"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ohne Wissen um "Codes" keine Begleitung im Netz" (von Claudia Gigler)

Ausgabe vom 5.2.2013

Graz (OTS) - Der heutige Saferinternetday soll Eltern, Kindern und Lehrern die Gefahren bewusst machen, die mit der Durchdringung unseres sozialen Umfeldes mit dem Internet verbunden sind.

Die Wahrnehmungen haben sich verändert. Zunächst waren es vor allem Gewaltspiele und Pornodarstellungen, die den Eltern Sorge bereiteten. Dann stellte sich rasch heraus: Es sind nicht so sehr die Inhalte selbst, die man fürchten muss, sondern das Verhalten der Kinder im Angesicht der neuen Informationsquellen und im Umgang mit dem "Kastl".

Kinder, die Bewegung brauchen, sitzen stundenlang still davor, nur die Finger wandern rastlos über die Tastatur und nesteln fahrig am Joystick. Manche werden aggressiv, andere hyperaktiv.

Kinder, die seit dem Kindergarten aufgeklärt werden und die man behutsam einführen möchte in den Umgang mit erwachsener Sexualität, sehen sich mit virtueller Annäherung konfrontiert, die reizvoll erscheint, aber rasch in reale, ganz und gar unerwünschte Gewalt münden kann.

Und Reden ist zu "Kommunikation" geworden, die über weite Strecken fast ohne persönliche Begegnung auszukommen scheint. Vieles bleibt ausgespart, vieles wird nicht angesprochen - schwierig ist es, im Rahmen dieser verkürzten Kommunikation Sicherheit im Umgang miteinander zu erwerben.

"Medienkompetenz" ist der Schlüssel, der es dem Empfänger einer Botschaft ermöglicht, die Botschaft richtig zu verstehen, zu interpretieren und daraus die nötigen Schlüsse zu ziehen. Egal ob es um einen Zeitungsartikel, um bewegte Bilder oder um Botschaften aus dem Internet geht.

Macht die Botschaft Sinn? Ist sie für mich bestimmt? Ist die Quelle glaubwürdig? Wen erreiche ich selbst mit einer Botschaft und was löse ich damit aus? Fragen, die, wenn das im Wege von Erziehung und Bildung gelernt ist, unbewusst beantwortet werden und dem Umgang mit dem Medium, in diesem Fall dem Internet, einen stabilen Rahmen geben, innerhalb dessen man sich bewegt.

Auf die Vermittlung von Medienkompetenz kann man heute nicht verzichten, weil sich niemand mehr den Medien entziehen kann. Es reicht nicht, lesen und schreiben zu können, um Botschaften auf ihre Wirkung hin abschätzen zu können. Es braucht die Begleitung der Eltern, und es braucht die systematische Vermittlung der "Codes", die die Sprache des Netzes formen. Eltern und Lehrer sind gefordert, diese Codes selbst zu lernen, um ihren Kindern gute Begleiter zu sein.****

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