Innenministerium: 522 Verkehrstote im Jahr 2012

Nahezu gleichbleibende Tendenz zum Vorjahr

Wien (OTS) - Das Bundesministerium für Inneres gibt bekannt, dass im Jahr 2012 mit 522 Verkehrstoten eine nahezu gleichbleibende Zahl zum Vorjahr (2011: 523 Opfer) registriert werden musste.

Der Rückgang beträgt somit lediglich ein Opfer oder 0,2 Prozent gegenüber dem Jahr 2011, bedeutet aber trotzdem die erneut niedrigste Zahl an Verkehrstoten seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1950. Mit diesem Tiefststand setzt sich zudem der langfristig rückläufige Trend bei den Verkehrstoten auf den Straßen weiter fort, die Opferzahl ist in Österreich im Jahresvergleich seit dem Jahr 1999 bereits zum 13. Mal in Folge gesunken.

Gegenüber 1972, dem bisher schwärzesten Jahr in der Unfallstatistik (2948 Tote) sind dies nahezu ein Sechstel der Todesopfer von damals, obwohl sich der Fahrzeugbestand seither beinahe verdreifacht hat. Noch vor 13 Jahren, im Jahr 1999, gab es in Österreich mehr als 1000 Tote (1079) im Straßenverkehr. Der Rückgang seit damals beträgt fast 52 %.

Bundesländerstatistik

Burgenland 29 Verkehrstote (2011: 21), Kärnten 45 (32), Niederösterreich 146 (159), Oberösterreich 93 (103), Salzburg 48 (45), Steiermark 77 (72), Tirol 40 (44), Vorarlberg 21 (25) und Wien 23 (22).

Zunahmen gab es dabei in Kärnten (+13 Getötete), Burgenland (+8), Steiermark (+5), Salzburg (+3) und Wien (+1).

Hier ist anzumerken, dass in Kärnten und Steiermark im Jahr 2011 historische Tiefststände registriert wurden. In Niederösterreich und Oberösterreich gab es im abgelaufenen Jahr die bisher geringste Zahl an Verkehrstoten seit 45 Jahren.

Verkehrsbeteiligung

Bei den tödlichen Verkehrsunfällen im Jahr 2012 verloren 276 PKW-Insassen, 18 Lkw-Insassen (davon 11 in einem Klein-LKW), 70 Motorrad-Fahrer, 16 Moped-Fahrer, 50 Radfahrer (davon 5 mit Elektro-Fahrrad), 79 Fußgänger (davon 41 durch ihr eigenes Fehlverhalten und 38 durch Fremdverschulden), 3 Fahrgäste in Linienbussen bzw. in einer Straßenbahn, eine Insassin eines Wohnmobils, 3 Traktor-Lenker/Mitfahrer, ein Lenker eines Motorkarren, 3 Microcar-Lenker/Mitfahrer und 2 Lenker von Behindertenfahrzeugen ihr Leben.

Zurückgegangen auf die bisher niedrigsten je erfassten Werte sind die getöteten Pkw-Lenker und Insassen sowie die Fußgänger. Angestiegen gegenüber dem Vorjahr ist die Anzahl der getöteten Radfahrer. Von den 50 Radfahrern starben 31 durch ihr eigenes Fehlverhalten und 19 durch Fremdverschulden. 6 Radfahrer verunglückten auf Radwegen, Radfahrüberfahrten bzw. Radfahrstreifen.

Schwerster Unfall

Der schwerste Unfall im vergangenen Jahr ereignete sich am 13. Oktober 2012 gegen 22 Uhr bei Bad Hall in Oberösterreich. Nach einem riskanten Überholmanöver eines 17-jährigen Pkw-Lenkers auf der Landesstraße 556 starben 3 Mädchen im Alter von 15 bis 20 Jahren beim Anprall an ein abgestelltes landwirtschaftliches Gerät.

Hauptunfallursachen

Als vermutliche Hauptunfallursachen dieser tödlichen Verkehrsunfälle mussten nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit (33 %), Vorrangverletzung (14,2 %), Unachtsamkeit/Ablenkung (12 %), Überholen (8,7 %), Fehlverhalten von Fußgängern (8,3 %), Übermüdung (4,9 %) und Herz-/Kreislaufversagen/akute Erkrankungen (4,1 %) festgestellt werden. Unfallkausale Alkoholisierung war bei 28 oder 5,7 % der tödlichen Unfälle gegeben. Bei 4 dieser Unfälle war eine Alkoholisierung des Fußgängers unfallkausal.

Im abgelaufenen Jahr wurden gegenüber 2011 anteilsmäßig mehr Unfälle durch nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit, Übermüdung, akuten Erkrankungen und dem Fehlverhalten von Fußgängern verursacht. Weniger Unfälle ereigneten sich aufgrund von Vorrangverletzungen, Unachtsamkeiten, Ablenkungen und Alkohol am Steuer.

Kinderunfälle

Die Zahl der getöteten Kinder unter vierzehn Jahren ist im Vorjahr wieder zurückgegangen: 8 Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren kamen im Straßenverkehr im Jahr 2012 ums Leben, die meisten davon (3) als Fußgänger, 2 als Pkw-Insassen (beide waren mittels Kindersitz gesichert), 2 als Radfahrer und ein Kind als Mitfahrer auf einem Moped. Ein tödlicher Kinderunfall war ein Schulwegunfall.

Im Jahr 2011 verunglückten 13 und im Jahr 2010 zehn Kinder tödlich.

Insgesamt betrachtet machen die Getöteten nach Altersgruppen bei den unter 30- jährigen (166 Verkehrstote) und den über 60-jährigen (182) die größten Gruppen aus. Mehr als die Hälfte der getöteten Fußgänger (42 von 79) und nahezu drei Viertel aller getöteten Radfahrer (36 von 50) waren über 60 Jahre alt.

15 Getötete auf Bahnübergängen, 12 Verkehrstote in Straßentunnelanlagen

15 tödliche Unfälle ereigneten sich auf Eisenbahnkreuzungsanlagen (2011: 20). 9 der 15 Getöteten auf Bahnübergängen kamen bei Kollisionen mit Eisenbahnen auf Gemeindestraßen und 6 auf Landesstraßen ums Leben. 6 tödliche Unfälle ereigneten sich bei Signalanlagen mit Rotlicht, 5 Unfallstellen waren mittels Stopptafel und Andreaskreuzen gesichert und bei 4 Unfällen wurde der geschlossene Halbschranken umfahren.

14 Fußgänger kamen im Vorjahr im Bereich von Schutzwegen ums Leben; 7 bei ungeregelten und 7 bei geregelten Schutzwegen, davon 2 Fußgänger als sogen. "Rotgeher" bei einer Lichtsignalanlage. Im Jahr 2011 kamen 16 Menschen auf Schutzwegen ums Leben.

12 Tote mussten im abgelaufenen Jahr in Straßentunneln beklagt werden (2011: 10), davon 7 im hochrangigen Straßennetz (Autobahnen und Schnellstraßen).

Im Bereich von Bahn- oder Bushaltestellen verunglückten im Vorjahr 8 Menschen (2011: 10) und im Bereich von Kreisverkehrsanlagen 3 Menschen (2011: 5) tödlich.

Im Zuge von Wende- oder Umkehrmanövern bzw. beim Ausparken oder Zurückschieben kam es zu 9 tödlichen Unfallereignissen (2011: 8). Bei 3 letalen Unfällen kann eine Blendung des Lenkers durch den Gegenverkehr bzw. durch die tiefstehende Sonne als Mitursache angenommen werden (2011: 11). Auf Parkplätzen (einschl. Ein- und Ausfahrten) kam es zu 9 tödlichen Unfällen, bei Haus- und Hofzufahrten starben 8 Menschen.

Bei Verkehrsunfällen mit Geisterfahrern kam wie schon im Jahr 2011 auch im abgelaufenen Jahr kein Verkehrsteilnehmer ums Leben.

Mehr Getötete auf Autobahnen und Schnellstraßen

51 Verkehrstote mussten auf Autobahnen und 12 auf Schnellstraßen verzeichnet werden, diese Zahlen bedeuten - zusammengezählt 63 -einen Anstieg für das hochrangige Straßennetz gegenüber dem Vorjahr (59 Opfer) und machen einen Anteil von etwa 12 % an allen Verkehrstoten aus. Der Großteil der tödlichen Unfälle ereignet sich auf den ehemaligen Bundesstraßen (221 Getötete), Landesstraßen (136), Gemeindestraßen (80), Güterwegen (11) und sonstigen öffentlichen Verkehrsflächen (11). Nahezu drei Viertel aller tödlichen Unfälle (354) ereigneten sich im Freiland, 138 im Ortsgebiet.

In Baustellenbereichen ereigneten sich im Vorjahr 4 tödliche Verkehrsunfälle (2011: 6).

Bei 11 Unfallereignissen auf Autobahnen bzw. Schnellstraßen kam es zu unmittelbaren Folgeunfällen durch Auffahren von nachkommenden Fahrzeuglenkern nach vorangegangenen Pannen oder Vorausunfällen auf der Fahrbahn, welche für 14 Menschen tödlich verliefen. 8 Menschen starben dabei auf dem Pannenstreifen bzw. in einer Pannenbucht. (2011: 12 Tote bei Vorausunfällen, davon 3 auf Pannenstreifen).
Im Zusammenhang mit der Problematik der "Toten Winkels" kamen 10 Menschen ums Leben (Fußgänger bzw. Radfahrer bei Kreuzungsunfällen mit abbiegenden oder anfahrenden Schwerfahrzeugen).

9 tödliche Unfälle wurden von 17-jährigen Pkw-Lenkern verursacht, davon 3 ohne vorgezogene Lenkberechtigung (L 17). 2011 waren es 6 tödliche Unfälle. 4 Getötete waren 15-jährige Moped-Lenker (2011: 2 Getötete).

Bei jedem dritten tödlichen Unfall ist nur ein einziges Fahrzeug beteiligt

171 oder 34,8 % aller tödlichen Unfälle sind Alleinunfälle, das heißt es ist nur ein einziges Fahrzeug am Unfall beteiligt. 60 tödlich verletzte Fahrzeuginsassen waren nicht angegurtet.

8 Verursacher von tödlichen Verkehrsunfällen begingen Fahrerflucht, 12 Fahrzeuglenker waren nicht im Besitz einer gültigen Lenkberechtigung. 7 Kraftfahrzeuge von Unfalllenkern waren nicht zum Verkehr zugelassen. Drei getötete Moped-/Motorradlenker verunglückten ohne Sturzhelm. Bei 11 tödlichen Verkehrsunfällen kam es zu Fahrzeugbränden.

76 der 522 Verkehrstoten (14,6 %) waren ausländische Staatsangehörige, der Anteil der ausländischen Verursacher von tödlichen Verkehrsunfällen beträgt 17,3 % (85 von 492).

Jeder schwere Verkehrsunfall ist mit viel Leid für die Opfer und deren Angehörigen verbunden ist, deshalb ist größtmögliche Verkehrssicherheit ein ganz wichtiges Anliegen für die Polizei und das BMI. Neben der zielgerichteten Überwachung und Kontrolle ist auch die Prävention und Bewusstseinsbildung eine wesentliche Aufgabe zur Verhinderung von Unfällen im Vorfeld durch die Exekutive.

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