WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Im Pessimismus fühlen sich die Börsen wohl - von Andreas Wolf

Nur der frühe Vogel fängt den Wurm, ganz wie anno 1995

Wien (OTS) - An den Weltbörsen tut sich derzeit Spannendes, und es hat nichts mit Krise, Crash oder Katastrophe zu tun. Ganz im Gegenteil: Während unter Volkswirten und Politikern noch von schwierigen Zeiten in der Realwirtschaft und niedrigen Wachstumsraten gesprochen wird, zeichnen die Märkte schon ein positives Bild.

DAX und Dow Jones sind schon dicht unterhalb ihrer Allzeithochs angelangt, der kleine Bruder des DAX, der MDAX, ist bereits zu neuen Allzeithochs aufgebrochen. Die Eurokrise hat für die Börsen schon längst die Bedeutung verloren, die sie noch für viele Anleger hat. Der Grund ist auch relativ einfach zu finden: Alle wahrscheinlichen Negativszenarien sind längst eingepreist, mit den unwahrscheinlichen Extremszenarien beschäftigt man sich an der Börse nicht.

Sehr wohl haben die Märkte aber einen feinen Sinn dafür, in welche Richtung das Pendel als Nächstes ausschlagen wird. Und hier zeigt sich, dass die Unmengen von Liquidität an den Kapitalmärkten, die Suche nach höherer Rendite und die moderate Bewertung vieler Unternehmen am Aktienmarkt zu einer höheren Risikobereitschaft der Investoren führen müssen.

Neue Höchststände bei Dow und DAX sind also nur eine Frage der Zeit, zumal die noch vorherrschende skeptische Stimmung unter den nicht investierten Anlegern das ideale Umfeld für steigende Kurse darstellt. Es sind demnach noch genügend potenzielle Käufer, die mit ihren künftigen Engagements für einen weiteren Anstieg sorgen können. Viele von ihnen werden aber erst wieder auf den Zug aufspringen, wenn die Märkte schon ein gutes Stück gelaufen sind. Hier spielen natürlich, wie so oft, die Psychologie und der Herdentrieb eine große Rolle.

Solange die Mehrzahl der Medien noch überaus kritisch die aktuellen Marktbewegungen begleitet, wird der durchschnittlich informierte Anleger kaum ein Aktieninvestment erwägen. Und auch die Finanzwirtschaft selbst verkauft lieber noch eine Unternehmensanleihe mehr, als den Fokus wieder mehr auf Aktienfonds zu richten. Nach über einem Jahrzehnt heftiger Aufs und Abs scheint die Branche selbst ein wenig den Glauben an das Thema Aktie verloren zu haben.

Den vorausdenkenden Investoren, auch "Smart money" genannt, kann das nur recht sein. Sie genießen diese "Gezeitenwende" im Stillen und können sich in aller Ruhe, ganz nach dem Sprichwort "Nur der frühe Vogel fängt den Wurm", für die kommende Aufwärtsbewegung positionieren. Kein Zweifel also, dass es diesmal wieder so sein wird wie anno 1995...

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