Grüne Frauen Wien: 25 Jahre feministische Politik

Wurzer: Arbeit neu bewerten und für alle Frauen ein gutes Leben ermöglichen

Wien (OTS) - "Eine eigene Frauenorganisation ist heute genauso wichtig wie vor 25 Jahren", ist Martina Wurzer, Frauensprecherin der Grünen Wien und Vorsitzende der Grünen Frauenorganisation in Wien anlässlich deren 25 jährigen Bestehens überzeugt. "Von einer Geschlechterdemokratie sind wir heute immer noch weit entfernt. Wir arbeiten daran, dass Frauen- und Gleichstellungspolitik im Tandem mit Genderpolitik nicht nur qua Gesetz, sondern auch in der Praxis zum festen Bestandteil aller politischen Entscheidungen und Maßnahmen wird."

Im Oktober 1987 legten Feministinnen den Grundstein für eine eigene, autonome grüne Frauenorganisation. Drei Gründe waren ausschlaggebend und sind, wie Wurzer bestätigt, auch heute noch wichtig: Die Inklusion von Frauen in die Strukturen der Partei, die Berücksichtigung von feministischen Perspektiven in der grünen Programmatik und die gesellschaftspolitische Einmischung von feministischen Standpunkten in alle möglichen Themen. "Natürlich haben sich die Mittel und Methoden der Zeit angepasst, manches Thema hat sich erledigt, neue Fragestellungen sind hinzugekommen. Aber an den grundlegenden Aufgaben hat sich bis heute nichts geändert", so Wurzer.

Dass sich das Engagement, Solidarität sowie die profunde Expertise lohnen, bezeugen die zahlreichen Erfolge der Grünen Frauen Wien: Eine Quote von mindestens 50% Frauen auf Grünen Listen und Gremien, ein Frauenveto oder die Verankerung von "feministisch" als Grundwert der Grünen. Geschlechtergerechte Sprache und Schreibweise sind schon lange Zeit bei den Grünen selbstverständlich. Wurzer: "Die Grünen Frauen haben viel für Frauen erreicht und erkämpft. Der Weg war steinig, aber nie umsonst. Wir haben einige Barrieren und Hemmnisse für Frauen, die sich aktiv politisch engagieren wollen, abgebaut. Die Grünen sind eine Partei, in der heute Frauen maßgebliche Politik machen."

Ob Selbstbestimmung, eigenständige Existenzsicherung, Einkommensschere, Sparpakete, Sexarbeit, die Unterrepräsentanz von Frauen, Diskriminierung, Gewalt gegen Frauen, Obsorgedebatte oder Solidaritätskundgebungen, die Grünen Frauen zeigen sich aktionistisch. "Aktionen auf der Straße sind ein wichtiges Mittel, um frauenpolitische Forderungen in die Öffentlichkeit zu tragen. Kontakt, Austausch und feministischer Aktionismus im öffentlichen Raum bleiben Schwerpunkte unserer Arbeit. Facebook und Internet haben daran nichts geändert."

Die Umverteilung von Arbeit, Zeit, Geld und Macht beschäftigt die Grünen Frauen seit Anbeginn. Als aktuelle Herausforderung, so Wurzer, gilt es die Verteilungsfrage weiter voranzutreiben. Wurzer: "Viele Tätigkeiten wie etwa im Bereich der Pflege und Qualifikationen wie soft skills von Frauen sind unbezahlt und unterbewertet. Die Zeit ist reif für die Neubewertung von Arbeit. Wir wollen die Diskussion in Gang bringen und eine bessere Bezahlung von Frauenarbeit erreichen. "

Wurzer warnt vor aktuellen Entsolidarisierungs- und Entpolitisierungstendenzen. "Ich halte das gegenwärtige Bild der modernen Frau für trügerisch und gefährlich. Frauen wird vermittelt, Diskriminierung war gestern, und heute sei für Frauen alles möglich solange sie nur wollen. Die Realität ist anders, weil strukturelle Benachteiligungen, Sexismus und Machtungleichheit in diesen Bildern negiert werden. Wir wollen keine falschen Bilder schaffen oder falsche Versprechen nähren, sondern die Realität so ändern, dass für alle Frauen ein gutes Leben möglich ist. Darauf werden wir unsere Arbeit in den nächsten 25 Jahren ausrichten."

Rückfragen & Kontakt:

Pressereferat, Tel.: (++43-1) 4000 - 81814, presse.wien@gruene.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GKR0002