Wiener Stadthallenbad - eine Frage der Bauherrenkompetenz

Wien (OTS) - In der laufenden Diskussion über die Sanierung des Stadthallenbades sieht die Architektenkammer ein neuerliches Beispiel dafür, wie wichtig Bauherrenkompetenz für das Gelingen von Bauprojekten ist.
Nach den der Kammer vorliegenden Unterlagen wurde driendl*architects auf Grundlage eines bereits ausformulierten und budgetierten, im Ergebnis aber unvollständigen Vorprojekts, das nicht von driendl*architects stammte, mit der Generalplanung für die (Teil-) Sanierung des Stadthallenbades beauftragt. Das Projektmanagement wurde von der Stadthalle selbst übernommen.

Im Planungsprozess stellte sich heraus, dass die zur Verfügung gestellten Bestandsunterlagen unvollständig, zum Teil fehlerhaft und die aus dem Vorprojekt resultierende Kostenschätzung für den nunmehr gewünschten viel größeren Sanierungsumfang unrealistisch waren. Dazu kamen noch laufende nicht im Auftrag enthaltene, von der Stadthalle aber gewünschte Projektänderungen, ohne dass das zur Verfügung gestellte Budget entsprechend angepasst worden wäre.

Die Überprüfung der Dichtheit des Schwimmbeckens, die nach Auskunft mehrerer Insider bereits vor Projektbeginn nicht gegeben gewesen sein soll, hat driendl*architects ordnungsgemäß ausgeschrieben. Die Reparatur undichter Stellen, die nach einer Probebefüllung des Beckens festgestellt wurden, konnte aber von der beauftragten Firma wegen der - aus Sicht der Experten und auch der Kammer völlig überhasteten - Verhängung eines Baustopps durch die Geschäftsführerin der Stadthalle bis heute nicht vorgenommen werden. Anstatt eines üblichen Vorgehens bei vermeintlichen oder festgestellten Mängeln wählte sie den aktionistischen Weg: Baustopp, gerichtliche Beweissicherungen, Rauswurf des Architekten und dergleichen.

Dies freilich, ohne damit dem Projekt zu dienen. Vielmehr führte diese Vorgangsweise zu dramatischen Verzögerungen und Kostensteigerungen (von den Kosten des Rechtsstreits gar nicht zu reden), die heute noch gar nicht absehbar sind.

Aus Sicht der Kammer wird einmal mehr deutlich, dass eine klare Definition "von dem was man will" und besonnenes Vorgehen des Bauherren - wie dies von vielen Dienststellen der Stadt Wien tagtäglich praktiziert wird - Grundvoraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung von Bauprojekten sind. Diese Anforderungen an den Auftraggeber können von keinem noch so guten Architekten substituiert oder kompensiert werden.

Der im konkreten Beispiel erkennbare politische Aktionismus der Stadthallengeschäftsführerin auf dem Rücken des Architekten wird von der Kammer entschieden zurück gewiesen.

Architekt Mag. arch. Walter Stelzhammer, Präsident
Architekt DDI Herbert Ablinger, Vorsitzender der Architekten

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