"kreuz und quer" am 5. Februar: "Die Akte Klima" und Diskussion zum Thema "Untier Mensch" - Klimamacher und Selbstzerstörer?

Wien (OTS) - "kreuz und quer" - präsentiert von Christoph Riedl -zeigt am Dienstag, dem 5. Februar 2013, um 22.30 Uhr in ORF 2 die Dokumentation "Die Akte Klima" von Ulrich Eichelmann, die deutlich macht, wie Megaprojekte im Namen des Klimaschutzes den Lebensraum von Mensch und Tier vernichten und - paradoxerweise - auch Treibhausgase in enormen Mengen produzieren und somit die globale Erwärmung weiter vorantreiben. Der Film lässt jene zu Wort kommen, die vom Klimaschutzboom profitieren, und jene, die ihn verteidigen - und er zeigt drastische Folgen der zurzeit umgesetzten internationalen Klimapolitik.
Um 23.15 Uhr folgt unter dem Titel "'Untier Mensch' - Klimamacher und Selbstzerstörer?" eine "kreuz und quer"-Diskussion über Selbstzerstörung, Verantwortung und Zukunftshoffnung. Mit Michael Hofer diskutieren Kurt Remele (Ethiker und Theologe), Claudia Kemfert (Wirtschaftsexpertin auf den Gebieten Energieforschung und Klimaschutz), Angela Kallhoff (Philosophin und Ethikerin an der Universität Wien) und Sebastian Lüning (Geologe aus der Erdölbranche).

"Die Akte Klima" - Ein Film von Ulrich Eichelmann

Megastaudämme im Amazonas, Palmölplantagen, die den Wald der letzten Orang-Utans zerstören, Atomkraftwerke und Monokulturen: Der Kampf gegen den Klimawandel soll unsere Erde retten. Doch er löst den größten Schub an Naturzerstörung aus, den die Erde in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Enorme Summen fließen in Staudämme, Atomkraftwerke oder Monokulturen für Biosprit und Biogas:

"Saubere Energie" der Wasserkraft als Treibhausfabrik: Am Fluss Xingú im Amazonasgebiet soll der drittgrößte Staudamm der Welt entstehen:
Belo Monte. Die Kayapo-Indianer müssten aus ihren Dörfern abgesiedelt werden - nach offiziellen Angaben etwa 200.000 Menschen. Sie sind bereit, mit Pfeil und Bogen gegen den Staudamm anzukämpfen. Bischof Erwin Kräutler, Träger des Alternativen Nobelpreises, unterstützt ihren Widerstand gegen das Projekt. Er führt durch sein Einsatzgebiet und spricht dabei über die dramatischen Folgen des Staudammes für Natur und Menschen: Der Lebensraum seltener Tierarten - jener einer der größten Schildkrötenkolonien der Welt, von "rosa Delphinen", Aras und Affen - wird zerstört werden. Dabei ist abzusehen, dass das Belo-Monte-Projekt - im Namen des Klimaschutzes errichtet - wie eine gigantische Treibhausfabrik wirken wird: Durch die großflächige Überflutung des Regenwaldes wird organische Materie ohne Sauerstoff mittels Mikroorganismen zersetzt. Dadurch entsteht Methan, ein hochwirksames Treibhausgas, das in der Atmosphäre einen sogar noch stärkeren Treibhauseffekt bewirkt als Kohlendioxid.

Vertreibung von Menschen und Vernichtung von Kulturgütern: Das Ilisu-Staudammprojekt am Tigris an der Grenze zu Syrien und dem Irak - schon im Bau - wird dem Tigris-Delta das Wasser abgraben. 50.000 bis 80.000 Menschen sollen allein in der Türkei abgesiedelt werden, die kulturhistorisch bedeutsame Stadt Hasankeyf wird in den Fluten versinken. Doch auch die Auswirkungen im Irak sind fatal: Die Austrocknung ganzer Regionen, die bislang fruchtbare Feuchtgebiete sind, ist sicher - ebenso die Absiedlung der dortigen Bevölkerung.

Biodiesel und -gas und die Folgen für die Umwelt: In Indonesien werden jährlich zwei Millionen Hektar Urwald gerodet und zu Palmölplantagen umgewandelt, um Biosprit zu gewinnen. Dabei wird mehr CO2 freigesetzt, als durch die Beimischung zum Kraftstoff eingespart wird. Leidtragende sind unter anderem die Orang-Utans. Sie verlieren durch die Rodungen ihren Lebensraum und werden auf den Plantagen als Schädlinge bekämpft. Jedes Jahr werden in Borneo etwa 3.000 Orang-Utans getötet, die meisten in Palmölplantagen.

Immer mehr Monokulturen auch in Europa: Der Hunger nach nachwachsenden Rohstoffen führt auch in Europa und den USA zu gravierenden Folgen für die Artenvielfalt. Allein 2008 wurden in Deutschland 300.000 Hektar zusätzlich umgepflügt, um Energiepflanzen, meistens Mais, anzubauen. Ein enormer Rückgang der Artenvielfalt ist die Folge, zudem eine Verschmutzung der Flüsse und eine Monotonisierung der Landschaft. Infolge des hohen Dünge- und Pestizideinsatzes ist zudem der Nutzen für die Einsparung der Klimagase äußerst fraglich: Um ein Megawatt - das entspricht ungefähr der Leistung eines Windrades - aus Biogas zu erzeugen, müssen 350 Hektar Mais angebaut werden.

"kreuz und quer"-Diskussion: "'Untier Mensch' - Klimamacher und Selbstzerstörer?"

Umwelt- und Klimaschutz scheint paradoxer Weise zu einem schmutzigen Geschäft wider die Natur zu werden, sagen Kritiker/innen. Ist die Bekämpfung des Klimawandels durch technischen Fortschritt und internationale Großprojekte eine Sackgasse? Oder sind - im Gegenteil - der Rückbau von Technik und ein "Zurück zur Natur", ein neuer asketischer Lebensstil, der aussichtsreichste Weg aus der Klimakrise? Was heißt überhaupt "Natur" - und ist "Kultur" dazu tatsächlich ein Gegenbegriff? Eine "kreuz und quer"-Diskussion über Selbstzerstörung, Verantwortung und Zukunftshoffnung.

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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