TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 17. Jänner 2013 von Anita Heubacher "Alarmstufe Rot für die Tiroler ÖVP"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Das mag die VP-Parteileitung noch so kleinreden, in keinem anderen Bundesland ist das bürgerliche Lager derart zersplittert wie in Tirol. Aber auch für andere Parteien ist die Gründung der neuen Liste kein Honigschlecken.

Noch ist völlig unklar, wie die neue Liste "vorwärts Tirol" beim Wähler ankommen wird. Dennoch macht den Parteien die neue Liste bereits zu schaffen.
Die ÖVP sieht sich nach Innsbruck und nach 2008 einer weiteren Spaltung gegenüber. Das mag die Parteileitung noch so kleinreden, in keinem anderen Bundesland ist das bürgerliche Lager derart zersplittert wie in Tirol. Das nimmt man innerhalb der Partei Parteichef Landeshauptmann Günther Platter und dem Parteimanagement mehr als übel.
Das Wahlziel der ÖVP, jenseits der 40 Prozent zu landen, ist in weite Ferne gerückt. Jetzt geht es nur noch darum, die Mandate halten zu können und selbst das ist fraglich. Das einstige schwarze Aushängeschild Tirol hat auch aus Sicht der Bundespartei an Schlagkraft eingebüßt.
Unerfreulich ist die Gründung der neuen Liste auch aus Sicht der Liste Fritz. 2008 landete Fritz Dinkhauser mit 18 Prozent einen Sensationserfolg. Die Liste Fritz wurde zur größten Oppositionspartei. Der abtrünnige Dinkhauser kostete seine Mutterpartei ÖVP wertvolle Stimmen. 2013 ist die Ausgangslage eine völlig andere. In den Umfragen liegt die Liste Fritz schlecht. Eine Ampelkoalition mit Rot und Grün geht sich aus heutiger Sicht rechnerisch nicht aus. Das formulierte Wahlziel Dinkhausers, die ÖVP aus der Regierung zu jagen, trägt die neue Liste "vorwärts Tirol" nicht mit. Von einer starken gemeinsamen bürgerlichen Plattform gegen die ÖVP ist man weit entfernt.
Die SPÖ sieht sich damit konfrontiert, dass mit Hans Lindenberger ein ehemaliger Roter die neue Liste anführt. Außerdem droht der SPÖ, so wie den anderen Mitbewerbern, thematisch nicht mehr durchzukommen, wenn sich der Wahlkampf auf ein Duell ÖVP gegen neue bürgerliche Liste konzentrieren sollte. Ob diese Fokussierung stattfindet, hängt viel vom Engagement der Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer ab. Sie ist zwar nicht Spitzenkandidatin, aber die personifizierte Antithese zu Günther Platter.
Völlig unklar ist, was mit dem Team Stronach passiert. Ob es jetzt bei dieser neuen Ausgangslage überhaupt antritt. Wenn so viele Parteien um Protestwähler buhlen, könnten auch Wahlkampfmillionen versagen. Ein schlechtes Wahlergebnis in Tirol wäre ein ganz übles Signal für Frank Stronach bei den Nationalratswahlen im Herbst. Das kann sich auch der Milliardär nicht leisten.

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