EU fördert Massentierhaltung in Milliardenhöhe - ohne Rücksicht auf Steuerzahler und Umwelt

Fleischkonsum produziert hohe Kosten, versteckt im Umwelt- und Gesundheitsbereich

Wien (OTS) - Tausende Menschen aus zahlreichen EU-Ländern demonstrieren am 19. Jänner in Berlin gegen die immens hohen Förderungen der EU an die ausbeuterische Agrarindustrie. Derzeit finden gerade Verhandlungen über den europäischen Finanzrahmen statt, der jeweils für sieben Jahre gesteckt wird. Rund 40 Prozent stehen für die Landwirtschaft zur Verfügung. In Zahlen bedeutet dies: Rund 387 Milliarden Euro sind als Agrarförderungen gewidmet.

"Die Agrarpolitik der vergangenen Jahrzehnte hat dafür gesorgt, dass immer billigere, immer schlechtere Ware erzeugt wird, auf Kosten der Umwelt, der LandwirtInnen, der Tiere und letztlich auch der KonsumentInnen selbst. Aber wie kann das sein, dass ein Schnitzel so unglaublich billig ist?", fragt sich Heidemarie Porstner, Landwirtschaftssprecherin bei GLOBAL 2000, die ebenfalls in Berlin an der Demonstration teilnimmt.

Hohe versteckte Kosten durch Umweltschäden

"Ein kleines Licht am Horizont: Zum ersten Mal wird für den kommenden Zeitraum von 2014-2020 durch einen Vorschlag der EU-Kommission ernsthaft darüber diskutiert, wie man die üppigen Förderungen zumindest ein bisschen mehr an Umweltauflagen knüpfen kann. Die Agrarminister der Mitgliedsstaaten legen sich in der Diskussion über den Vorschlag jedoch quer", stellt Porstner fest. Immer noch landen 50 Prozent, also rund die Hälfte des riesigen Fördertopfes, in der Fleischproduktion, die für den überwiegenden Anteil an Umweltschäden und für extreme Tierqual verantwortlich ist. Porstner erklärt: "Immer mehr geht es um eine "Modernisierung" und Technologisierung der Ställe, um noch mehr Tiere auf noch engerem Raum in noch kürzerem Zeitraum zu ihrem Schlachtgewicht zu bringen."

Porstner rechnet vor: "Dass uns das Fleisch nur noch wenige Euro pro Kilogramm kostet, ist falsch. Mit unseren Steuern finanzieren wir ebenjene Produktion. Dies miteinberechnet, steigt der Kilopreis für den einzelnen Endkosumenten gleich um ein Vielfaches. Die indirekten Kosten, die durch Umweltschäden entstehen, sind in dieser Berechnung noch gar nicht berücksichtigt."

Dass Fleisch auch so billig produziert werden kann, liegt unter anderem auch genau an jener Ausklammerung der Umweltschäden. Die haben aber massive Auswirkungen und auch hier entstehen wiederum Kosten: "Bodenschädigungen durch intensiven Gülleeinsatz, Nitratbelastungen des Grundwassers in der Nähe von Schweineställen sowie ein sehr hoher Ausstoß an Treibhausgasen - all das erzeugt Sanierungskosten und schädigt die Umwelt nachhaltig", sagt Porstner.

EU-geförderte Massentierhaltung gefährdet menschliche Gesundheit

GLOBAL 2000 zeigte im vergangenen Frühjahr auf, dass in Hühnerfleisch Keime vorkommen, die auf ein breites Spektrum der Antibiotika in der Humanmedizin resistent sind. Bei menschlichen Infektionen mit diesen Keimen entstehen hohe Behandlungskosten. Rund 25.000 Fälle enden europaweit jährlich sogar tödlich. "Also sind auch im Gesundheitswesen Kosten für die SteuerzahlerInnen zu finden, die der Massentierhaltung zugerechnet werden müssen", stellt Porstner fest.

Auch wenn die Verteilung der Agrarsubventionen in der EU beschlossen wird, haben die einzelnen Staaten sehr wohl Handlungsspielraum. Sie könnten durch nationale Programme den Erhalt und die Wiederbelebung kleinbäuerlicher Betriebe und der ökologischen Landwirtschaft fördern. "Das passiert aber auch in Österreich noch viel zu wenig. Warum gibt es immer noch Megaställe für Schweinemast in Ostösterreich? Warum garantiert das bekannteste österreichische Gütesiegel nicht endlich wirklich Qualität, und warum geht es nicht auf Kriterien wie artgerechte Tierhaltung oder gentechnikfreie Fütterung ein?", fragt sich die Landwirtschaftssprecherin von GLOBAL 2000.

GLOBAL 2000 unterstützt die internationale Initiative "Wir haben es satt" und schließt sich deren Forderung nach einer Ökologisierung des Agrarförderungssystems an. "Wenn sich das derzeitige, noch dazu so stark geförderte System der Agrarwirtschaft nicht ändert, droht unserer Natur der Kollaps. Diese jedoch stellt die Basis für eine funktionierende Landwirtschaft dar. Wir gefährden uns also selbst und zahlen auch noch dafür. Jetzt sind Investitionen in umweltfördende Maßnahmen im Agrarbereich gefragt, anstelle weiterhin nur auf die Masse zu setzen", betont Porstner abschließend.

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