Haiti drei Jahre nach dem Beben - "Nachbar in Not" leistet weiter Hilfe

Die österreichische Hilfsgemeinschaft betreut nach wie vor Projekte, um die Lebensumstände der Menschen zu verbessern

Wien (OTS) - Das Erdbeben, das Haiti am 12. Jänner 2010 erschütterte, gehört zu den schlimmsten Naturkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte. 250.000 Menschen kamen ums Leben, mehr als 1,3 Millionen wurden obdachlos. Der Ausbruch der Cholera und das politische Chaos verschärften die Situation zusätzlich. Als Provisorien gedachte Unterkünfte gehören längst zum Alltagsbild, und Tropenstürme hinterlassen nach wie vor regelmäßig ihre Spuren.
Die vom ORF und "Nachbar in Not" am 14. Jänner 2010 gestartete Hilfsaktion hat innerhalb von drei Monaten 14,7 Millionen Euro gesammelt. Geld, das von den unter dem Dach von "Nachbar in Not" arbeitenden Hilfsorganisationen - Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs, CARE, Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Malteser Hospitaldienst, Rotes Kreuz und Volkshilfe - in überlebenssichernde Soforthilfemaßnahmen, aber auch in viele Wiederaufbauprojekte investiert wurde. Diese laufen teilweise immer noch und sind vor allem auf die Nachhaltigkeit und verbesserte Lebensumstände angelegt.

Mayerhoffer: "Den Menschen wieder Perspektiven geben"

Sissy Mayerhoffer, Leiterin des ORF-Humanitarian-Broadcasting, die zuletzt 2012 mit einer "Nachbar in Not"-Delegation Haiti besuchte:
"Die 'Nachbar in Not'-Organisationen leisten innerhalb ihrer Möglichkeiten gute Arbeit. Sie bemühen sich auch drei Jahre nach dem Beben, um den Menschen wieder Perspektiven zu geben. So freue ich mich besonders, dass etwa das Waisenhaus, das ich zuletzt 2012 besucht habe und das 'Nachbar in Not' gemeinsam mit der Caritas und den Salesianer Schwestern gebaut hat, nun kurz vor seiner Eröffnung steht."

Opriesnig: "Bildung und Ausbildung als Weg aus der Armut"

Das Rote Kreuz hat in der Region um Leogane mehr als 2.000 Holzhäuser errichtet. Diese Häuser sind so gebaut, dass sie auch Hurrikans standhalten. Weitere 1.000 Notunterkünfte, die unmittelbar nach dem Erdbeben 2010 errichtet wurden, werden jetzt zu permanenten Wohnhäusern umgebaut. Nahe der Hauptstadt Port-au-Prince wurden ein Kindergarten und zwei Schulen wiederaufgebaut - am Wiederaufbau einer weiteren Schule wird gerade gearbeitet. Darüber hinaus wurden mehr als 2.000 Latrinen errichtet. In Haiti gibt es nach wie vor Cholerafälle. Sanitäre Anlagen sind besonders wichtig, um die Seuchengefahr einzudämmen. "Oberstes Ziel all unserer Aktivitäten ist es, Menschen, die durch das Erdbeben alles verloren haben, eine Lebensgrundlage zurückzugeben", sagt Michael Opriesnig, stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes und Vorstandsvorsitzender von "Nachbar in Not". "Daher unterstützt das Rote Kreuz die Menschen nicht nur beim Wiederaufbau, sondern auch bei der Berufsausbildung. Es werden Schulungen für unterschiedliche Berufe angeboten. Das ist ein Weg aus der Armut, und wir stellen so eine langfristige Verbesserung der Lebensumstände sicher", so Opriesnig.

Schweifer: "Ein sicheres Zuhause für Waisenkinder"

Auch die Caritas Österreich setzt auf nachhaltige Hilfe: So wurden nach umfangreichen Nothilfemaßnahmen nach dem Beben in den vergangenen Jahren die zerstörten Häuser von 400 Familien repariert und mit der Hilfe der Spenderinnen und Spender aus Österreich konnten die Häuser von mehr als 350 Familien wiederaufgebaut und größtenteils übergeben werden. Der Bau von 50 weiteren Häusern geht gut voran und soll bis März 2013 vollständig abgeschlossen sein. Wiederaufbau und Reparatur der Häuser von weiteren 250 Familien sind geplant, weil der Bedarf nach wie vor groß ist.
Darüber hinaus hat "Nachbar in Not" gemeinsam mit der Caritas und den Salesianer Schwestern in Croix-des-Bouquets, nordöstlich von Haitis Hauptstadt Port-au-Prince, ein Waisenhaus für 150 Mädchen errichtet. Bungalows, Mehrzweckhalle, Mensa etc. sind Teil eines geplanten großen Bildungskomplexes in Croix-des-Bouquets. Der Bau ist fast fertig und die ersten Kinder sind in den vergangenen Tagen schon eingezogen. "Damit ermöglichen wir gemeinsam mit 'Nachbar in Not' ein sicheres Zuhause für Hunderte Kinder und können so die Zukunft des krisengeschüttelten Landes positiv mitgestalten", freut sich Caritas Generalsekretär für Internationale Programme, Christoph Schweifer, auf die offizielle Eröffnung im März.

Gesundheitszentren und Schulkantinen

Aber auch andere Projektpartner von "Nachbar in Not" betreuen nach wie vor Programme in Haiti. So wurde etwa das von "Nachbar in Not" bis Ende 2011 finanzierte Projekt in Darbonne mit Mitteln von Malteser International auch 2012 weitergeführt. Die Weiterführung fokussierte sich dabei auf die Übergabe des Gesundheitszentrums an den lokalen Partner, die Episkopalische Kirche.
Die Übergabe verlief bisher sehr erfolgreich und die Episkopalische Kirche wird ab Januar 2013 das Gesundheitszentrum ganz selbstständig weiterführen mit ein wenig technischer Unterstützung von Malteser International. Viele der durch "Nachbar in Not" finanzierten Maßnahmen, wie zum Beispiel der Bau von Brunnen und Latrinen, waren Maßnahmen, die während des Projekts abgeschlossen wurden. Die Begünstigten sind bis heute dankbar für diese Leistungen und profitieren täglich davon.

In Croix-de-Bouquets arbeitet die Volkshilfe bei zwei Hilfsprojekten mit dem Zentrum für Gesundheit und integrierter Entwicklung (CSDI) zusammen. Finanziert wird ein mobiles medizinisches Team, bestehend aus einem Arzt, einer Krankenschwester, einer Assistentin und einem Fahrer, das einmal pro Woche die Menschen in den Zeltlagern Zugang zu Gesundheitsbehandlungen bietet. Für die Kinder wurden in der Zeltstadt ein Kindergarten und eine Grundschule eingerichtet. Rund 300 Kinder werden hier nicht nur täglich unterrichtet, sondern in der angebauten Schulkantine einmal pro Tag mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Auch dieses Projekt wird mit Mitteln von "Nachbar in Not" finanziert.

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