Auf die Eiszeit folgt das Tauwetter

Innsbruck (OTS/TT) - Von Anita Heubacher

Untertitel: Die Sozialpartnerschaft funktioniert am besten, wenn sie nicht im Schaufenster steht und wenn die Kräfteverhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausgeglichen sind. Das ist nicht in allen Branchen der Fall.

Text:Der Schulterschluss der Sozialpartnerschaft wurde gestern medientauglich inszeniert. Ganz so selbstverständlich ist dieses Miteinander nicht, schließlich hat es in Tirol schon Zeiten gegeben, in denen sich die Interessenvertreter geweigert haben, sich an einen Tisch zu setzen. Zu oft hatte man in den jeweils hauseigenen Medien dem anderen ausrichten lassen, dass es so überhaupt nicht gehe und was man vom Gegenüber halte. Ein Jahr lang traf man sich gar nicht. Sodass es bereits als Errungenschaft galt, dass man letztes Jahr ein paar Zusammenkünfte zu organisieren vermochte. Der Eiszeit in der Sozialpartnerschaft folgt im Superwahljahr 2013 das verlängerte Tauwetter.
Die Sozialpartnerschaft ist in ihrer Rolle als Schattenkabinett ein österreichisches Unikat. Geboren aus der Idee, das Land zerfalle im Wesentlichen in zwei Reichshälften, in jene der Arbeitnehmer und jene der Arbeitgeber. Wirtschaft und Bauern, vertreten von der ÖVP auf der einen Seite, Arbeitnehmer und Gewerkschaft, vertreten von der SPÖ auf der anderen Seite. Das zieht sich bei den Kammern im Bund und in den meisten Bundesländern durch. In Tirol ist es noch ein bisschen anders. Da schlagen sich Arbeiterkammer- und Wirtschaftskammerpräsident oft verbal die Köpfe ein, um am Ende des Tages festzustellen, dass man doch derselben Partei angehört. Anders als in der Parteipolitik sind die Kräfteverhältnisse innerhalb der Sozialpartnerschaft im Wesentlichen gleich geblieben. Bei den Kammerwahlen gibt es Wahlergebnisse, von denen man in der "echten Politik" nur träumen kann. Entsprechendes Gewicht als Meinungsbildner haben die Präsidenten der Kammern in der Parteipolitik.
Dass man in der Sozialpartnerschaft aneinandergerät, liegt in der Natur der Sache. Dass man die großen Fragen gemeinsam löst, macht Sinn. Die Interessenvertretung funktioniert dort gut, wo sie nicht im Schaufenster steht. In großen und größeren Betrieben oder in Leitbetrieben tauschen sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretung aus. Es gibt Themenkomplexe, bei denen sich die Sozialpartnerschaft sogar leichter tut als die Parteipolitik, weil ideologische Grundsätze hinter ökonomische gestellt werden. Stichwort Kinderbetreuung.
Es gibt aber auch Branchen, an denen die Sozialpartnerschaft bis dato fast spurlos vorübergegangen ist. Als gelernter Tirolerin fällt einem da als Beispiel der Tourismus ein.

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