TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Frauen sind gefährdeter" von Liane Pircher, Ausgabe vom 23. Dezember 2012

Es ist verfehlt, Hilfseinrichtungen nur zur Weihnachtszeit verstärkt Aufmerksamkeit zu schenken.

Innsbruck (OTS) - Warum emotionaler Stress nicht der einzige Grund für Gewalt gegen Frauen ist und was es noch zu tun gibt - weltweit.

Die wohl erschütterndste Geschichte über Gewalt und Unterdrückung war in diesem Jahr jene von dem Mädchen Malala Yousafzai. Sie erinnern sich? Das war jenes 15-jährige pakistanische Mädchen, das für den bloßen Wunsch, zur Schule gehen zu dürfen, von den Taliban eine Kugel durch den Kopf gejagt bekam. Das Mädchen überlebte schwerst verletzt. Malala wurde zur Symbolfigur für Widerstand und Mut - in der muslimischen Welt, aber auch im Westen bewegte diese Geschichte. Gewalttaten gegen Frauen wühlten in den vergangenen Wochen auch hierzulande die Gemüter auf - zwei Frauen wurden von ihren Ehemännern ermordet, zwei weitere entgingen Mordversuchen durch Ex-Partner nur mit knapper Not, in Tirol wurde eine Frau von ihrem Ex-Freund erst vergangenes Wochenende erschossen.
Nach wie vor widerfährt Frauen also weltweit massive Gewalt, weil sie Frauen sind. Tatsächlich ist Gewalt an Frauen ein Männerproblem. Sie werden geprügelt oder gar getötet, weil sie männlichen Vorstellungen von einer Ehefrau, Geliebten, Tochter oder Schwester nicht entsprechen. Dass Frauen hierzulande rund um Weihnachten besonders gefährdet sind, sagen alle Hilfseinrichtungen. In dieser Zeit gibt es besonders häufige und viele Ausschläge in der Statistik. In dieser Zeit liegen die Nerven besonders blank, weil die Emotionen rund ums Fest groß sind. Auch Alkohol mag eine Rolle spielen. Gleichzeitig ist aber Fakt, dass Gewalt nicht aus heiterem Himmel zu Weihnachten ausbricht, sondern vielmehr in Beziehungen und Familien vorkommt, in denen das Zuschlagen ganzjährig Muster ist. An all dem gemessen, dürfen in einem Land wie Österreich Noteinrichtungen für Gewalt nicht nur rund um die Weihnachtsfeiertage am meisten öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wir müssten öfters hinschauen. So, wie Gewalt passiert: ganzjährig.

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