Euro trotz Krisengewitter ein Erfolg

Innsbruck (OTS/TT) - Von Alois Vahrner

Untertitel: Der Euro ist allen Krisenmeldungen zum Trotz nicht nur ziemlich fälschungssicher, sondern glücklicherweise auch stabil. Die beim Start eingebauten Konstruktionsfehler müssen aber rasch beseitigt werden.

Text: Die Europäische Zentralbank (EZB) durfte sich gestern in Frankfurt zur Abwechslung einem angenehmen Thema widmen: Statt an der Zinsschraube zu drehen, um die marode Konjunktur in Gang zu bringen, oder in Krisensitzungen immer neue Rettungspakete für finanzschwache Eurostaaten zu schnüren, durften die Währungshüter neue Fünf-Euro-Banknoten präsentieren. Diese werden dann ab Mai unters Volk gebracht. In der Folge sollen auch die Banknoten von 10 bis 500 Euro noch fälschungssicherer werden.
Sarkastisch könnte man anmerken, dass die neuen Banknoten der letzte Beweis sind, dass auch die EZB-Spitze allen Turbulenzen und internationalen Unkenrufen zum Trotz an eine Euro-Zukunft glaubt. Seit bereits 14 Jahren gibt es den Euro als Buchgeld, seit elf Jahren auch als Bargeld in den Taschen von Hunderten Millionen EU-Bürgern. Auch wenn dies nach unzähligen Meldungen der letzten Jahre manche überraschen mag: Eine Zwischenbilanz für den Euro fällt weitgehend positiv aus.
Wohl kaum eine andere Maßnahme war derart weitreichend und spektakulär wie die Einführung einer gemeinsamen Währung (derzeit in 17 von 27 EU-Ländern). Die früheren Wechselkursturbulenzen (mit Abwertungen etwa in Italien oder Spekulationsattacken gegen manche Währungen) sind gerade Österreichs Exporteuren und dem Tourismus noch in äußerst unliebsamer Erinnerung - und der breiten Bevölkerung das lästige und teure Geld-Umwechseln etwa vor dem Urlaub.
Der Euro ist eine grandiose Idee für die europäische Einigung. Er ist (Stichwort: neue Sicherheitsmerkmale) nicht nur ziemlich fälschungssicher, sondern auch sehr stabil - auch heute ist der Eurokurs zum Dollar klar höher als beim Start. Leider wurden als Folge des politischen Kompromiss-Gezänks etliche Konstruktionsfehler zugelassen. Vor allem eine fehlende zentrale Steuerung und Wirtschaftspolitik sowie fehlende Eingriffsmöglichkeiten gegen Budgetsünder. Zudem wurden Länder wie Griechenland aufgenommen, die nie und nimmer Euro-tauglich waren.
All diese Sünden haben sich in den letzten Jahren bitter gerächt -mit einer unglaublich teuren Zeche, um einen Zerfall der Eurozone zu verhindern. Auch wenn die Euro-Krise, die mehr eine Schulden- und Wettbewerbsfähigkeitskrise einiger Länder ist, noch Jahre dauern kann und weitere Geldspritzen erfordern wird: Dass der Euro überlebt und nach dem Krisengewitter noch stärker dasteht, ist nach vielen richtigen Maßnahmen heute wahrscheinlicher als vor einem Jahr.

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