"Muezzin": "dok.film"-Premiere über die Kunst des muslimischen Gebetsrufs am 10. Februar

Türkische Muezzins im ungewöhnlichen Konkurrenzkampf

Wien (OTS) - Wenn der Muezzin ruft, ist Zeit für das Gebet: Täglich folgen weltweit Millionen gläubiger Muslime fünfmal dem Aufruf "Allahu akbar", den zu singen eine eigene Kunst darstellt. Bereits seit mehr als 1.400 Jahren, seit den Tagen des Propheten Mohammed, wird diese gepflegt. In der Türkei gibt es heutzutage sogar eigene Wettbewerbe, bei denen die Muezzins des Landes alljährlich wetteifern, wer am schönsten zum Gebet rufen kann. Der österreichische Regisseur Sebastian Brameshuber hat diese ungewöhnliche Konkurrenz filmisch begleitet: Die vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens unterstützte Produktion aus dem Jahr 2009 ist allerdings keine Castingshow à la "Türkei sucht den Super-Muezzin", sondern zeigt die besondere Dramatik eines solchen Wettbewerbs zwischen Gottglauben und kunstvoller Darbietung. Der preisgekrönte Dokumentarfilm "Muezzin", den "dok.film" am Sonntag, dem 10. Februar 2013, um 23.05 Uhr in ORF 2 präsentiert, gewährt einen Blick hinter die Mauern des Minaretts, folgt dem dramatischen Verlauf des Bewerbs und untersucht den Stellenwert von Individualität in der muslimischen Kultur.

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Knapp 3.000 Moscheen gibt es in Istanbul, jede mit ihrem eigenen Muezzin, der gleichzeitig auch der Imam der Moschee, also ihr Vorbeter sein kann. "Eilt zum Gebet, eilt zur Seligkeit", fordert er die Gläubigen mit seinem Ruf auf. Regisseur Sebastian Brameshuber:
"Der Text des Gebetsrufes bleibt immer gleich, fünfmal am Tag. Es gibt nur in der Früh, für den ersten Gebetsruf, eine Extrazeile und die lautet: 'Das Gebet ist besser als der Schlaf'."

Zweieinhalb Jahre lang hat Brameshuber für seinen Film in Istanbul gelebt und dort ausführlich recherchiert. Erstaunt war er über die Offenheit seiner Interviewpartner. Er bekam Einblicke in ihr Privatleben und sogar die Erlaubnis während der Gebetsrufe in den Moscheen zu filmen. In der Türkei, erzählt er, seien die Muezzins Staatsbeamte. Trotz der einheitlichen Verwaltung kann es zwischen ihnen aber - vor allem, wenn die Moscheen knapp beieinander liegen -zum Konkurrenzkampf kommen. "Für den Muezzin ist es wichtig, dass der Muezzin der Nachbarmoschee ausgestochen wird", so Brameshuber. "Sei es, dass man später anfängt oder lauter aufdreht oder sich durch die Tonlage abhebt. Gerade letzteres deutet auch darauf hin, dass sich der Muezzin ja eigentlich als Künstler versteht."

Dem musikalischen Aspekt kommt in der Türkei eine besondere Bedeutung zu. Die Muezzins werden in eigenen Schulen ausgebildet, später gibt es auch Lehrgänge zur Fortbildung. Die besten Muezzins werden schließlich in einem Wettbewerb gekürt. Der Sieg ist äußerst prestigeträchtig. Der Gewinner wird häufig von einer der großen Moscheen angestellt, ein frühes Ausscheiden bedeutet hingegen einen schmerzhaften Gesichtsverlust.

"Muezzin" ist eine Produktion der KGP Kranzelbinder Gabriele Production und wurde vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens gefördert. Auf internationalen Festivals feierte Sebastian Brameshubers Dokumentarfilm Erfolge, wurde ausgezeichnet (MedFilm Festival Rom 2010) und zählte darüber hinaus zu den absoluten Publikumslieblingen - ganz besonders natürlich beim "29. International Istanbul Film Festival".

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