- 15.01.2013, 18:15:01
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel Mali und die Erinnerung an den Irak - von Hans Weitmayr
270.000 Tonnen Uran schlummern an Malis Grenze
Utl.: 270.000 Tonnen Uran schlummern an Malis Grenze =
Wien (OTS) - Frankreichs Präsident Francois Hollande ist in den Krieg
gezogen. Wladimir Putin, der sonst keine Gelegenheit auslässt, ein
EU-Land zu piesacken - und sei es auch nur über die Ausstellung von
russischen Reisepässen - applaudierte gestern anlässlich der
Militärintervention. Spätestens an dieser Stelle sollte man hellhörig
werden, was die Motivation hinter der Entsendung von EU-Truppen ins
westliche Afrika betrifft. Bislang hat es nämlich keine befriedigende
Begründung für diesen Schritt gegeben. Wohl wahr, Mali hat offiziell
um Hilfe gebeten, und, ja man hört von Islamisten, der Scharia und
andern Schreckgespenstern, aber wirklich überzeugend klingt das
nicht. Bis man sich eine Landkarte nimmt und sich die in der Region
vorhandenen Rohstoffe näher ansieht. Da wäre zunächst einmal Gold.
Mali ist der drittgrößte afrikanische Produzent dieses Rohstoffes.
Aber das alleine kann es nicht sein. Erst das zweite Metall, das in
Malis Boden vorkommt, lässt hellhörig werden: Uranerz. 500 Tonnen
soll es in dem Land an Reserven geben - ist zwar nicht die Welt,
tatsächlich gibt es jedoch nur ein Dutzend Länder, die Uran in
relevanten Größen fördern.
Darunter Niger. Dieses Land liegt wiederum an der Ostgrenze Malis und
somit direkt an den von den Rebellen beherrschten malischen Gebieten.
270.000 Tonnen Uran sollen im Tim Mesoi Basin schlummern, das direkt
im Einzugsgebiet der Tuareg liegt. Dieselben Tuareg, die bis zur
Jahresmitte 2012 den Norden Malis gehalten hatten, bis die
islamistische MOJWA ihnen in den Rücken fiel und derzeit die
größerere Gefahr darzustellen scheint. "Scheint", weil die Lage vor
Ort unübersichtlich ist - Kartenmaterial bezeichnet die Gegend als
von Tuareg oder Islamisten gehalten.
All das erinnert an die Intervention der USA im Irak. Auch da wurde
lange von einer militärischen Bedrohung geredet, bis klar wurde, dass
es um exakt eine Sache geht: Erdöl. Im Fall Mali erscheinen die
offiziellen Argumente für ein Eingreifen ähnlich schwammig.
Nachdenklich darf stimmen, dass die Uranfelder Nigers vom
französischen Konzern Areva kontrolliert werden. Und ein kleines
Detail am Rande: Hollande reiste gestern nach Abu Dhabi.
Es scheint also, als hätte der Präsident neben dem menschlichen Leid
in Mali doch noch eine zweite Agenda. Welche das sein könnte? Dazu
ein Hinweis:In Abu Dhabi begann gestern die Energiekonferenz "World
Future Energy Summit". Und wenn es um die Sicherstellung von
Ressourcen geht, hat sogar Putin Verständnis für die Franzosen. Er
könnte ja der Nächste sein, der in einem ähnlichen Szenario
diplomatische Rückendeckung braucht.
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