Khol: Lernen Sie Geschichte, Herr Ackerl!

Wien (OTS) - Zu den aktuellen Aussagen des oberösterreichischen Landeshauptmann-Stellvertreters und SPÖ-Landesrates, Josef Ackerl, hält NR-Präs.i.R. Univ.-Prof. Dr. Andreas Khol, Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes , fest:

"Die allgemeine Wehrpflicht ist ein Kind der französischen Revolution. Unter dem demokratischen Leitspruch 'Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit' wurden als Gegensatz zu den Söldner-Heeren der untergehenden Monarchien die im Volk verankerten auf der allgemeinen Wehrpflicht basierenden Volksheere zuerst in Frankreich, später auch in anderen Ländern geschaffen. Sie siegten lange Jahre auch in ganz Europa. Die allgemeine Wehrpflicht ist untrennbar mit der französischen Revolution, der 'tricolore' und Napoleon I. verbunden. Auch die Habsburger-Monarchie ging mit der allgemeinen Wehrpflicht in den ersten Weltkrieg. Das Berufsheer in Österreich wurde der schwachen jungen ersten Republik Österreich von den Siegermächten im Staatsvertrag von St. Germain gemeinsam mit einer Reihe demütigender Beschränkungen aufgezwungen. Dieses so genannte "30.000-Mann-Heer" der ersten Republik war es, welches die österreichische Sozialdemokratie mit allen Fasern ihrer Politik bekämpfte und zur überzeugten Verfechterin der allgemeinen Wehrpflicht machte. Der nazionalsozialistische Unrechtsstaat fegte bei der gewaltsamen Einverleibung Österreichs dieses Heer weg und kehrte zur allgemeinen Wehrpflicht zurück. Aber die Geschichte Österreichs beginnt eben nicht erst mit dem 'Anschluss'". Herr Landeshauptmann-Stellvertreter Ackerl, ich bin enttäuscht von Ihnen. Ich habe Sie als gebildeten Politiker mit Tiefgang immer sehr geschätzt. Nur eine Frage, Herr Ackerl: Waren Sie in der Vergangenheit gerade als Oberösterreicher nicht immer ein überzeugter Anhänger der allgemeinen Wehrpflicht, weil der Bürgerkrieg 1934 mit dem Sturm auf das Hauptquartier der oberösterreichischen Sozialisten im Hotel Schiff in Linz begonnen hat? Wo haben Sie Ihr Damaskus erlebt? Oder ist das reine Taktik? Ihr ehemaliger Bundeskanzler Kreisky wäre auch heute noch ein Anhänger des Volksheeres auf Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht!"

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