Aufklärungsbroschüre: Eltern werfen Ministerin Untätigkeit vor

Nach mehrfacher Kritik keine Reaktion aus dem Unterrichtsministerium

Wien, 28.01.13 (KAP) Die Aufklärungsbroschüre "Ganz schön intim" sorgt zwei Monate nach Bekanntwerden erneut für Aufregung. Elternvertreter und Verbände haben am Montag in einer Pressekonferenz in Wien das Unterrichtsministerium (BMUKK) als Auftraggeber des Lehrbehelfs dafür kritisiert, versprochene Änderungen an der Broschüre nicht vorgenommen zu haben - die Broschüre sei weiterhin in Ursprungsfassung auf der Ministeriums-Homepage abrufbar.

Während sie eine Um- oder Neuerstellung der Materialien einforderten, gab es auch fachliche Kritik an der Broschüre. Sie würde "Mindestanforderungen an Sexualpädagogik für sechs- bis zwölfjährige Kinder nicht genügen - weder entwicklungspsychologisch, noch ethisch noch anthropologisch", so der Psychiater und Psychotherapeut Christian Spaemann. Er ortete eine "Ideologisierung und Instrumentalisierung der Kinder für Gesellschaftspolitik".

"Enttäuscht und empört" über die "Ignoranz und Untätigkeit" des Ministeriums äußerte sich Gudrun Trausmuth, Sprecherin der "Initiative engagierter Eltern", die sich als Reaktion auf die Veröffentlichung der Broschüre formiert hat. Auf die im November geäußerte Besorgnis hin habe das Ministerium keines der von Gerhard Krötzl, Abteilungsleiter für Schulpsychologie im BMUKK, versprochenen Maßnahmen - darunter die Ergänzung fehlender Angaben zum Verbot der Leihmutterschaft, des Samenkaufes, der Unterhaltspflicht von Samenspendern sowie des Schutzalters für sexuelle Handlungen - erfüllt.

Forderungen an das Ministerium stellte Alexandra Lugert, Bundesgeschäftsführerin des Familienbundes: "Die Broschüre soll entfernt und umfassend überarbeitet werden unter Einbeziehung des dafür vorgesehenen Elternbeirates", so Lugert. Die Neuversion sollte Altersstufen klar definieren, zudem sollten geschlechtsgemischte Teams in die Erstellung eingebunden sein - bei der derzeitigen vom "Verein Selbstlaut" erstellten Version waren nur Frauen vertreten.

Der gesellschaftspolitische Sprecher der Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände (AKV), Erik Kroiher, bezeichnete die Broschüre als "irreführend, ungeeignet und unbrauchbar": Sie liefere keine Hilfestellung, um Sexualität und Verstand zu verbinden, gehe nicht auf Partnerschaft und Gemeinschaft, Konfliktfähigkeit, auf Liebe oder die persönliche Entwicklung des Kindes ein, womit sie in Summe "gesellschafts- und gemeinschaftsnegierend" sei.

An Kritik fehlte es der Broschüre schon bisher nicht: 130 Kinderfachärzte, Psychotherapeuten, Pädagogen, Sexualberatern und Psychologen hatten im November 2012 per offenem Brief acht Einwänden vorgebracht, auf deren Grundlage das BMUKK die Broschüre eingehend überarbeiten und Alternativen zur Verfügung stellen sollte. Laut Elterninitiative besagt eine von der Tageszeitung "Kurier" beauftragte Umfrage, dass über 50 Prozent der Bevölkerung Österreichs die Broschüre ablehnt; auch die Sexualtherapeutin Rotraut Perner habe zudem die Broschüre einem Interview im Dezember als "parteiisch und manipulativ" sowie als "unwissenschaftlich" bezeichnet.

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