TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 3. Jänner 2012 von Wolfgang Sablatnig "Fehlstart ins Bildungsjahr 2013"

Innsbruck (OTS) - Utl.: 2013 hat gerade erst begonnen, da fallen Staatssekretär Kurz und Unterrichtsministerin Schmied in ihre alten Streitmuster zurück. Leidtragende sind die Kinder von Zuwanderern und letztlich wir alle als Gesellschaft.

Sebastian Kurz und Claudia Schmied werden zum Problem. Kaum hatte das neue Jahr begonnen, verfielen der schwarze Integrationsstaatssekretär und die rote Unterrichtsministerin gestern in ein vertrautes Verhalten: Kurz preschte über die Medien mit einem Vorschlag vor, der Schmieds Ressort betrifft - und diese reagierte verschnupft. Der Inhalt rückte in den Hintergrund.
Dabei ist kaum ein Bereich vorstellbar, in dem innovative Lösungen dringender erforderlich sind als an der Schnittstelle von Zuwanderung und Schule. Kinder und Jugendliche, die ihre Schulpflicht absitzen, mangels Deutschkenntnissen dem Unterricht nicht oder nur schwer folgen können, starten mit einer schweren Hypothek in ihr späteres (Berufs-)Leben.
Und das ist nicht nur für die unmittelbar Betroffenen ein Problem, sondern letztlich für die ganze Gesellschaft und damit für uns alle:
Der Anteil jener, die vom Sozialstaat abhängig sind, steigt - während gleichzeitig Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Wirtschaft sinken. Dass Österreich damit auch bei den internationalen Bildungsstudien von PISA bis PIRLS immer wieder abgestraft wird, ist da nur ein bedauerlicher Nebeneffekt.
Mit Schmied und Kurz haben einander aber zwei getroffen, zwischen denen nicht nur inhaltliche und ideologische, sondern vor allem persönliche Gräben und Ressentiments liegen. Gerade im Integrationsbereich ist das eine denkbar ungünstige Konstellation. Denn Kurz ist als Staatssekretär zwar dem Namen nach zuständig dafür, wie Zuwanderer und eingesessene Österreicher ihr Zusammenleben gestalten - in der konkreten Umsetzung der Vorschläge seines Expertenbeirats, mit denen er medial immer wieder vorprescht, ist er aber immer auf andere Minister angewiesen.
Das funktioniert mit manchen Regierungskollegen besser. Schmied hingegen lässt ihn immer wieder abblitzen und will sich vom Jungpolitiker Kurz nicht in ihr Ressort hineinregieren lassen. Sebastian Kurz und Claudia Schmied haben einen veritablen Fehlstart ins Bildungsjahr 2013 hingelegt. Noch haben sie und mit ihnen ihre Parteien aber die Chance, die Scharte auszuwetzen und rasch ein gemeinsames Modell vorzulegen. Befindlichkeiten und den Drang zu schnellen Schlagzeilen müssen sie dabei zähmen. Denn die Zeit für ein weiteres Zuwarten haben wir alle nicht - schon gar nicht, wenn dieses Zuwarten keinen sachlichen Gründen geschuldet ist.

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