"kreuz und quer" am 22. Jänner: "Liebe oder Tod" und "Der Zölibat - Eine Geschichte von Sex, Gier und Moral"

Wien (OTS) - "kreuz und quer" - präsentiert von Doris Appel - zeigt am Dienstag, dem 22. Jänner 2013, um 22.30 Uhr in ORF 2 die Dokumentation "Liebe oder Tod" von Macky Alston über einen Mann, dessen zwei größten Leidenschaften im direkten Konflikt stehen: seine Liebe zu Gott und zu seinem Partner Mark. Gene Robinson ist der erste homosexuelle Bischof, der sich in der sehr traditionell verankerten anglikanischen Kirche geoutet hat. In "Der Zölibat - Eine Geschichte von Sex, Gier und Moral" dokumentiert Fritz Kalteis um 23.25 Uhr die Ursprünge, die Begründungen und die praktischen Ausformungen des Zölibatsgedankens in der römisch-katholischen Kirche.

"Liebe oder Tod" - Ein Film von Macky Alston (22.30 Uhr)

Während die römisch-katholische Kirche mit dem Pflichtzölibat für Geistliche zunehmend in Bedrängnis gerät, sieht die anglikanische Kirche den Ehestand für ihre Würdenträger durchaus vor. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften jedoch erhitzen auch dort die Gemüter. Seit der episkopale Geistliche Gene Robinson 2003 zum Bischof von New Hampshire gewählt und geweiht wurde, gehen in der anglikanischen Gemeinschaft, der die Episkopalkirche angehört, die Wogen hoch. Denn Gene Robinson ist nicht nur Bischof, er bekennt sich auch offen zu seiner Homosexualität und macht kein Hehl daraus, dass er in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt.

Diese Offenheit hat ihn zu einer höchst umstrittenen Person gemacht:
Das konservative Lager innerhalb und außerhalb der Kirche ist empört, gleichgeschlechtliche Paare knüpfen an sein Auftreten große Hoffnungen, endlich auch in der christlichen Kirche nicht mehr ausgegrenzt zu werden, und die anglikanische Kirchengemeinschaft unter der Führung des Erzbischofs von Canterbury zeigt sich sehr besorgt um ihre Einheit, denn die Debatte um den homosexuellen Bischof droht die Gemeinschaft zu spalten. Als im Juli 2008 die anglikanischen Bischöfe aus aller Welt zu ihrer traditionellen, alle zehn Jahre stattfindenden Versammlung, der sogenannten Lambeth-Konferenz, in England zusammenkamen, war Gene Robinson nicht eingeladen und wurde von Rowan Williams, dem derzeitigen Erzbischof von Canterbury, sogar ausdrücklich ersucht, fernzubleiben.

Andererseits hat ihn der neu gewählte amerikanische Präsident Barack Obama eingeladen, am Beginn der Feierlichkeiten zu seiner Amtseinführung im Jänner 2009 am Lincoln-Memorial in Washington vor Tausenden Gästen und Zuschauern das offizielle Gebet zu leiten. Dieser öffentliche Auftritt hat die Debatte auch in den amerikanischen Medien neu angeheizt. Doch der streitbare Bischof gibt nicht auf. Er hat sich, wie er selbst sagt, diese exponierte Position nicht ausgesucht, doch ist er entschlossen, nach besten Kräften für die ausgegrenzte Minderheit der Nicht-Heterosexuellen in der Kirche und in der Gesellschaft einzutreten. Auch durch lautstarken Protest während des Gottesdienstes und sogar Morddrohungen lässt er sich zwar erschüttern, aber nicht entmutigen.

Die Dokumentation von Macky Alston (Originaltitel: "Love Free or Die") begleitet Gene Robinson nach Canterbury, wo er bestrebt ist, auch wenn er offiziell nicht an der Konferenz teilnehmen darf, mit seinen Amtskollegen ins Gespräch zu kommen. Sie zeigt ihn in der Diözese New Hampshire, mit seiner Familie und seinem Lebens- und seit 2010 auch Ehepartner Mark Andrews, seinen Eltern und seinen beiden Töchtern. Und bei seinem unermüdlichen Bemühen um Akzeptanz und Integration der Nicht-Heterosexuellen in der christlichen Gemeinschaft. Zu Wort kommen neben dem Bischof und seinen Angehörigen auch seine Befürworter und Gegner innerhalb und außerhalb der Kirche.

"Der Zölibat: Eine Geschichte von Sex, Gier und Moral" - Ein Film von Fritz Kalteis (23.25 Uhr)

Den verpflichtenden Zölibat für römisch-katholische Priester hat es nicht immer gegeben. Erst im Zuge des Investiturstreits Ende des 11./Anfang des 12. Jahrhunderts wird der Zölibat erstmals zu einer gesamtkirchlichen Vorschrift. Weshalb überhaupt die kirchliche Auflage des Zölibats? Wie ist es zu dieser Vorschrift gekommen? Wo finden sich biblische Hinweise? Und weshalb entscheiden sich Menschen, zölibatär zu leben? Ein Priesteramtskandidat auf der Suche nach seiner eigenen Berufung, Österreichs einziger Eremit, ein zölibatsbrüchiger Benediktinermönch, ein Münchner Weltpriester mit Haushälterin und ein geweihter Priester als Ehemann: Diese Protagonisten prägen die "kreuz und quer"-Dokumentation. Regisseur Fritz Kalteis verfolgt die Entwicklung des Zölibatsgedankens vom Vorbild Jesu Christi über den Investiturstreit und die Reformation bis hin zum Zweiten Vatikanischen Konzil und illustriert sie mit berührenden Lebensgeschichten der Protagonisten. Im Zentrum steht die Frage, wie sich der Gedanke von Ehelosigkeit und Enthaltsamkeit von einer freiwillig gewählten Lebensform zu einem verpflichtenden Kirchengesetz für römisch-katholische Priester gewandelt hat.

"Ich liebe diese Lebensweise nicht, ich nehme sie in Kauf", sagt Pater Jeremia Eisenbauer aus dem Stift Melk über den Zölibat. Als Ordensmann und Priester hat er den Zölibat versprochen - und gebrochen. Er stand kurz davor, das Leben im Kloster hinter sich zu lassen. Sechs Jahre dauerte die Beziehung zu einer Frau. Die Hochzeit war geplant, der Mönch hatte sich als Psychotherapeut ein neues Standbein geschaffen. Doch die Spannung zwischen dem Gefühl der Verwurzelung im Kloster und der Liebe zu seiner Freundin zerreißen den Mönch beinahe. "Mir war klar, dass das eine Zumutung für meine Gemeinschaft ist", sagt Jeremia. "Wenn meine Gemeinschaft zu mir gesagt hätte, das geht nicht mehr, dann hätte ich mich entschieden." Die Geschichte von Pater Jeremia Eisenbauer ist kein Einzelfall.

In aufwendigen Spielszenen setzt der Film einen der heftigsten Konflikte der Weltgeschichte in Szene: den Investiturstreit zwischen dem deutschen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. Im 11. Jahrhundert will die Kirche Herr im eigenen Haus sein. Papst Gregor stellt das Recht des deutschen Königs in Frage, eigenmächtig Bischöfe einzusetzen und so seine Macht im Reich zu festigen. Gregor sucht nach einem Druckmittel gegen weltliche Bischöfe und findet den Zölibat gleichsam als Eintrittshürde in den Kirchendienst. Dabei geht es auch um Geld: Die Kirche möchte verhindern, dass weltliche Bischöfe Kirchenbesitz an ihre Nachkommen vererben. In der Folge wird der Zölibat zum Kirchengesetz und ist seither ein verpflichtender Teil des Berufsbildes römisch-katholischer Priester. Die Reformation geht den anderen Weg: Martin Luther erkennt, dass der Zölibat nur Heuchelei hervorbringt. Er sagt: Auch Priester sollen heiraten, wenn sie andernfalls in Unzucht fielen. Luther setzt ein Zeichen: Der Mönch heiratet die Nonne Katharina von Bora.

Hans Rabl, geweihter Priester und ehemals Kaplan in Bischofshofen und Wörgl, hat sich nach einem schmerzhaften Prozess gegen das Priesteramt und für seine heutige Frau Silke entschieden. Eine "Pfarrersköchin-Lösung" kam für die beiden nie in Frage. "Man tut dem Zölibat nichts Gutes, wenn man ihn in letzter Konsequenz nicht ehrlich lebt." Er plädiert, wie auch der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler dafür, die Zölibatspflicht für römisch-katholische Priester abzuschaffen. Schießler: "Traut euch was! Tut diese Pflicht vor dem Zölibat weg. Wir hätten einen unglaublichen Run auf diese Lebensform, wenn er eine absolut freie Wahl wäre." Schießler warnt Priesteramtskandidaten davor, den Zölibat einfach in Kauf zu nehmen. "Wenn das jemand tut, dann geht er einen ganz gefährlichen Weg. Das haben wir in den Missbrauchsfällen auch gesehen. Lauter Menschen, die in eine Lebensform hineingeraten und gedrängt worden sind, für die sie überhaupt nicht befähigt sind." Schießler lebt den Zölibat aus Überzeugung - aber nicht allein. Er hat seine Haushälterin Gunda, als Lebensmensch seit 15 Jahren.

Die Entscheidung für oder gegen das Leben mit dem Zölibat hat Hannes Grabner noch vor sich. Der Priesteramtskandidat spürt am See Genezareth dem Leben Jesu nach. Hat er von seinen - meist verheirateten - Jüngern Enthaltsamkeit und Ehelosigkeit verlangt? Grabner fühlt sich als angehender Priester nicht dazu gedrängt, zölibatär zu leben. "Ich glaube, es ist gut, dass es Hürden gibt, denn die Entscheidung, ob man Priester werden will, verlangt einer Person ein ehrliches und ganzheitliches Ja ab." Diese Entscheidung will Grabner nun am See Genezareth treffen.

Klar ist: Der Pflichtzölibat für Priester ist eine Verwaltungsvorschrift der römisch-katholischen Kirche, die abgeschafft werden könnte. Dass der Vatikan trotz aller Diskussion bis heute am Zölibat festhält, zeigt für den Kirchengeschichtler Prof. Thomas Prügl von der Uni Wien, dass "hier doch ein sehr wesentlicher Moment des Christentums auf dem Spiel steht, den sich die lateinische Kirche sehr schwertut, aufzugeben."

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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