"Crowdfunding" - SPÖ-Klub diskutiert Bedingungen unbürokratischer Mikro-Finanzierung

Schieder: Kein Aufweichen des Anlegerschutzes - Matznetter: Modelle alternativer Fremdfinanzierung entwickeln

Wien (OTS/SK) - Crowdfunding und die Potentiale und Probleme unbürokratischer Mikro-Finanzierungen sind Thema einer Enquete des SPÖ-Klubs heute, Mittwoch, im Parlament. Für Finanzstaatssekretär Andreas Schieder ist klar, dass es dabei zu keiner Deregulierung des Kapitalmarktes oder zur Auflockerung des Anlegerschutzes kommen dürfe, wie er in seinem Eröffnungsstatement betonte. SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter zeigte sich überzeugt, dass mit geringen Anpassungen im System solche neuen Modelle entwickelt werden können. ****

Crowdfunding ist eine alternative Art der Unternehmensfinanzierung, die ihren Ursprung in der Spendenfinanzierung hat, aber auch als mögliches Finanzierungsmodell für "Start ups" oder regional bedeutende Unternehmen gesehen wird. Nicht zuletzt die Diskussion um das Finanzierungsmodell eines Waldviertler Schuhproduzenten hat dieses Thema verstärkt in den Blickpunkt gerückt.

Bei der Frage nach den Bedingungen, unter denen sich kleine und mittlere Unternehmen finanzieren können, seien Banken weiterhin die wichtigste Schnittstelle, betonte Staatssekretär Schieder. So kenne der Sachbearbeiter in der Bankfiliale am Land sowohl die lokalen Gegebenheiten als auch die Zukunftschancen eines Unternehmens oft am besten. Allerdings sei der Spielraum für lokale Bankenstrukturen mittlerweile recht begrenzt; viele Unternehmen klagen über das Kreditangebot, wiewohl gesamtwirtschaftlich keine Kreditklemme festgestellt werden kann. Erweitert werde die Diskussion durch Bürgerbeteiligungsprojekte oder Darlehensmodelle im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit.

Für Schieder stehen jedenfalls einige Voraussetzungen außer Frage: Es dürfe keine Deregulierung des Kapitalmarktes und keine Auflockerung des Anlegerschutzes geben. Der Schutz der Kleinanleger sei wichtig, dies sei auch eine der Lehren aus der Krise gewesen. "Wer ein Bankengeschäft betreibt, muss sich an die Regeln halten", betonte der Staatssekretär.

Möglichkeiten der Verbesserung sieht Schieder durch mehr Information der Unternehmen - "das schafft auch mehr Rechtssicherheit" - oder durch eventuelle Förderung eines Teils der Prospektkosten bei kleinen Anleihe-Emissionen. Außerdem sollte geprüft werden, ob nicht auch bestehende Instrumente - wie die Genossenschaft - modernisiert und "entstaubt" und so bürokratische Hürden entfernt werden können. Prinzipiell müsse man einen Weg finden zwischen den Interessen von Anlegern, die ihr Geld sinnhaft anlegen wollen, den Interessen von kleinen Unternehmen nach einfacher Finanzierung und dem Anlegerschutz, so Schieder abschließend.

Für Christoph Matznetter, SPÖ-Wirtschaftssprecher und Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands, gibt es gerade in Kontinentaleuropa gute Chancen, alternative Modelle der Fremdfinanzierung zu entwickeln. Im Gegensatz zum anglo-amerikanischen Raum habe in Europa die Finanzierung durch Risikokapital aus kulturell-historischen Gründen nie so richtig funktioniert. "In Kontinentaleuropa ist die Bereitschaft höher, etwas herzuborgen, ohne sich zu beteiligen - das Herborgen wird aber schwer gemacht", so Matznetter. Dies wäre auch eine hervorragende Chance, dass es zu mehr Wettebewerb mit den Banken kommt und diese wieder ihre Einlagenkultur verbessern.

Klar sei, dass bei einer großen Unternehmensanleihe alle Informationspflichten, wie beispielsweise die Prospektpflicht auch künftig eingehalten werden müssen, plädierte Matznetter für einen guten Anlegerschutz. Ein Gewerbebetrieb, der sich für eine bestimmte Zeit Geld borgt, oder ein EZA-Projekt, könnten dies mit geringeren Auflagen tun. "Es gibt sicher Lösungen, die wir mit wenigen Anpassungen im System erreichen", zeigte sich Matznetter zuversichtlich.

Abschließend wies der SPÖ-Abgeordnete noch Kritik an der Finanzmarktaufsicht zurück. Es sei Aufgabe der FMA die Einhaltung der Regeln zu kontrollieren. "Einen Verkehrspolizisten kritisiert man auch nicht, weil er Strafzettel an Raser ausstellt", so Matznetter. (Schluss) ah/mo

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