Menschen für Menschen startet Kleinkreditprogramm für Frauen in West-Äthiopien

Seit 16 Jahren fördert die Organisation Frauen in Äthiopien mit Kleinkreditprogrammen - Mehr als 18.000 Frauen haben ihre Chance auf Selbstständigkeit bereits genutzt

Wien / Äthiopien, Kachisi (OTS) - Mit der Vergabe von Kleinkrediten ermöglicht Menschen für Menschen den Frauen im noch jungen Projektgebiet Ginde Beret (West-Äthiopien) künftig selbstständig zum oft kargen Einkommen ihrer Familien beizutragen. Dies bewirkt, dass sich die Familien ausreichend ernähren und in die Bildung ihrer Kinder investieren können. In den vergangenen 16 Jahren eröffneten über 18.000 Frauen dank des Kleinkreditprogrammes von Menschen für Menschen Geschäfte, Näh- und Teestuben oder betrieben Handel und schufen so für sich und ihre Familien ein zusätzliches Einkommen. "Es ist wichtig, dass die Frauen die Möglichkeit bekommen ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften, um die Armut ihrer Familien zu durchbrechen und nicht mehr nur vom Ertrag der kargen Felder abhängig zu sein. Deshalb ist es uns ein Anliegen, die Frauen in unseren Projektgebieten zu fördern, aber auch zu fordern", betont Almaz Böhm, Vorstandsvorsitzende von Menschen für Menschen. "Daher investieren wir verstärkt in Kleinkreditprogramme für Frauen."

Beschwerlicher Frauenalltag

Frauen sind täglich viele Stunden damit beschäftigt, Wasser zu holen oder Brennholz zu sammeln. Zusätzlich kümmern sie sich um die anstrengende Hausarbeit und unterstützen ihre Männer bei der Feldarbeit. Fortschreitende Erosion, unzuverlässige Regenfälle und fehlendes Wissen über bessere Anbau- oder Bewässerungsmethoden führen jedoch dazu, dass die Erträge oft viel zu gering ausfallen, um eine Familie ausreichend zu ernähren. Besonders Frauen auf dem Land haben oft keine Möglichkeit, anderweitig einen Kredit zu bekommen, weil sie keine Sicherheiten bieten können.

Kreditprogramme für eine bessere Zukunft

Durch die Vergabe von Kleinkrediten erhalten die Frauen erstmals die Möglichkeit, eigenständig und unabhängig zum Lebenserhalt ihrer Familien beizutragen. Aus einfachen Bauersfrauen werden geschickte Geschäftsfrauen, die ein kleines Geschäft oder eine Teestube betreiben oder zum Beispiel mit Getreide und Kleinvieh handeln.

Wissenstransfer und nachhaltige Vergabe der Kredite

Um einen Kredit zu erhalten, müssen die Frauen Mitglieder einer Kreditgemeinschaft sein. Dazu schließen sich die Frauen in Gruppen von mindestens fünf bis zehn Teilnehmerinnen zusammen. Zusätzlich prüfen Mitarbeiter von Menschen für Menschen gemeinsam mit Vertretern der jeweiligen Gemeinde, wie bedürftig die Frauen sind und auch, wie hoch ihre Eigenmotivation ist. Vor Erhalt eines Kredites müssen die Interessentinnen über einen längeren Zeitraum kontinuierlich kleinere Geldbeträge ansparen. So bekommen sie einen besseren Bezug zu Geld, bzw. stellen auch ihre wirtschaftlichen Fähigkeiten unter Beweis. Darüber hinaus lernen die Frauen in verschiedenen Kursen die Grundlagen des kaufmännischen Handelns und wie sie ein geeignetes Geschäftsmodell für ihre Idee entwickeln. Diese Vermittlung von wirtschaftlichem Wissen ist ein zentraler Bestandteil des Kreditprogrammes von Menschen für Menschen und bedeutend für den nachhaltigen Erfolg.

Geteilte Verantwortung im Kreditverein

Die eigentliche Kreditvergabe erfolgt an den Verein. Die Frauen entscheiden, wer aus der Gruppe wann welche Summe bekommt. Die einzelnen Mitglieder haften dann füreinander. Diese soziale Komponente bewirkt, dass es kaum Ausfälle gibt und sich die Frauen gegenseitig sehr unterstützen. Die Rückzahlung der individuellen Kredite erfolgt schließlich auf das Konto des Kreditvereins -inklusive der Zinsbeträge, die die Gruppe selbst festlegt - und nach vollständiger Rückzahlung können innerhalb der Gruppe neue Kredite vergeben werden. Pro Kreditnehmerin kalkuliert Menschen für Menschen für die erste Kreditrunde 4000 Äthiopische Birr (etwa 175 Euro), von denen 10% für das einführende Training verwendet werden. Danach entscheiden die Frauen selbst, wie hoch die weiteren Kredite für jedes Gruppenmitglied sein sollen. Die Frauen arbeiten in ihren Kreditvereinen von Beginn an so selbstständig wie möglich. Sie bestimmen auch wer im Laufe der Zeit noch in den Verein aufgenommen wird. Diese Kreditvereine können mehrere hundert Mitglieder mit entsprechenden Vereinsfunktionären vom Kassier bis hin zum Vorstand haben. Auch kann ein Kreditverein einen unabhängigen rechtlichen Status erlangen, d.h. der Verein kann bei Bedarf auch gerichtliche Schritte einleiten. Ein großer Vorteil für seine Mitglieder.

Das so gestärkte Selbstvertrauen und die Erfolge verändern auch die Stellung der Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft, die sie nunmehr aktiv mitgestalten. Ein wichtiger Schritt, der bewirkt, dass ihre Töchter bereits einen etwas leichteren Lebensweg vor sich haben.

Frauenförderung im Projektgebiet Ginde Beret

Das neu gestartete Kleinkreditprogramm ist ein wichtiger Bestandteil der Frauenförderung im rein österreichisch finanzierten Projektgebiet Ginde Beret, wo seit Anfang 2011 gemeinsam mit der Bevölkerung verschiedene integrierte Maßnahmen aus den Bereichen Wasserversorgung, Bildung, Landwirtschaft, Infrastruktur, Gesundheit und Soziales umgesetzt werden. Darüber hinaus unterstützen Aufklärungskampagnen, Weiterbildungsmaßnahmen oder Trainingskurse für eine verbesserte Haushaltsführung sowie Familienplanung und Hygieneschulungen die Frauen dabei, ihr Leben aus eigener Kraft positiv zu verändern.

In der Region Ginde Beret leben rund 113.000 Menschen auf einer Fläche von ca. 1.200 km2".

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