 2011 auf 39 % aller unselbständig
Erwerbstätigen zu. Bei Frauen lag der Anteil bei 59 %, bei Männern
bei 22 %. Mit einem Bruttojahreseinkommen von 11.230 € verdienten
atypisch Beschäftigte im Median nur ein Drittel der Personen mit
einem Normalarbeitsverhältnis (33.452 €).

Große Einkommensunterschiede zeigen sich bei den Einkommen der
Selbständigen in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen. Auch bei den
Selbständigen gibt es große Unterschiede zwischen den Einkommen der
Frauen und jenen der Männer. Im Gesundheits- und Sozialwesen - der
Branche mit den höchsten Einkommen - verdienen Frauen im Mittel 14 %
dessen, was Männer an Einkommen erzielen, in der Branche Herstellung
von Waren beträgt der Frauenmedian 44 % des Männermedian, während in
der Branche Beherbergung und Gastronomie der Frauenmedian auf 78 %
des Männermedian kommt.

Entwicklung der hohen und niedrigen Einkommen im Vergleich

Beim Vergleich der Entwicklung hoher und niedriger Einkommen zeigt
der Bericht, dass die Einkommensschere seit 1998 auseinanderging und
sich dieser Trend nach einer kurzen Gegenentwicklung 2006 und 2007
bis 2011 fortgesetzt hat. Die hohen Einkommen stiegen real leicht,
die niedrigen Einkommen nahmen sehr stark ab. So sanken die
niedrigsten 10 % der unselbständigen Jahreseinkommen seit 1998 von
2.761 € um 11,77 % auf 2.436 €.

Inflationsbereinigt sinken niedrige Einkommen seit 1998, während hohe
Einkommen steigen. Das erste Quartil, die 25 % der niedrigsten
Einkommen, lag 2011 bei 83 % des Wertes von 1998 (Frauen 92 %; Männer
80 %), das dritte Quartil, Grenzwert zu den höchsten 25 % der
Einkommen - stieg 2011 auf 102 % des Wertes von 1998 an (Frauen 104
%; Männer 103 %).

Eine lebhafte Ausschussdebatte

Abgeordneter Franz Riepl (S) sprach angesichts der Verminderung der
ArbeiterInnen-Einkommen die Vermutung aus, dass darin auch die
Auswirkungen der Kurzarbeit sowie Einkommensverschlechterungen
infolge des Betriebswechsels von Arbeitnehmern zum Ausdruck kommen,
was RH-Präsident Moser bestätigte.

Abgeordneter Bruno Rossmann (G) beklagte das Sinken der
ArbeiterInnenlöhne und stellte die Auseinanderentwicklung hoher und
niedriger Einkommen in den Mittelpunkt seiner Analyse. Rossmann
sprach von "schockierenden Ergebnissen", die zeigten, dass immer mehr
unselbständige ArbeitnehmerInnen von ihren Familien, vom Staat oder
in prekären Verhältnissen leben müssen. Als Ursachen identifizierte
Rossmann vor allem die Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse.
Der Mandatar lobte den Bericht als eine wertvolle Unterlage zur
Analyse der Einkommensentwicklung, regte aber zugleich an, den
Bericht künftig mit weiteren Daten anzureichern und seine
Aussagekraft mit zusätzlichen Zeitreihen zu verbessern.
Rechnungshofpräsident Moser erinnerte an dieser Stelle daran, dass
die Erstellung des Einkommensberichts 300.000 € koste und er keine
Möglichkeit sehe, mehr Ressourcen für diese Sonderaufgabe des
Rechnungshofes, die er mit dankenswerter Unterstützung der Statistik
Austria erledige, auszuweiten.

Abgeordnete Martina Schenk (B) sah sich mit dem
Rechnungshofpräsidenten darin einig, dass man Frauen dazu motivieren
sollte, besser bezahlte Berufe zu erlernen und zu ergreifen. Darüber
hinaus stellte Martina Schenk die Einführung eines gesetzlichen
Mindestlohns und die Abschaffung der Zuverdienstgrenzen für Frauen
zur Diskussion.

Abgeordneter Alois Gradauer (F) bezeichnete die Tatsache, dass 1,4
Millionen Österreicher, davon fast 300.000 Jugendliche,
armutsgefährdet sind, als ein Resultat falscher Politik und sah die
Regierung gefordert. "Immer mehr Frauen leben in der Armutsfalle",
sagte Gradauer und befürchtete einen Anstieg der Armut auf zwei
Millionen Menschen in Österreich. Den Koalitionsparteien warf der
Redner Untätigkeit vor und kritisierte im Einzelnen die Belastungen
des Mittelstands, die stark steigende Abgabenquote, die hohen
Lohnnebenkosten und die erschütternden Einkommensverluste der
ArbeiterInnen. Einmal mehr forderte Abgeordneter Gradauer
Einsparungen in der Verwaltung.

Abgeordnete Gabriela Moser (G) sprach von einer deprimierenden
Entwicklung und verlangte, den Einkommensbericht an zeitlich
prominenter Stelle im Nationalratsplenum zu diskutieren. Missstände
ortete die Mandatarin bei den Energieversorgungsunternehmen, wo hohe
Einkommen erzielt werden, der Anteil der dort beschäftigten Frauen
aber weit unterdurchschnittlich sei.

Abgeordneter Michael Hammer (V) führte den hohen Frauenanteil an den
Teilzeitbeschäftigungen auf deren Interesse zurück, ihr Engagement
für die Familien, die Kindererziehung und die Pflege älterer
Angehöriger mit ihrer Berufstätigkeit zu vereinbaren.

Auch Abgeordnete Ruth Becher (S) registrierte eine besorgniserregende
Entwicklung bei den niedrigen Einkommen, die für viele Menschen oft
nicht mehr ausreichten, um die notwendigsten Lebenshaltungskosten zu
decken.

Rechnungshofpräsident Josef Moser empfahl beim Thema
Energieversorgungsunternehmen einmal mehr, die Transparenz zu
verbessern, insbesondere beim Abschluss von Managerverträgen. Den
Vorschlag der Abgeordneten Christine Lapp (S) an den Rechnungshof,
auch einen Vermögensbericht zu erstellen, wies Rechnungshofpräsident
Moser mit dem Hinweis auf die begrenzten Ressourcen des
Rechnungshofes zurück (Fortsetzung) fru

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