WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die gefährliche Politisierung der Wechselkurse - von Hans Jörg Bruckberger

Japan ist nur einer von vielen Tätern im Währungskrieg

Wien (OTS) - Toyota gibt wieder Gas, Hyundai hat Sand im Getriebe. Was wie eine für die meisten Europäer kaum relevante Unternehmensmeldung anmutet, birgt mächtig Zündstoff - denn die operative Entwicklung der beiden Autohersteller ist Zeugnis einer Entwicklung mit globalen Dimensionen (siehe Seite 20). Schließlich ist sie im Wesentlichen das Ergebnis von Wechselkursentwicklungen und damit gezielter (Notenbank-)Politik: Japans Großkonzerne bekommen Aufwind durch den schwachen Yen. Diesen wiederum haben sie dem neuen Ministerpräsidenten Shinzo Abe zu verdanken, der den stotternden Wachstumsmotor der japanischen Wirtschaft im Verbund mit der Bank of Japan mittels expansiver Geldpolitik ankurbeln will.

Im Gegenzug leiden die koreanischen Exporteure schon unter einem starken Won, woraufhin jetzt auch aus Südkorea Signale kommen, die ebenfalls Maßnahmen zur Schwächung der Währung (etwa Zinssenkungen) erwarten lassen. Und schon sind wir mittendrin im viel zitierten Währungskrieg. Der könnte 2013 eskalieren und hat das Zeug, zum (Un-)Wort des Jahres zu werden. Japan als Aggressor bzw. Auslöser anzuprangern, ist einfach und bei Kommentatoren wie auch von öffentlicher Seite (hier meist noch unter vorgehaltener Hand) entsprechend beliebt.

Tatsächlich wäre das freilich zu kurz gegriffen. Japan ist nicht der einzige Staat, der seine Landeswährung bewusst abwertet, um der heimischen Industrie am Weltmarkt Vorteile zu verschaffen. Amerikaner, Briten, die Chinesen sowieso, aber auch die EU und ganz offenkundig die Schweiz - sie alle haben im Zuge der Finanzkrise auf die eine oder andere Art geldpolitisch interveniert. Alle großen Wirtschaftsmächte sind in diesen Währungskrieg verstrickt und ziehen zunehmend auch Schwellenländer mit hinein.

Die zunehmende "Politisierung der Wechselkurse", vor der Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bereits gewarnt hat, ist kurzfristig ebenso verständlich wie auch erfolgreich, längerfristig aber nicht unproblematisch, zumal eine Spirale in Gang gesetzt wird, die wohl unweigerlich zu neuen Problemen führt - auch, weil die kurzfristigen Erfolge einer solchen Politik des billigen Geldes mitunter strukturelle Defizite übertünchen. Dass sich dabei keiner einer Schuld bewusst ist, sondern sich jeder "Mittäter" als Opfer fühlt, das darauf verweisen kann, dass doch ein anderer zuerst intervenierte, macht die Sache auch nicht besser. Ein Opfer steht jedenfalls schon jetzt fest: Der kleine Sparer, dessen Kapital entwertet wird, ist einmal mehr der Leidtragende.

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