TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 19. Jänner 2013 von Mario Zenhäusern "Die Konkurrenz im eigenen Lager"

Innsbruck (OTS) - Utl.: "Vorwärts Tirol" macht den Landtagswahlkampf in Tirol spannender. Ob Lindenberger und Hosp die angestrebte Versachlichung der Politik erreichen, hängt davon ab, ob die ÖVP die Zeichen der Zeit erkennt.

Die Wahlen im April 2013 werden den Tiroler Landtag durcheinanderwirbeln. Verantwortlich dafür ist nicht nur das Comeback der ehemaligen Landespolitiker Hans Lindenberger und Anna Hosp. Aber ihre neue Liste "vorwärts Tirol" sorgt natürlich dafür, dass in den Parteizentralen die Köpfe rauchen.
Die Tatsache, dass Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer sich hinter das Erneuerungsprojekt stellt und die Liste unterstützt, macht die Sache erst recht spannend. Vor allem die ÖVP braucht die Innsbrucker Stimmen wie einen Bissen Brot, will sie ihr Wahlziel erreichen. Parteichef LH Günther Platter hat die Devise "Mandate halten" ausgegeben, wofür er an die 40 Prozent der Stimmen einfahren muss. Ob ihm das gelingt, steht seit der "Vorwärts"-Ansage in den Sternen. Denn es wird sehr stark vom Ergebnis in der Landeshauptstadt abhängen, in der Herwig van Staa für die VP in den Ring steigt. Ähnlich ergeht es der SPÖ, die 2008 in Innsbruck ein Waterloo erlebte und an die 40 Prozent der bisherigen Stimmen einbüßte. Neo-Landesrat Thomas Pupp tritt also ein ebenso schweres Erbe an wie van Staa, der zudem mit den Nachwehen der schmerzlichen VP-Niederlage bei der Innsbrucker Bürgermeisterwahl zu kämpfen hat.
Das Auftauchen einer neuen, zugkräftigen Truppe schadet den beiden Regierungsparteien also zweifellos, richtig weh tun dürfte "vorwärts Tirol" aber den so genannten Kleinen. Lindenberger und Hosp ziehen mit ihrer Kandidatur den Piraten, Patrick Pfurtschellers Liste "Für Tirol" und wohl auch Fritz Gurgisers "Bürgerklub" den Boden unter den Füßen weg.
Die größten Einbußen drohen dem Wahlsieger von 2008, Fritz Dinkhauser. Es ist zu erwarten, dass die Protestwähler, die er damals um sich zu scharen vermochte, jetzt zum Mitbewerber überwechseln. Noch dazu, wo dieser ideologisch ähnlich ausgerichtet ist und über Politprofis an der Spitze verfügt, denen viele Tirolerinnen und Tiroler mehr zutrauen als Dinkhauser.
Mit "vorwärts Tirol" könnte neben Fritz Dinkhauser und Pfurtschellers "Für Tirol" eine dritte Gruppierung mit offensichtlichem ÖVP-Hintergrund gegen die Mutterpartei antreten. Zusammen mit anderen konservativen Gruppierungen (Stronach, Gurgiser) wären es dann insgesamt sieben Listen, die im gleichen Stimmenteich fischen. Wenn die ÖVP Glück hat, nehmen sich die Herausforderer lediglich selbst die Stimmen weg. Auf Kanibalisierungseffekte zu hoffen, wäre aber die falsche Taktik. Vielmehr sollte die Konkurrenz aus dem eigenen Lager zu denken geben.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001