Wlodkowski: Bienen- und Pflanzenschutz sind gleichzeitig möglich

EU: Auch bei Neonicotinoiden wissenschaftlich basierte Grundlagen beachten

Wien (OTS) - "Das Verlangen, die EU möge sofort Neonicotinoide verbieten, steht nicht im Einklang mit langfristiger, wissenschaftlich fundierter Entscheidungsfindung. Die Zulassung von Wirkstoffen und Pflanzenschutzmitteln ist in der EU im weltweiten Vergleich eine der langwierigsten, kostenintensivsten und bestmöglich auf die Futter- und Lebensmittelsicherheit ausgerichteten Prozeduren, die auf einem klaren Regelwerk an wissenschaftlichen und praxiserprobten Prinzipien beruht. In den vergangenen 20 Jahren wurde EU-weit die Anzahl der ehemals rund 1.000 verfügbaren Wirkstoffe im gesamten Bereich der Pflanzenproduktion auf etwa ein Viertel reduziert. Selbst wenn nun von mehreren Seiten gleichzeitig Druck auf die EU (Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher - GD SANCO) ausgeübt wird, jetzt spontan und unreflektiert ein Verbot von Neonicotinoiden zu erlassen, dürfen die wissenschaftlich basierten Grundlagen und Verfahrensregeln nicht außer Kraft gesetzt werden. Ergebnisse, die aus Einzeluntersuchungen herrühren, können nicht vorschnell generalisiert werden. Dies würde ein Präjudiz darstellen, das von den Auswirkungen her nicht akzeptabel ist", so Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich.

Neonicotinoide: Was ist das?

Neonicotinoide sind insektizide Wirkstoffe einer neuen Generation von überwiegend Pflanzenschutzmitteln, die bei Pflanzenbau, Blumenzucht, Haus und Garten, aber auch in der Heimtierhaltung verwendet werden. Ihre Anwendung, beispielweise bei Maissaatgut, erfolgt in der Form, dass das Samenkorn damit ummantelt und darüber eine Schutzschicht aufgebracht wird - die sogenannte Inkrustierung -und damit der junge Keimling in seiner ersten Wuchsphase systemisch vor Schadinsekten geschützt ist. Dies können Blattläuse, Drahtwürmer und Engerlinge, Käfer oder nach Europa eingeschleppte Schädlinge wie der Maiswurzelbohrer sein, die nicht nur den Keimling fressen, sondern auch Krankheiten übertragen können. Mit der Einführung von Neonicotinoiden in verschiedenen Bereichen des Pflanzenschutzes konnten die Aufwandmengen an insektiziden Wirkstoffen wesentlich reduziert und flächenhafte Spritzung, Streugranulate oder andere problematischere Bekämpfungsmethoden abgelöst werden.

Klimawandel bringt neue Schädlinge

Die österreichische Landwirtschaft ist in einem hohen Ausmaß durch das Auftreten von neuartigen Schädlingen wie Maiswurzelbohrer oder Rebzikade bedroht. Diese breiten sich von Südosteuropa her jährlich um bis zu 100 km nach Nordwesteuropa aus. Das Schadensbild nicht geschützter Kulturen ist dramatisch, die Ertragseinbußen können in manchen Jahren so hoch sein, dass bei Nichtbehandlung die Fortführung bestimmter Kulturarten nicht mehr möglich ist.

Intensive Forschungen

Untersuchungsberichte der AGES zeigen, dass in enger Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern und den Bauern deutliche Verbesserungen möglich waren und eine Fortsetzung des Einsatzes von Neonicotinoiden bei gleichzeitigem Schutz von Fauna und Flora möglich ist. Den Hintergrund für die Gerüchte über ein Verbot bilden die laufenden Beratungen der DG SANCO in Fachausschüssen auf Brüsseler Ebene, in denen sich jedoch zeigt, dass die Datenlage auf EU-Ebene nicht ausreichend ist und derzeit zu viele Fragen offen bleiben. Die Vermutungen, dass von den Wirkstoffen ein erhebliches Risiko für Bienen ausgeht, werden in einer Reihe von Studien EU-weit untersucht. Speziell zu diesem Zweck wurde beispielsweise in Frankreich ein Forschungsstandort eingerichtet, an dem 17 EU-Staaten teilnehmen.

"Die österreichischen Bauern haben seit 2008 einen ganz wesentlichen technischen und praktischen Aufwand im Pflanzenschutz gesetzt: bessere Methoden der Saatgutbehandlung, Umrüstung von Sämaschinen und weitere Einschränkungen der Anwendung, Einführung einer verpflichtenden Fruchtfolge, breite Informationstätigkeit und vieles mehr. Wir sind bereit, mit den Stakeholdern weitere Verbesserungen umzusetzen, aber wir lehnen diese Art der Vorgehensweise einer überhasteten zentralen Entscheidungsfindung im Sinne eines undifferenzierten Verbotes auf EU-Ebene ab, die in einigen Regionen einen ganzen Berufsstand in seiner Wirtschaftstätigkeit gefährden kann", so Wlodkowski abschließend. (Schluss)

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