"Allentsteig - Alltag im Sperrgebiet" im "dok.film" am 20. Jänner

Dokumentation über einen Truppenübungsplatz im Nirgendwo

Wien (OTS) - Das Thema Bundesheer bestimmt nicht nur die politischen Debatten: Am Tag der Volksbefragung zum Thema "Wehrpflicht oder Berufsheer - Zivildienst oder Sozialjahr?", am Sonntag, dem 20. Jänner (nähere Infos zur umfassenden ORF-Berichterstattung am Volksbefragungs-Sonntag unter presse.ORF.at), bringt der "dok.film" um 23.20 Uhr in ORF 2 - im Anschluss an die "im ZENTRUM"-Ausgabe zum Ergebnis - Nikolaus Geyrhalters Dokumentation "Allentsteig - Alltag im Sperrgebiet". Der Film aus dem Jahr 2010 porträtiert das militärisch abgeriegelte Gebiet im Waldviertel, das einst einer der größten Truppenübungsplätze Europas war, und dessen Benutzung. Zu Wort kommen Militärs jeder Rangstufe, ehemalige Bewohner/innen und die Landbevölkerung. Die Kamera begleitet die Protagonistinnen und Protagonisten durch die Anlage, beschreibt den Alltag in der inszenierten Ausnahmesituation eines Sperrgebiets. Außerdem ist es ein Film über eine Region zwischen ehemaliger Kulturlandschaft, militärischem Übungsplatz und quasi Naturschutzgebiet: keine Reportage, sondern ein Essay über einen unbekannten, fast vergessenen Flecken Land in Mitteleuropa.

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Wer meint, dass auf der Landkarte Österreichs kein weißer Fleck mehr zu finden sei, irrt: 1938 wurde von der Deutschen Wehrmacht im Waldviertel einer der damals größten Truppenübungsplätze Europas errichtet. 42 Dörfer wurden dafür geräumt, knapp 7.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Seit 1957 dient das Areal dem österreichischen Bundesheer als Schieß- und Ausbildungsstätte - und bis heute ist der Truppenübungsplatz Allentsteig auf einer Fläche von mehr als 160 Quadratkilometern militärisches Sperrgebiet.

Nikolaus Geyrhalters Film beginnt als weißer Fleck: In einer tief verschneiten, bizarren Winterlandschaft hält ein Militärjeep vor einem rot-weiß-roten Scherengitter. Die Tafel, die ein Mann anbringt, ist als deutliche Warnung zu verstehen, und tatsächlich sieht man wenig später, wie vermummte Soldaten aus getarnten Verstecken schießen oder sich mit Gasmasken im Schnee eingraben. Das donnernde "Guten Morgen, Herr Major" der ganzen Kompanie beim Morgenappell klingt wie ein Echo auf die nächtlichen Panzerschießübungen mit scharfer Munition oder die Explosion eines Blindgängers, die den Wald für eine Weile verstummen lässt. Nüchtern und mit Bildern, die für sich sprechen, beschreibt "Allentsteig" den Übungsalltag im Sperrgebiet und schafft ungewöhnliche Einblicke in ein geschlossenes System: die Choreographie des Alltagsdrills, Großübungen mit computersimulierten Treffern, Panzerfahrten durch endlos scheinende Landschaften, ein Militärpfarrer und seine Überlegungen zu Kirche und Heer.

Nikolaus Geyrhalter, einer der versiertesten Landvermesser des österreichischen Dokumentarfilms, nähert sich diesem buchstäblich besetzten Territorium auch aus anderen Richtungen: Da sind zunächst einmal jene Menschen, die am Rand des Sperrgebiets leben. Sie würden die Soldaten kaum zu Gesicht bekommen, meint etwa einer der Bäcker beim Teigkneten im Ort Allentsteig. An die Schüsse gewöhne man sich, sie erinnern an ein Gewitter - wenn nicht mitten im Ort eine Panzergranate einschlägt, wie während der Dreharbeiten geschehen. Und dann gibt es auch (noch) jene, die vor vielen Jahren aus dem Gebiet ausgesiedelt wurden und die nun mit einem Kleinbus ihre ehemaligen Heimatdörfer zwischen den Bäumen suchen. Dass der Grund für die Sperrung durch die Nazis vielleicht ganz woanders zu suchen ist, erfährt man fast nebenbei: Hitlers Großmutter soll aus einem der ausgesiedelten Dörfer stammen und hier bei einer jüdischen Familie gearbeitet haben - doch alle Aufzeichnungen und Chroniken wurden vernichtet, ebenso wie ihr Ehrengrab aus der Nazizeit. Den Platz dafür soll der damalige Bürgermeister sehr pragmatisch ausgesucht haben: "Wo er ungefähr geglaubt hat, da ist sie drin, da war sie drin - damit endlich eine Ruh war."

Wenn die damals Ausgesiedelten heute vor kleinen, an Bäumen befestigten Ortsschildern stehen, wird ein eigentümliches Zusammenwirken von Geschichte und Natur spürbar, das in Allentsteig immer wieder für Erstaunen sorgt: Die Natur hat sich Räume zurückerobert. Auf dem Militärgebiet leben, scheinbar ungestört, Dutzende Tier- und Pflanzenarten - für den Urzeitkrebs, der nur im Sickerwasser der Panzerspuren lebt, wie ein Biologe erklärt, ist der Truppenübungsplatz ein Paradies. Am Ende dieser Begegnungen in einer geschlossenen Zone hebt die Kamera ab, überfliegt Panzer und Soldaten und dann nur mehr grüne Wälder und Wiesen.

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