TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Der Staat wird`s schon richten", von Liane Pircher, Ausgabe vom 27. Jänner 2013

Ein Problem ist, dass die Jungen nicht dieselbe Macht wie die Alten haben. Das beeinflusst künftige Pensionsreformen.

Innsbruck (OTS) - Wie das österreichische Pensionssystem in 20 Jahren aussieht, kann keiner zu 100 Prozent sagen. Ängste sind vorprogrammiert.

Ja, es wird auch für künftige Generationen aller Voraussicht nach noch eine staatliche Pension geben. Und, nein, es ist nicht so, dass das österreichische Pensionssystem kurz vor dem Kollaps steht. Trotzdem ist vieles in Schieflage: Wer vor 20 Jahren ins Berufsleben eingetreten ist, dem wurde eine staatliche Pension in Aussicht gestellt, die auf Basis der 15 besten Beitragsjahre berechnet werden sollte. Der Betroffene durfte erwarten, mit 60 Jahren in Pension gehen zu können, wobei die Abschläge für den vorzeitigen Pensionseintritt minimal ausfallen sollten. Heute - zwei Jahrzehnte und zig Pensionsreformen später - darf diese Generation zur Kenntnis nehmen, dass gut ein Drittel der versprochenen Leistungsbezüge abgeschrieben werden können. Mittlerweile haben wir ein Pensionssystem, das für den Versicherten logisch nicht mehr nachvollziehbar ist. Eines, das zu erheblichen Ungerechtigkeiten zwischen Generationen und einzelnen Jahrgängen führt. Wenn sich Experten in vielem uneinig sind, eines sagen alle: Es wird künftig eine Existenzsicherung geben, aber diese wird weniger sein. Für Jüngere sind das weniger tröstliche Aussichten, denn das heißt:
Pension ja, aber es wird eine sein, die ganz sicher nicht voll den Lebensansprüchen genügt. Wer mehr haben will, muss versuchen, in jungen Jahren Vorsorge zu treffen.
Wie viele dies bei steigenden Immobilienpreisen, hohen Mieten und schlechten Einstiegsgehältern schaffen, ist fraglich. Es werden weitere Reformen folgen, Versprechungen inklusive. All dies fruchtet nur, wenn sich die heutige Generation der Alten verantwortlich für die Pensionisten von morgen - die heutigen Jungen - fühlt. Momentan sieht es aber so aus, dass die Interessenvertreter der jüngeren Generationen nicht annährend an das politische Gewicht der Alten herankommen. Die Folgen wird man spätestens in zwanzig Jahren sehen.

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