Ärztekammer: Tägliche Bewegung in Schulen gefordert

Ernährungskunde als Pflichtfach - großer Schaden durch mangelnde Prävention bei Kindern und Jugendlichen

Wien (OTS) - Die Umsetzung der "bewegten Schule" fordert die Sprecherin der Schulärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Gudrun Weber. Es handle sich dabei um ein Konzept, das mehr Bewegung in den schulischen Alltag integrieren solle, erklärte Weber am Donnerstag in einer Aussendung. Seit 2003 sei die Anzahl der Turnstunden je nach Schultyp um bis zu fünf Prozent gekürzt worden, in manchen Schulen gebe es nur noch eine oder in Abschlussklassen gar keine Turnstunden mehr, kritisierte Weber. Eine tägliche Turnstunde, wie sie zuletzt auch öffentlich diskutiert wurde, hält die Expertin aber für unrealistisch: "Das ist Utopie. Eine tägliche Turnstunde ist organisatorisch mit den Stundenplänen kaum vereinbar, es fehlt auch an der nötigen Infrastruktur, und sie ist nicht finanzierbar."

Weber befürwortet stattdessen kurze tägliche Bewegungseinheiten im Rahmen der übrigen Unterrichtsstunden: "Wir sollten bei uns das innovative Konzept der bewegten Schule umsetzen, wie dies in anderen Ländern schon der Fall ist. Es geht darum, die Kinder zu mehr Bewegung im Alltag zu animieren. Sie sitzen ja schon ab dem Kindergarten zu viel. Ihnen wird die Bewegung regelrecht ausgetrieben, indem sie dazu angehalten werden, still zu sitzen."

Doch nicht nur Bewegung, sondern auch gesunde Ernährung sollte stärker in den Mittelpunkt rücken. "Die vom Gesundheitsminister im Jahr 2011 vorgestellten Maßnahmen zur Verbesserung der Kinder- und Jugendgesundheit waren ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, am Ziel sind wir aber noch lange nicht", betonte Weber. Neben einem gesunden Schulbuffet bedürfe es weiterer Präventionsmaßnahmen, in die auch die Schulärzteschaft eingebunden werden müsse. So sei die Einführung eines verpflichtenden Faches "Gesundheits- und Ernährungskunde" vorstellbar, sagte die Expertin.

Dies sei im Interesse der Prävention, aber auch der Volkswirtschaft dringend notwendig, ergänzte der Vizepräsident der ÖÄK und Referatsleiter, Karl Forstner: "Kranke Kinder werden kranke Erwachsene. Wenn hier nichts geschieht, werden die Gesundheitskosten explodieren." Es gebe Berechnungen, wonach der schlechte Gesundheitszustand der Jugend im Jahr 2030 für jährliche Mehrkosten in der Höhe von 1,6 Milliarden Euro verantwortlich sein werde, im Jahr 2050 würden demnach jährliche Mehrkosten in der Höhe von 3,7 Milliarden Euro anfallen. Forstner: "Aus ärztlicher Sicht kann man den Gesundheitszustand unserer Kinder und Jugendlichen nur mit Nicht Genügend beurteilen." Regelmäßige Bewegung würde sich äußerst positiv auswirken und das Risiko, z.B. an Diabetes zu erkranken, erheblich senken. "Außerdem haben Kinder einen natürlichen Bewegungsdrang, der gefördert werden sollte", so Forstner. Jetzt sei die Politik am Zug, ihre Versprechen im Hinblick auf Prävention im Rahmen der Gesundheitsreform einzulösen und den Worten Taten folgen zu lassen, betonte Forstner abschließend. (slv)

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